Das Mail eines Fans des FC Aarau kam während der Pfingst-Feiertage. Die Botschaft war kurz und bündig. Der FCA-Anhänger schrieb: «Es ist eine Schande, was beim FC Zürich in den vergangenen Tagen abgelaufen ist. Dass ausgerechnet die völlig überforderten Spieler über die Macht verfügen, einen Trainer wie Sami Hyypiä fallen zu lassen, ist einfach nur peinlich. Ich bin sicher, dass so etwas beim FC Aarau nie passieren wird.»

Hoppla! Da täuscht sich der Fan aber gewaltig. Es ist gar nicht lange her, da hat sich beim FC Aarau eine ähnliche Geschichte abgespielt. Blicken wir zurück: Erinnern Sie sich an Livio Bordoli? Den Trainer, der die Saison 2015/16 mit vielen Vorschusslorbeeren in Angriff genommen hat? Die Chemie zwischen Bordoli und den Spielern stimmte schon nach kurzer Zeit nicht mehr. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft wurde von Woche zu Woche schlechter. Man geriet in eine Negativspirale, ja sogar in Abstiegsgefahr. Trotzdem hielt die Führungscrew monatelang am Tessiner fest.

Es brauchte den Tipp eines Insiders, um den Ball ins Rollen zu bringen. Dieser Insider informierte Sportchef Raimondo Ponte, dass es zwischen den Spielern und Bordoli grosse Spannungen gibt. Spannungen, die nicht mehr zu kitten sind. Ponte reagierte. Er versammelte die Mannschaft zu einem Gespräch. Und siehe da – Ponte spürte, dass ein Grossteil der Spieler nicht mehr mit dem Trainer zusammenarbeiten wollte. Der Sportchef informierte Vizepräsident Roger Geissberger. Wenige Tage später wurde der erfolglose Bordoli entlassen.

Und was lernen wir aus dieser Geschichte: Die Macht der Spieler ist nicht nur auf, sondern auch neben dem Spielfeld gross. Ob sie diese Macht verdienen, steht auf einem andern Blatt. Eines ist klar: Ein Trainer ist in einer Mannschaft das schwächste Glied der Kette. Und noch etwas: Beim FC Aarau wurde nach dem Trainerwechsel von Bordoli zu Marco Schällibaum tatsächlich alles besser. Mal schauen, was beim FC Zürich der Wechsel von Sami Hyypiä zu Uli Forte bringen wird. Beim 0:3 in St. Gallen jedenfalls war vom Forte-Effekt noch nichts zu sehen.