Die alles entscheidende Schlussphase der Saison ist angebrochen. Wer jetzt nachlässt, hat keine Chance mehr, das Verpasste aufzuholen. Symbolisch dafür steht Patrick Rahmen: Obwohl der Trainer des FC Aarau am Sonntagmorgen mit höllischen Kopfschmerzen erwacht, setzt er sich ins Auto und fährt von seinem Wohnort Dornach ins Brügglifeld.

Der Migräne-Attacke zum Trotz: Es gilt, die turbulente Partie gegen Schaffhausen aufzuarbeiten und Vorbereitungen für das knifflige Auswärtsspiel in Kriens zu treffen, das bereits am Dienstagabend stattfindet.

Rahmen: «Wäre das nächste Spiel erst in einer Woche, hätte ich mich abgemeldet. Aber in der aktuellen Situation braucht es vollen Einsatz von jedem, als Trainer muss ich vorangehen.»

Mitreissende Partie

Was war das für ein Spektakel am Samstagabend vor 3346 Zuschauern im Brügglifeld. Über mangelnden Unterhaltungswert kann man sich in dieser Saison wahrlich nicht beklagen, schon das 3:3 gegen Servette im vorausgehenden Heimspiel riss das Publikum von den Sitzen.

Wie vor einem Monat gegen die Genfer, als es zwischenzeitlich 2:0 stand, geriet der FCA auch gegen Schaffhausen nach einem komfortablen Vorsprung ins Wanken. 3:0 führte das Heimteam nach 29 Minuten und Toren von Stefan Maierhofer, Olivier Jäckle und Elsad Zverotic.

Doch wie vor einer Woche die Schweizer Nationalmannschaft gegen Dänemark (3:0 Führung, am Ende 3:3) war auch Aarau mit dem Zwischenresultat zu gut bedient: Vor lauter Offensiv-Euphorie vergassen die Spieler in der ersten Halbzeit das Verteidigen und mussten sich bei Goalie Djordje Nikolic bedanken, dass Schaffhausen «nur» auf 2:3 herankam.

Nikolic als Retter

Das Können des Serben war auch nach der Pause noch zwei Mal gefordert, in einer Phase, in der Aarau nur noch verwaltete, statt mit etwas mehr Offensiv-Verve dem dezimierten Gegner (Gelb-Rot für Sessolo in der 63. Minute) endgültig den Zahn zu ziehen.

Nikolic erhielt nach dem Schlusspfiff eine Tischlampe, der Preis für den besten Aarauer des Spiels. Dass die Lampe trotz drei FCA-Toren an den Goalie ging, sagte alles über diese denkwürdige Partie.

Für Nikolic persönlich war die Auszeichnung insofern eine Genugtuung, als dass er mit seinen sensationellen Paraden seinen Auftritt im Servette-Spiel wieder gutmachte – damals schenkte Nikolic mit einer missratenen Ballannahme den Genfern den Treffer zum 3:2.

«Gute Chancen auf die Barrage»

Der 26. Spieltag war einer, wie man sagt, «für» den FC Aarau: Der FC Winterthur verlor am Freitagabend 2:5 in Genf, wodurch Aarau mit den Zürchern die Plätze tauschte und nun auf Rang 3 liegt. Und dies nur noch vier Punkte hinter Rang 2, bedingt durch den Ausrutscher des alles andere als stilsicheren Lausanne (1:1 gegen Chiasso).

Die erfreuliche Nachricht aus der Westschweiz war gemäss Olivier Jäckle mit ein Grund für die furiose Startphase: «Das hat uns angestachelt. Uns lief es dann zu gut, 3:0 nach 29 Minuten, das erlebten wir in dieser Saison noch nicht oft. Wir haben uns vor der Halbzeit teilweise blöd angestellt. Die Partie hat auch deutlich gezeigt, wie ausgeglichen die Liga ist, das war eine Warnung für die verbleibenden Spiele. Wir haben Blut geleckt und wollen den zweiten Rang erreichen. Es liegt an uns, wenn wir unsere Hausaufgaben erfüllen, haben wir gute Chancen.»

Ein weiteres Argument, um ja nicht nachzulassen, liefert das Prämienreglement: Vor der Saison wurde abgemacht, dass ab Tabellenrang 3 aufwärts die gewonnenen Punkte vergütet werden. Die Aussicht auf mehr Geld wird die FCA-Profis in der alles entscheidenden Schlussphase besonders motivieren.