Eigentlich ist Hauswirth ein sehr ausgeglichener Mensch. Seinen Kaffee mag er mit Rahm, dafür ohne Zucker. Er hat gerne heisses Wetter, das eher kühlere Berlin aber ist seine Lieblingsstadt (und eisern Union sein liebster Fussballclub ennet irgendwelcher Grenzen). Und hat er die Wahl zwischen Wein (11 Volumenprozent) und nichts (0 Volumenprozent), nimmt er am liebsten ein Bier. Die goldene Mitte, ein bisschen von Schwarz und Weiss - damit ist er schon immer gut gefahren. 

Wenn bei ihm diesbezüglich etwas zur Kernschmelze führt, dann natürlich wieder nur eines: sein FC Aarau. Schwarz. Oder Weiss. Ihn ärgert das zwar ein wenig, denn er hält es für eine deutsche Eigenart: Auch im deutschen Fussball gibt es nur rosarote Wölkchen am heiteren Himmel oder pechschwarzes Donnergrollen. Grauzonen unbekannt. Nur hü oder hott. Und bestimmt nie rational. Andererseits wirkt das auch beruhigend: Hauswirth weiss, dass er damit nicht alleine ist. 

Der Turm in der Schlacht: Stefan Maierhofer (2.v.r.) überragte gegen Schaffhausen einmal mehr alle Aarauer.

Der Turm in der Schlacht: Stefan Maierhofer (2.v.r.) überragte gegen Schaffhausen einmal mehr alle Aarauer.

Zum Beispiel die Grosswetterlage rund um den FC Aarau vor dem Saisonstart: Es hatte ja eitel Sonnenschein geherrscht. Von den imposanten Transfers beeindruckt, schrieben sich die Enthusiasten im Forum die Finger vorfreudig, und selbst in der Zeitung jubelten die Experten auf Vorrat. Natürlich liess sich Hauswirth anstecken und jubelte mit. Doch die Stimmung wurde schnell frostig und erreichte Minustemperaturen, bei Hauswirth und den Experten. Aus Heilsbringer wurden Buhmänner, aus Jahrhundertspielern die grössten Versager. 

Und nun? Da es tatsächlich kalt geworden ist in diesem Jahr mit seinem endlosen Sommer? Vier. Siege. In Serie. VIER! Hatten die Experten, diese Visionäre, also doch recht! In einer anderen Zeitung las Hauswirth die beiläufige Meldung: «Der FC Aarau klettert in der Tabelle nach oben.» Und auf Facebook fragte ein Bekannter: «Wird der FC Aarau jetzt Schweizer Meister?» Hauswirth gefiel das, und er war auf einmal ein bisschen überzeugt: Vermutlich werden wir jetzt nie mehr verlieren.