Totomat #8

Die FC-Aarau-Kolumne: SMS-Schreck mit Rioja (Jahrgang 99)

2:0 gegen Wil: Der FC Aarau hat wieder einmal gewonnen.

2:0 gegen Wil: Der FC Aarau hat wieder einmal gewonnen.

In der Kolumne «Totomat» erzählen wir Geschichten und Erlebnisse von FCA-Fan Hauswirth und seinen Freunden rund um ihren Lieblingsklub.

Die Einladung stand schon lange, und eigentlich kam sie Hauswirth ganz gelegen. Natürlich mochte er die Fussballabende mit seinen Freunden im Brügglifeld. Unterhalb des Totomats hatten sie es seit je fröhlich, man kannte sich und scherzte zusammen. Und manchmal fluchte man auch. Nein, eigentlich fluchte man recht häufig. Aber diesmal konnte Hauswirth nicht, denn er war mit seiner Frau bei Freunden eingeladen.

Aber da er ja doch ein bisschen sauer auf seine Aarauer war, packte ihn eine gewisse Gleichgültigkeit. Er brauchte ja nicht jedesmal dabei zu sein, wenn sein Lieblingsclub sich blamiert. Den FC Wil mochte er sowieso nicht besonders.

Dann fiepste in seiner Hosentasche das Handy. Zwischen dem dritten und vierten Glas Rioja kramte er es hervor, und als er aufs Display schaute, wurde es unter seinem Rollkragenpulli plötzlich warm. Hauswirth spürte, wie sein Gesicht bleich wurde und der Atem kurz aussetzte. Er vergewisserte sich, ob sein Freund Grübi ihn nicht hat veralbern wollen. Wollte er nicht, Hauswirth meldete ungläubig das Jahrhundertereignis in die Runde: "Der FC Aarau hat ein Fussballspiel gewonnen. Ein richtiges."

Im Grunde hasste Hauswirth ja Mitleid, als Fan oder Fussballer überzeichnet man gerne sein Selbstbewusstsein. Aber es war in den letzten Wochen vorgekommen, da hatte Hauswirth Mitleid mit dem FC Aarau, selbst er, der Unverbesserliche. Und er ertappte sich, wie er "der FC Aarau" sagte und nicht "mein FC Aarau". Immerhin fühlte er sich dabei wie ein Verräter.

Hauswirth kam in den Sinn, wann er letztmals so gefühlt hatte: im Frühling 1999 war das. Fünf Spiele vor Schluss jener Auf-/Abstiegsrunde verlor Aarau in Delémont, und die Zeitung schrieb danach vom Abstieg. Und komischerweise war ihm das egal. Doch es folgte die spektakulärste aller möglichen Aufholjagden - und nach 12 Punkten aus 4 Spielen war der Ligaerhalt doch noch geschafft. Irgendwie - hingekrempelt. Nach dem letzten Spiel, es war ein 2:1 gegen Yverdon, schaffte es Hauswirth nicht einmal mehr, zu jubeln. So leergepumpt war er.

Das Wunder möge sich in dieser Saison wiederholen. Dachte Hauswirth. Und gönnte sich zufrieden noch ein Glas Rioja.

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