Hauswirth sass alleine im Gärtchen und begann, sich schwermütig zu fühlen. Wie immer um diese Zeit im Jahr. In der Zeitung hatte er gelesen, dass in den kommenden Tagen mit einem Temperatursturz zu rechnen sei, und auch wenn ihm klar war, dass nun nicht gleich der nächste Gletscher ums Hauseck gewachsen kommt, so war das doch das Zeichen: Der Hochsommer, dieser fantastische, ist wahrscheinlich vorüber. Dabei trug Hauswirth doch so gerne kurze Hosen.

Der Typ aber, der jede freie Minute in der Badi verbringt, war er nie gewesen. Klar, früher, mit den Kindern, da hatte es ihm dort immer gefallen. Aber stressfrei war das nie. Zu gross die Ablenkung, zu gross die Gefahr, die von Wasser ausging. Besonders für Kinder. Und die Badmeisterin, die einen immer wieder auf all die Gefahren hinwies, die hatte er sowieso nie gemocht.

Überhaupt: Wenn Hauswirth etwas mehr hasste als Niederlagen seines FC Aarau, so waren das Autoritätspersonen. Oder Badifussballer, was gingen ihm die auf den Keks. Mit Schauder erinnert sich Hauswirth plötzlich an all die Vicecontes und Melunovics.

Und doch war am Sommer die Vorstellung paradiesisch, dass man theoretisch jeden Tag in die Badi hätte gehen können. Gleich verhält es sich ja mit dem Generalabonnement, auch mit dem entflieht man theoretisch jeden Tag woanders hin. Ins Berner Oberland, an den Lago Maggiore, in die Lauvaux. Und stattdessen fährt man dann trotzdem Tag für Tag ins Büro. Und eben nicht zur bärbeissigen Badmeisterin.

Was seinen FC Aarau betraf, so schwante Hauswirth nun allerdings, war die Möglichkeit, nicht mehr ins Freibad gehen zu können, die geringste Sorge. Von Amriswil zum Beispiel hatte er bis zum vergangenen Wochenende nicht viel mehr gewusst als dass man es eigentlich wie Ammerswil schrieb. Und von Ammerswil wusste er immerhin noch, dass es dort kaum Handyempfang gibt.

Und nun hätte sich sein FCA also fast gegen einen Club lächerlich gemacht aus einem Kaff, das ein bisschen wie eines klingt, in dem man noch nicht einmal telefonieren kann. Was für eine traurige Vorstellung.

Ammerswil im Januar 2018