Wohlen lebt

Die Donatoren-Vereinigung des FC Wohlen lockte sogar Arno Del Curto nach Wohlen

Prominenter Gastredner am Donatoren-Apéro 2011: Arno Del Curto (l.), der Kulttrainer des HC Davos, hält seinen Vortrag vor den Mitgliedern der Donatorenvereinigung. Deren Präsident Urs Schürmann steht neben Del Curto.

Prominenter Gastredner am Donatoren-Apéro 2011: Arno Del Curto (l.), der Kulttrainer des HC Davos, hält seinen Vortrag vor den Mitgliedern der Donatorenvereinigung. Deren Präsident Urs Schürmann steht neben Del Curto.

Wie aus einem kleinen Fonds für den prominenten Trainer Zvezdan Cebinac Mitte der 1980er-Jahre die finanzstarke und für den FC Wohlen überlebenswichtige Donatoren-Vereinigung wurde.

Wir schreiben den Winter 1984/85: Kein Geld, kein Trainer, fast keine Vorstandsmitglieder und auf einem Abstiegsplatz der Aargauer 2. Liga klassiert: Der FC Wohlen gleicht einem Scherbenhaufen. Was tun? Nicht verzagen, René Meier fragen! Der Notar wird Präsident, übernimmt Verantwortung, setzt auf die Karte Risiko und verpflichtet Hals über Kopf einen Profitrainer.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Profitrainer. Kein Geringerer als Zvezdan Cebinac, also jener grosse Name, der kurz zuvor den FC Aarau in die Halbfinals des Schweizer Cups geführt hatte, trotz des Erfolgs aber einem gewissen Ottmar Hitzfeld weichen musste. Die Verpflichtung von Cebinac war für den FC Wohlen ein grosser Coup, der in der lokalen, kantonalen, ja sogar nationalen Presselandschaft wie eine Bombe einschlug. «Plötzlich interessierte man sich für den FC Wohlen», erinnert sich Meier. «Man wollte dabei sein. Für mich stellte sich allerdings noch eine wichtige Frage: Wer bezahlt den Trainer mit Prominenten-Status?»

René Meier, in Zeiten der Not nie um eine Idee verlegen, wusste Rat: Er setzte für die Finanzierung von Cebinac alle Hebel in Bewegung, gründete den «Cebi-Fonds» und rührte kräftig die Werbetrommel. Mit einem Betrag von 1000 Franken war man mit dabei. Die Sammelaktion war ein voller Erfolg. Nach Abzug der Kosten für den Trainer blieb schliesslich sogar ein Überschuss von 15 000 Franken.

Vor der Saison 1985/86 wurde der «Cebi-Fonds» in eine strukturierte Organisation umgewandelt. Die Geburtsstunde der Donatoren-Vereinigung. Das ist jene Gruppierung von Geldgebern, die in den vergangenen Jahren den Profibetrieb der ersten Mannschaft unterstützte und in schwierigen Zeiten mithalf, Nachfinanzierungen, ja sogar Sanierungen voranzutreiben. Auch der Umzug ins Stadion Niedermatten im Jahr 2004 war in finanzieller Hinsicht eine grosse Herausforderung. Umso mehr, als dass zwei Jahre zuvor der Aufstieg in die Challenge League gelungen war. Irgendwie musste das Budget in Millionenhöhe gestemmt werden.

Zwischen 1985 und 2018 wuchs die Donatoren-Vereinigung rasant. Vor allem zwischen 1998 und 2010 ging der Mitgliederstand steil nach oben. Die Vereinigung hatte im Freiamt einen hohen Stellenwert und beherbergte Vertreter aus Sport, Politik und Gewerbe. Am 23. Juni 2009 wurde an der Generalversammlung eine hohe Hürde genommen: Der Jahresbeitrag wurde auf 1500 Franken erhöht. 2010 feierten die Geldgeber ihr 25-jähriges Bestehen mit einem grossen Fest und einer mehr als 60-seitigen Jubiläumsausgabe.
Höhepunkt des Donatoren-Jahres ist das Referat einer prominenten geladenen Persönlichkeit: So schauten unter anderem bereits Bundesrätin Doris Leuthard, Fussballtrainer Marcel Koller, Ex-FCB-Präsident Bernhard Heusler, Eishockey-Trainerlegende Arno Del Curto oder FCZ-Präsident Ancillo Canepa in Wohlen vorbei.

Die prägenden Figuren

Zwei Personen sind mit der Donatoren-Vereinigung eng verbunden. Einerseits der Initiant und Gründer René Meier: Ohne ihn gäbe es keine Donatoren. Anderseits Hans Hübscher: Ihm ist die Explosion der Mitglieder zu verdanken. Bei der Akquisition kannte er keine Berührungsängste, ging hartnäckig, konsequent und zielgerichtet seinen Weg. Und seinem Charme konnte man kaum widerstehen: Zählte die Gruppe 1998 nur 39 Mitglieder, so waren es Ende Mai 2008 sage und schreibe 255 Mitglieder. Rekord! So flossen Jahr für Jahr Hunderttausende Franken in die FCW-Kasse.

Schlusstabelle Saison 2009/2010

Schlusstabelle Saison 2009/2010

Hübschers Fussballherz schlägt seit Jahrzehnten für den FC Wohlen. Der heute 71-Jährige ist seit je eine Person der Öffentlichkeit. Als Direktionsmitglied der Neuen Aargauer Bank in Wohlen war er massgeblich daran beteiligt, dass diese 1998 das Co-Sponsoring des FC Wohlen übernahm. Hübscher war auch Politiker und brachte es als solcher zum Einwohnerratspräsidenten. Sein Beziehungsnetz war riesig: Musste man schnell und unkompliziert etwas auf die Beine stellen – auf ihn war Verlass. Hübscher erlebte als Führungsperson viele Höhepunkte. In besonderer Erinnerung bleibt ihm eine Reise nach Bundesbern: «Wir durften die damalige Jung-Nationalrätin Doris Leuthard besuchen», blickt Hübscher zurück. «Es war ein unvergesslicher Tag. Doris Leuthard empfing uns, brachte uns die nationale Politik näher und stellte uns ihre Kolleginnen und Kollegen vor.»

Nach zwölf Jahren trat Hübscher 2010 zurück und übergab das Präsidenten-Zepter an Urs Schürmann, der das Amt bis heute ausübt. Ein Beweis für die Kontinuität innerhalb der Donatoren-Vereinigung ist der Fakt, dass der Präsident nur dreimal gewechselt hat. Rolf Hunziker machte den Anfang. Nach zwei Jahren übergab er die Führung an Alois Lütolf (1987 bis 1998). Dann folgten Hübscher und Schürmann. Und wenn im Juni 2018 die alljährliche Generalversammlung über die Bühne geht, werden sich Präsident Schürmann und Ehrenpräsident Hübscher mit Sicherheit dafür einsetzen, dass die Donatoren-Vereinigung den FC Wohlen weiterhin mit einem namhaften Zustupf unterstützt. Geld braucht es nämlich nicht nur in der Challenge League, sondern auch in der Promotion League.

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Autor

Ruedi Kuhn

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