Jenes Erlebnis hinterliess Spuren. Am Limmatlauf vor fünf Jahren wurde Petra Eggenschwiler bei der Siegerehrung aufs Podest gerufen – neben Fabienne Schlumpf und Martina Strähl. Die Steeple- und Cross-EM-Zweite des letzten Jahres und die Berglauf-Europameisterin und Top-Marathon-Spezialistin verkörperten schon damals die Schweizer Langstrecken-Elite. «Auf den Podest mit diesen Topläuferinnen, das war grossartig», erinnert sich Eggenschwiler.

Als Inspiration für die eigene Karriere nutzte sie jenes Erlebnis. Zu den besten Bergläuferinnen wie Duathletinnen zählt die nun 31-jährige Solothurnerin inzwischen. Der Powerman-Weltmeistertitel vom vergangenen September ist nur eines ihrer erstaunlichen Resultate.

Laufen wie im Training

Nun kehrte Petra Eggenschwiler zurück an den Lauf mit dem wegweisenden Ergebnis. Deutlich schneller unterwegs war sie mit ihren 49:31 Minuten als damals. Und dies obwohl die Strecke wegen einer Baustelle nun 13,4 statt 13,2 km mass und auch noch anspruchsvoller war.

Hinzu kam ein weiterer Leistungshemmer: «Während zwei Dritteln der Distanz war ich alleine unterwegs.» Keine Frau konnte ihr auch nur annähernd Paroli bieten. Und Männer, die mit ihr zusammenarbeiteten, fand sie auch kaum.

Also schenkte Eggenschwiler anderen Gesichtspunkten Beachtung: ««Ich fand Zeit, die wunderschöne Fluss-Landschaft zu geniessen.» Nicht ganz ans Limit ging sie. Vielmehr fühlte sich das Laufen an wie im Training. Ein Trainingslauf für höhere Ziele? «Ja», sagt Petra Eggenschwiler. Sie will im Sommer ihr Ironman-Debüt geben. Im Duathlon bestreitet sie die EM. Den Powerman WM-Titel will sie verteidigen. Und dazwischen Bergläufe bestreiten – «möglichst solche mit vielen Auf und Abs» wie sie betont.

El Jaddar und die Einsamkeit

Schnell ersichtlich werden Parallelen mit Petra Eggenschwiler beim Männersieger Ahmed El Jaddar. Auch der Marokkaner aus Basel trägt beste Erinnerungen an den Limmatlauf in sich. Vor drei Jahren glückte ihm der Tagessieg. Die Frage, ob er diesen wiederholen könne, hätte er lieber länger offen gesehen.

Doch die Überlegenheit des 32-Jährigen war derart eklatant, dass er sich bereits Ausgangs Stadion, nach rund 300 m, von der Konkurrenz verabschiedet hatte. «Das war rasch ein sehr einsames Rennen», stellte er fest. Im Hinblick auf seine nächsten Ziele, den Stadtlauf in Brig und die 10 km von Lausanne, hätte er nichts einzuwenden gehabt, wenn er mehr gefordert worden wäre. «Als Formtest konnte ich dieses Rennen nicht wirklich gebrauchen.» El Jaddar siegte in 41:49 Minuten.

Und schnell ging es bei ihm weiter. Die Siegerehrung verpasste er. Der Grund: El Jaddar musste zurück nach Basel. «Richtig arbeiten», lautete seine Erklärung. In einer Pizzeria serviert er fünf Mal die Woche jeweils ab 17 Uhr. «Jetzt braucht’s schon fast einen Spurt auf den Zug», lachte er.

Stärker ins Zentrum der Siegerehrung rückten so die Zweitklassierten. Es waren zwei Einheimische: Fabian Dutli aus Geroldswil und Joana Umbricht, die Vorjahressiegerin aus Wettingen. Sie lagen 3:35 (Männer), respektive 4:58 (Frauen) Minuten hinter El Jaddar, respektive hinter Eggenschwiler.

Brücker einmal mehr

Und einer zeigte einmal mehr eine höchst beachtliche Leistung: Hansjörg Brücker. Zehn Jahre nach seinem letzten Limmatlauf-Gesamtsieg im 2009, erkämpfte sich der nunmehr 55-Jährige seinen sechsten Kategoriensieg seither.

Mit seinen 47:30 Minuten belegte er im Overall-Klassement Platz 6. Er freute sich: «Auf den letzten zwei Kilometern konnte ich Gas geben und noch zwei Positionen gutmachen.» Nutzen konnte er seine Tempofestigkeit, aufgebaut im Hinblick auf die Masters-WM. Über 3000 m hatte er eine Woche zuvor in Torun (Pol) mit 9:54 Minuten Platz acht belegt. Eine Zeit, die für seine Klasse spricht.

Bemerkenswerte Leistungen gab es auch über die Kurzstrecke von 4 km. Als Sieger feiern lassen konnten sich Diego Menzi sowie Ravenna Gassmann. Mit total 1795 Klassierten resultierte bei dieser 30. Austragung des Limmatlaufs ein Teilnehmerrekord.