Wolken, einige Regentropfen und ideale Lauftemperaturen – diese Vorhersage stimmte nicht ganz. Die Wolkendecke riss am Sonntag in Aarau auf, die Sonnenstrahlen sorgten für mehr als 20 Grad Celcius. Und die zahlreichen Läuferinnen und Läufer am Aargauer Volkslauf schwitzten und hatten mit einem weiteren Element zu kämpfen.

«Wir sind es noch zu wenig gewohnt, bei solchen Temperaturen tolle Leistungen abzurufen», bilanzierten viele, ganz schnelle, aber auch solche, die sich mehr Zeit für die 16,09 km des Hauptrennens oder auf einer Teildistanz hatten nehmen müssen. So wurde aus dem landschaftlich reizvollen, topfebenen Rennen den beiden Aare-Ufern entlang oftmals ein Kampf gegen den Kräfteverschleiss, mit viel Schweiss- und Energieverlust, verbunden mit verpassten Bestzeiten.

Neueinschätzung vornehmen

Dieses Verdikt akzeptieren mussten auch die klaren Sieger, Berhe Zeremariam bei den Männern und Jutta Brod bei den Frauen. Der Streckenrekordhalter (2011) löste sich bereits nach rund einem Kilometer von seinen letzten Begleitern und lief sodann ungefährdet dem Sieg entgegen. «Ich wurde wenig gefordert und beschränkte mich auf das Siegen», sagte der 33-jährige Routinier.

Seine eigene Bestmarke verpasste er mit seinen 52:13 Minuten um mehr als zwei Minuten. Der Vorsprung war dennoch riesig. Der Bündner Florian Suter, Schweizer U23-Halbmarathon-Meister, büsste 2:26 Minuten ein, der Dritte und neue Aargauer Volkslaufmeister Adrian Müller aus Beinwil am See 3:15 Minuten. «Wir realisierten rasch, dass Berhes Kilometerschnitt von 3:05-Minuten unserem Untergang gleichkäme», sagten sie übereinstimmend.

Daraufhin richteten der 22- und der 20-Jährige ihre Rennen auf sich selber aus und spannten lange zusammen. Auch ohne Aussicht auf den Sieg wurde das Rennen für beide hart: «Das dreiviertel einer Bahnrunde so lang sein können, weiss ich erst jetzt», sagte Müller, der das Schachenstadion vom Training im BTV Aarau her bestens kennt und als Dritter und neuer Aargauer Volkslaufmeister einlief.

Brod vor Müller bei den Frauen

Ungefährdet, mit einem Vorsprung von 3:46 Minuten, setzte sich bei den Frauen Jutta Brod durch. Die Deutsche wiederholte damit ihren Triumph vom Vorjahr. «Wenn ich schon eingeladen werde, will ich auch etwas zeigen», sagte die 42-Jährige. Entsprechend hart empfand sie das Rennen, nur eine Woche nach dem Zürich Marathon.

Doch auch Diana Müller, als Zweite und damit Aargauer Volkslaufmeisterin 2015, fühlte sich nicht in Bestverfassung. Sie leitete am Vortag den kantonalen Alterskongress im KuK Aarau mit 300 Fachkräften und empfand sich schon vor dem Start ohne Energie. Entsprechend stufte die Volkslaufsiegerin vom vorletzten Jahr (damals noch unter ihrem Ledignamen Schramek) ihren Einsatz ein: als «Trainingslauf, der quasi vor der Haustür durchführt». Bevor sie nach Erlinsbach zog, lebte sie in Biberstein und Rombach.