Anfang April, da schien alles klar. «Kölliken müssen wir vergessen», sagte Klingnaus Trainer Danijel Kovacevic nach der 1:4-Niederlage seiner Mannschaft gegen Mutschellen. Zehn Punkte betrug der Rückstand der Zurzibieter nach jener Runde auf den überlegenen Leader. Gedanken an einen eventuellen Aufstieg rückten in weite Ferne. Doch dann kam alles anders.

Die Kölliker holten in den nächsten beiden Spielen nur einen Punkt, die Klingnauer deren vier. Und dann kam es zum Direktduell, welches der Jäger gegen den Gejagten mit 2:1 gewann. Und aus den zehn Punkten Rückstand waren nur noch deren vier geworden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Kovacevic-Truppe wieder zurück im Geschäft ist.

Am Sonntag, 19. Mai war es dann so weit: Die Klingnauer überholten mit einem 4:2-Sieg gegen Frick den Leader, der am Tag zuvor in Gränichen 0:1 verloren hatte. Seit jenem Tag gaben sie sich keine Blösse mehr, reihten Sieg an Sieg und stehen deshalb jetzt, vor dem letzten Spieltag, immer noch an der Tabellenspitze. Die Bilanz seit der Niederlage in Mutschellen: acht Siege und ein Unentschieden.

Die Tabelle der 2. Liga nach 25 gespielten Partien

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Psychologische Kriegsführung

So beeindruckend der Steigerungslauf der Klingnauer war, so mittelmässig verlief die Formkurve der Kölliker. Für deren Trainer Marco Wüst kam diese Entwicklung aber nicht überraschend. «Wir haben einfach nicht mehr die Konstanz der Vorrunde hingekriegt. Wobei man auch sagen muss, dass die schon sehr aussergewöhnlich war für unsere Verhältnisse», sagt er. In der Tat: Man muss sich das mal vor Augen halten, Kölliken kassierte seine erste Saisonniederlage am 13. April. Zuvor war man 16 Spiele lang ungeschlagen geblieben.

Auf der anderen Seite schafften es die ambitionierten Klingnauer, ihre durchwachsene, erste Saisonhälfte zu korrigieren. Im Nachhinein war Danijel Kovacevics Aussage, dass man Kölliken vergessen müsse, natürlich auch ein wenig psychologische Kriegsführung. «Ich wollte damit ein wenig Druck wegnehmen von der Mannschaft», sagt der Mann, der den FC Klingnau am Ende der laufenden Saison nach dreieinhalb Jahren verlassen und nach Deutschland zum Bezirksligisten VfB Waldshut an die Seitenlinie wechseln wird.

Er sagt: «Der Aargauer Meistertitel und der Aufstieg wäre für mich und die Mannschaft natürlich ein toller Abschluss.» Aber würde der FC Klingnau, der in den letzten beiden Saisons jeweils knapp gescheitert ist (an Wettingen und den Eagles Aarau) auch tatsächlich den Aufstieg in der 2. Liga Inter vollziehen. «Ja», sagt der scheidende Trainer. Die Zurzibieter wären der erste Fussball-Klub ihres Bezirks in einer überregionalen Liga. Mit einem Punktgewinn bei Lenzburg können sich die Klingnauer ihren lang gehegten Traum erfüllen.

Die Kölliker haben die auf dem Papier leichtere Aufgabe am letzten Spieltag. Die drei Punkte gegen das abgeschlagene Schlusslicht und Absteiger Aarau 2 dürften eigentlich nur eine Formsache sein, auch wenn Trainer Wüst natürlich davor warnt, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Und doch muss der andere FCK auf Schützenhilfe der Lenzburger hoffen, damit der Aargauer Meistertitel im Westen des Kantons bleibt. «Wir glauben an unsere Chance. Wir müssen unsere Pflicht erledigen und bereit sein, wenn Klingnau in Lenzburg verlieren sollte», sagt Marco Wüst.

Auch hier stellt sich die Frage, ob die Kölliker den «Hosenlupf» in der 2. Liga Inter überhaupt in Angriff nehmen würde. Wüst sagt, dann man sich diesbezüglich noch nicht festgelegt habe. Klar ist, dass sich der AG-Meister innerhalb von drei Tagen entscheiden muss, ob er die Promotion wahrnehmen will oder nicht. Falls man verzichtet, würde automatisch der Nächstklassierte zum Handkuss kommen.