«Versch…» antwortete Bobpilot Rico Peter auf die Frage nach dem Befinden. Der 34-Jährige hatte den olympischen Wettkampf im Viererbob soeben mit einer Laufbestzeit abgeschlossen. Der Grund für die trotzdem wenig schmeichelhafte persönliche Bilanz des Köllikers ist schnell erzählt. Wer in drei von vier Rennläufen die Ränge 2, 2 und 1 hinlegt, der kann mit Platz 4 in der Endabrechnung zweifellos nicht zufrieden sein.

Pech mit der Startnummer

Erst recht nicht, wenn er weiss, dass in seinem Fall der Unterschied zwischen Olympiamedaille und Diplom ein zufälliger ist. Denn der Aargauer Sportler des Jahres 2015 erhielt bei der Startnummernauslosung für den ersten Durchgang die hohe Nummer 16 zugelost. «Die Bahn wurde wegen der Sonneneinstrahlung und der zusätzlichen Kühlung stumpf und dramatisch langsamer», sagte Peter. Er hatte keine Chance auf eine Topzeit und handelte sich als Achter bereits mehr als eine halbe Sekunde Rückstand ein. Der Kampf um die Medaillen war entschieden, bevor Rico Peter richtig eingreifen konnte.

Ein wenig stolz war Peter trotzdem – auf die Stimmung in seiner Crew und die Steigerung der Startzeiten am zweiten Tag. Nun will er zuerst einmal mit Frau und Kind an der Sonne Ägyptens abschalten und danach in die Verhandlungen mit den Sponsoren steigen, ob er seine Laufbahn fortsetzt. «Nur wenn die Sponsoren hinter mir stehen, ist das realistisch», sagt Rico Peter. Immerhin hat die Olympiasaison 300 000 Franken gekostet.

An den nächsten Olympischen Spielen wird man den Kölliker kaum mehr sehen, realistisch ist wohl eher eine Verlängerung der Spitzensport-Karriere bis zur WM 2019 in Whistler. Zumal zwei seiner vier Anschieber in Pyeongchang – Simon Friedli und Michael Kuonen – in Zukunft selber als Piloten an den Start gehen wollen.

Geschwächte Härdi stürzt

Im Frust endete auch die Olympia-Premiere der Aargauer Eisschnellläuferin Ramona Härdi. Im Gegensatz zu Diplomgewinner Peter reist sie mit leeren Händen aus Südkorea ab. Oder fast leeren Händen: «Unabhängig vom Ausgang des Rennens war das hier eine super Erfahrung», sagte die 20-Jährige.

Härdi hatte sich auf den letzten Drücker für das erstmals bei Winterspielen ausgetragene Massenstart-Rennen qualifiziert. Doch bereits nach einem Viertel ihres Halbfinals war der Abend aufgrund eines Sturzes gelaufen. «Ich weiss nicht genau, was passiert ist. Ich bin noch nie in einem solchen Rennen gestürzt», sagte die Mörikerin. Denkbar ist ein Zusammenhang mit einer am Vortag ihres Wettkampfs aufgekommenen Krankheit. «Ich bekam auf einmal Halsweh und am Morgen vor meinem Einsatz hatte ich Fieber», sagte Härdi.

«Das ist schon bitter. Da lebst du ein halbes Jahr nur für dieses Rennen und am Tag X wirst du krank.» Im Gegensatz zu ihrem Aargauer Eissport-Kollegen Rico Peter hat Ramona Härdi ihren Traum von einer olympischen Medaille lediglich auf Eis gelegt. «Jetzt beginnt bereits die Planung für die nächsten vier Jahre», verbreitete sie nach dem anfänglichen Frust bald schon wieder Aufbruchstimmung. «In vier Jahren in Peking will ich es besser machen. Und vielleicht auch wieder in acht und in zwölf Jahren.»

Allerdings gibt es auch bei der früheren Inlineskaterin Veränderungen. Nachdem Ramona Härdi im letzten Jahr in Holland gelebt und trainiert hatte, sucht sie für die Zukunft Anschluss an eine neue Trainingsgruppe. «Wenn möglich etwas näher von zuhause. Inzell ist ein Thema.»