Der Kantersieg im Derby, die Horror-Verletzung von Pacar, das späte Gegentor gegen Xamax und der negative Lizenzentscheid – es sind bewegte Wochen, die der FC Wohlen hinter sich hat. Zu Freude, Wut und Enttäuschung gesellte sich gestern auch noch ein anderes Gefühl: Trauer. Mit einer Gedenkminute nahm die FCW-Familie vor der Partie gegen Winterthur Abschied von Fortunato Sforza. Der Vater von Ciriaco Sforza verstarb am Donnerstag 73-jährig nach langer Krankheit.

Dass Wohlen das Wochenende doch noch mit einem Lachen abschliessen konnte, hat es vor allem einem zu verdanken: Kilian Pagliuca. Die 20-jährige Leihgabe des FC Zürich musste bisher oft hinter Janko Pacar anstehen: 10 (Teil)einsätze, 0 Tore – so die Bilanz. In Abwesenheit des Topskorers schlug gestern aber seine grosse Stunde. Oder genauer: Seine grossen drei Minuten.

Nach knapp einer Stunde und einem Ballgewinn im Mittelfeld verwandelte er kaltblütig vor Gäste-Goalie Von Ballmoos. Nur drei Zeigerumdrehungen später legte er seinem Sturmkollegen Igor Tadic das 2:0 auf. „Ich bin überglücklich, der Mannschaft geholfen zu haben“, sagt Pagliuca nach seiner Torpremiere. Seine Leistung dürfte auch U21-Nati-Trainer Heinz Moser auf der Tribüne nicht entgangen sein. „Am Schluss zählt aber nur der Sieg“, so Pagliuca weiter.

Wiedersehen mit Romano

Einen Sieg, den sich die Freiämter schon viel früher hätten sichern können, ja müssen. Tadic, Schultz und auch Bicvic vergaben die Führung in der ersten Halbzeit schon fast fahrlässig. Wobei vor allem bei Bicvic auch eine gehörige Portion Pech dabei war: Nach einer Kamber-Flanke klatschte sein Kopfball an die Latte. „Eigentlich müssten wir sechs, sieben Tore erzielen“, meinte Routinier Florian Stahel. „Der Trainer hat uns in der Pause gesagt, wir sollten genau so weitermachen, im Abschluss aber noch konzentrierter agieren“, verrät Pagliuca. Der Plan ging auf.

Ganz ohne Zittern kam Wohlen aber doch nicht zum erst dritten Heimsieg in dieser Saison. Nach dem Doppelschlag zogen sich die Freiämter plötzlich etwas zurück, gewährten dem Gegner mehr Raum. Zu mehr als dem Anschlusstreffer durch Sliskovic reichte es aber nicht. Für Winterthur geht damit eine Serie von sechs Spielen ohne Niederlage zu Ende.

Zum Ärger von Trainer Umberto Romano: «Einige Spieler haben heute ihre Normalform nicht erreicht.» Für den 44-Jährigen war die Partie eine Rückkehr an eine alte Wirkungsstädte: Unter David Sesa und Ciriaco Sforza arbeitete Romano während vier Jahren als Konditions- und Assistenztrainer in Wohlen. „Ich habe mich gefreut, einige Leute wiederzusehen. Das Spiel war aber wie jedes andere.“ Und auch die Lage seines Ex-Klubs neben dem Rasen scheint Romano nicht gross zu beschäftigen: „Ich habe selber genug zu tun.“

Konzentration auf Fussball

Anders sieht das beim FC Wohlen aus. «Es ist nicht einfach», gibt Matchwinner Pagliuca mit den Gedanken an die Lizenz-Diskussionen zu, «aber wir versuchen, den Fokus auf unseren Job zu legen.» In die gleiche Richtung bläst Stahel: «Ändern können wir sowieso nichts.» Immerhin: Mit dem gestrigen Sieg lieferte Wohlen zumindest auf dem Rasen einige Argumente, um auch nächste Saison in der Challenge League spielen zu dürfen.

Wie viel Wert die drei Punkte gegen Winterthur aber haben, zeigt sich erst anfangs Juni. Dann gibt der Verband sein definitives Urteil bekannt. Spätestens dann dürften weitere Emotionsausbrüche auf der Wohler Achterbahnfahrt dazukommen. 

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Roman Michel: