Der Wind hatte Hauswirth während anderthalb Stunden den Regen in das Gesicht gepeitscht. Ein Regenschirm wäre dabei keine gute Idee gewesen, oder höchstens für einen Platz in den hintersten Reihen. Das weiss Hauswirth aus Erfahrung. Je nach Sicht bergen Regenschirme auf den Brügglifeld-Stehrampen erhebliches Konfliktpotenzial.

Bis auf die Knochen durchnässt harrte Hauswirth nach dem Schlusspfiff und dem 3:1 gegen Vaduz aus, während sich seine Kumpels schnurstracks aufmachten, die Wärme und den Kafi Lutz im Restaurant Sportplatz suchten.

Das Brügglifeld  war fast leer, da schepperte endlich „Sweeeet Caroline, oh, oh oooh“ aus den Lautsprechern – die FCA-Siegeshymne. Hauswirth sang mit den verbliebenen Hardcore-Fans voller Inbrunst mit: „Good times never seemed so good.“ Die FCA-Spieler liessen sich von den Fans ritualisiert feiern. Hauswirth war umgeben von lachenden Gesichtern, es war ein Frohlocken und Feixen, einige posaunten bereits das Wort „Barrage“ hinaus, die der FCA noch schaffen werde.

Und auch später, als Hauswirth seine Freunde in der mit Schweiss-,  Birnenschnaps- und Biergeruch geschwängerten Luft im Restaurant Sportplatz aufsuchte, empfing ihn ein euphorisches „Hopp Aarau“.

93 Tage leuchtete der FCA als Schlusslicht der Challenge League. Es waren 93 Tage des Haderns, des Fluchens, des Verzweifelns. Der Trainer flüchtete sich  in Durchhalteparolen, die Journalisten hauten drauf und die Spieler gaben sich kleinlaut.

Aber das ist alles fast schon vergessen. Hauswirth spürt eine wohlige Genugtuung. Er zahlt sogar Geld, um dann im Sinne des Wortes im Regen zu stehen. Aber das ist egal, sofern der FCA gewinnt. Und da die Volksabstimmung über die Teiländerung der Bau- und Nutzungszone im Torfeld Süd nochmals verschoben wurde, frühestens Ende des nächsten Jahres stattfindet, und so der Stadion-Neubau nochmals verzögert wird, ist sich Hauswirth sicher: Das 1924 eröffnete Brügglifeld wird sein 100-Jahr-Jubiläum erleben. Die guten  Zeiten im „Old Ground“ sind noch nicht vorbei. Und Hauswirth wird noch einige Male im Regen stehen.