Behindertensport
Die Aargauer dürfen sich Hoffnungen auf Edelmetall machen

Bei den Special Olympcis in Los Angeles kämpft eine Delegation aus dem Aargau um Medaillen und andere Erinnerungsstücke.

Fabian Sanginés
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Behindertensport: Die Aargauer Delegation
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Sascha Friedetzky will an den Special Olympics hoch hinaus
Trainerin Marlis Meier und Athlet Patrick Nöthiger beim letzten Feinschliff
Anita Scherrers Absprung wird von der Trainerin genau beobachtet

Behindertensport: Die Aargauer Delegation

Sanginés

Der Puls steigt noch, bevor das Training richtig begonnen hat. Insbesondere bei Sascha Friedetzky aus Dottikon, der seinen fünf Kollegen hoch motiviert zuruft: «Leute kommt endlich, Marlis hat gesagt, wir sollen uns warmlaufen!»

Marlis Meier, eine der beiden Coaches der Aargauer Delegation für die Special Olympics 2015, lächelt zufrieden. Es ist förmlich greifbar, wie der internationale Grossanlass näher rückt – am 21. Juli fliegen die Athletinnen und Athleten über den grossen Teich nach Los Angeles.

7000 Athleten aus 177 Ländern und über 500 000 Zuschauer werden dort Teil des grössten Sportereignisses des Jahres sein – als Ehrenvorsitzende des am 25. Juli startenden Events haben sich Michelle und Barack Obama höchstpersönlich angemeldet.

Grosser Ehrgeiz

Etwas angeschlagen blickt Anita Scherrer aufs Wohler Trainingsgelände. Die Bremgarterin hat sich eben erst von einer Grippe erholt. Dass sie, noch immer etwas geschwächt, dennoch am Trainingsbetrieb teilnimmt, ist sinnbildlich für den Ehrgeiz und die Vorfreude der Aargauer Fraktion.

«Zum Glück hat es mich jetzt erwischt und nicht erst in drei Wochen. Ich freue mich riesig auf die World Summer Games», sagt Scherrer, und das Funkeln in ihren Augen kehrt zurück. Für sie ist klar: Erfahrungen und so sind ja ganz nett, aber vor allem ein Platz auf dem Treppchen wird angepeilt. Die 24-Jährige geht in den Disziplinen 400-Meter-Lauf und Weitsprung auf Medaillenjagd.

Respekt vor dem Programm

Obwohl nur in einem Wettkampf – der kräftezehrende Fünfkampf hat es dafür in sich – angemeldet, hat Sascha Friedetzky gleich in mehreren «Disziplinen» das Edelmetall im Visier: «Jeder Athlet bekommt von seinem Verband Ansteckpins, die man mit Athleten anderer Länder tauschen darf. Das werden Erinnerungen fürs Leben.»

Etwas Respekt hat der 23-Jährige dafür hinsichtlich seines Wettkampfes, schliesslich hat er das am dichtgedrängteste Programm der Gruppe. «Manchmal werde ich zwischen den einzelnen Disziplinen nur eine halbe Stunde Pause haben, deshalb werde ich jeweils kaum 100 Prozent meines Leistungspensums ausschöpfen», erklärt er und schiebt sogleich nach: «Im Kopf muss ich dafür 200 Prozent bereit sein.»

Viel Erfahrung beim Titelverteidiger

Bei all der Aufregung tut es natürlich gut, einen erfahrenen Hasen unter seinen Teamkollegen zu wissen. Diesen Part hat Patrick Nöthiger inne, denn der 30-Jährige war bereits an den Summer Games 2007 in Shanghai am Start. Und wie: Neben einer der schönsten Erfahrungen in seinem Leben nahm er gleich noch eine Goldmedaille im Weitsprung mit, obwohl er diese Disziplin kurioserweise weniger mag als den 1500-Meter-Lauf – seine Passion.

«Zum Glück habe ich bereits Gold gewonnen, so habe ich für die anstehenden Games weniger Druck», sagt der Lenzburger lachend, zeigt aber dann wieder seine ambitionierte Seite: «In letzter Zeit hatte ich etwas Mühe beim Weitsprung, wir erzielen aber wieder Fortschritte – das stimmt mich optimistisch.»

Nach einem Jahr intensiver Vorbereitung dürfen also alle Aargauer Athleten zuversichtlich nach Los Angeles reisen. Und Edelmetall haben sie sich alle verdient – ob zum Umhängen oder Anstecken.

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