Challenge League
Die Aarauer 2:3-Niederlage gegen den FCZ bringt Marco Schällibaum auf Touren: Er geht auf Schiri Bieri los

Obwohl der FC Aarau einen frühen 0:2-Rückstand aufholt, verliert er noch mit 2:3. Der entscheidende Treffer fiel dabei erst in der Nachspielzeit nach einem Penalty, verursacht von Pascal Thrier. Dieser war genauso wie der erste Penalty heftig umstritten.

Sebastian Wendel
Drucken
FC Aarau - FC Zürich, Galerie, 17.4.17
12 Bilder
Marco Schällibaums Mannschaft konnte in Zürich nicht überzeugen.
Die Aarauer mussten am Ende doch unten durch.
Roberto Rodriguez (l.) erzielte das entscheidende 3:2 per Penalty.
Die Aarauer um Ulisse Pelloni (l.) konnten ihre Niederlage kaum fassen.
Schiedsrichter Alain Bieri stand mit seinen beiden Penaltypfiffen unfreiwillig im Mittelpunkt. Der erste der beiden Penaltys war höchst fragwürdig.
Beide Mannschaften kämpften berherzt.
Marco Schällibaum brachte sich an der Seitenlinie ins Spiel ein.
Die Zürcher konnten früh in Führung gehen.
Der Zürcher Anhang jubelte früh.
Moussa Koné (l.) erzielte bereits in der achten Minute das 2:0.

FC Aarau - FC Zürich, Galerie, 17.4.17

Freshfocus

Marco Schällibaum in diesem Moment stoppen zu wollen, ist keine gute Idee, vergleichbar mit dem Griff auf eine heisse Herdplatte. FCZ-Verteidiger Alain Nef und nach ihm Aaraus Ivan Audino wagen es trotzdem – und scheitern kläglich. Schällibaum bremst erst im Mittelkreis bei Alain Bieri, pfeffert dem Schiedsrichter eine Salve gesalzener Worte entgegen und stapft dann wutschnaubend in die Kabine. Nicht ohne dabei noch den vierten Offiziellen und die FCZ-Ersatzbank anzublaffen.

Man kann von Schällibaums emotionalen Ausbrüchen halten, was man will. In diesem Fall leiden wir mit dem Zürcher und haben Verständnis für seine Wut. Keine drei Minuten zuvor hat Bieri einen Penalty für den FCZ gepfiffen. Aus Zürcher Sicht ein richtiger, aus Aarauer Sicht ein falscher Entscheid.

Und ja, beide Seiten haben irgendwie recht: Nach Thriers Foul an Rodriguez kommt der Ball zu Cavusevic, der abzieht und seinen Schuss auf der Linie von einem Aarauer abgewehrt sieht. Erst dann zeigt Bieri auf den Penaltypunkt. Die FCZ sagen «richtig», weil der Vorteil nichts einbrachte. Die Aarauer sagen «falsch», weil der Schuss von Cavusevic eine neue, abgeschlossene Spielaktion ist – danach auf Thriers Foul an Rodriguez zurückzukommen, gehe nicht.

Eine Ermessensentscheidung kurz vor Abpfiff und beim Stand von 2:2 zum Leidwesen der Aarauer, die Schällibaums Puls schon mal ansteigen lässt. Als kurz darauf ein Corner für den FCA fällig wäre, Bieri stattdessen aber abpfeift, haut es Schällibaum endgültig den «Nuggi» raus. Nun kommt alles hoch, auch die Szene ganz zu Beginn des Spiels, jene nach 40 (!) Sekunden: Aarau-Goalie Pelloni schlägt FCZ-Stürmer Dwamena auf korrekte Art und Weise den Ball vom Fuss, das Spiel geht weiter, da pfeift Bieri zum Entsetzen aller Aarauer und zur gut sichtbaren Überraschung aller Zürcher Elfmeter. «Wie kann das sein?», fragt Pelloni nach Spielschluss mit ungläubigem Blick. Gute Frage...

Ulisse Pelloni: «Wie kann das sein?»

Ulisse Pelloni: «Wie kann das sein?»

Keystone

Marco Schällibaum glaubt nach Spielschluss eine Antwort darauf zu haben: «Ich verstehe nicht, dass die Liga Alain Bieri in diesen Wochen für ein FCZ-Spiel aufbietet. Im letzten Match hat er den FCZ benachteiligt. Für mich liegt es auf der Hand, dass Bieri im Unterbewusstsein wieder etwas gut machen wollte.» Was Schällibaum nicht sagt, aber Fakt ist: Alain Bieri gilt für die Aarauer seit Jahren als rotes Tuch. Das ging einst so weit, dass man den Berner eine Zeit lang sogar als Schiedsrichter für Spiele mit FCA-Beteiligung ablehnte.

Geschenke von Vanins

So gross die Freude des Heimteams über den 3:2-Sieg in letzter Minute und den nächsten Schritt in Richtung Wiederaufstieg, so gross der Frust im Lager der Aarauer. Die vierte Niederlage in Serie ist nämlich in dreifacher Hinsicht bitter: Primär wie erwähnt wegen den Entscheidungen des Schiedsrichters, dazu kommen der unglückliche Spielverlauf und die unbelohnte Leistungssteigerung.

Mal abgesehen von die wie schon eine Woche zuvor gegen Winterthur (2:3) verschlafenen ersten 20 Minuten war das, was der FCA gestern im Letzigrund zeigte, punkto Einsatzwille und Moral ein grosser Schritt in die richtige Richtung. So gross, dass sich bereits das Glück wieder auf die Seite der Aarauer gesellte: Sowohl dem 1:2 durch Tréand und dem 2:2 durch Wüthrich gingen krasse Fehler von FCZ-Goalie Andris Vanins voraus, dem sonst so stabilen Letten.

Andris Vanins schenkte dem FC Aarau den Ausgleich.

Andris Vanins schenkte dem FC Aarau den Ausgleich.

Freshfocus

«Wer ein 0:2 aufholt, wovon ein Tor irregulär war, hat mindestens einen Punkt verdient», sagte Verteidiger Markaj. Dass Aarau gestern ohne sieben gesperrte oder verletzte Spieler nach Zürich reiste und mit Audino nur ein gestandener Feldspieler auf der Ersatzbank Platz nahm, lässt den Auftritt unter einem noch helleren Stern erscheinen. Oder: Anzeichen dafür, dass der FC Aarau rechtzeitig vor dem Derby gegen Wohlen die Kurve gekriegt hat, existieren.

FC Zürich – FC Aarau 3:2 (2:0)

Letzigrund. – 9 806 Zuschauer. – SR: Bieri. – Tore: 2. Rodriguez (Foulpenalty) 1:0. 8. Koné 2:0. 53. Tréand 2:1. 76. Wüthrich 2:2. 93. Rodriguez (Foulpenalty) 3:2.
Zürich: Vanins; Brunner, Nef, Kecojevic, Kempter (77. Voser); Schönbächler, Sarr (77. Marchesano), Kukeli, Rodriguez; Koné (82. Cavusevic), Dwamena.
Aarau: Pelloni; Markaj, Garat, Thrier, Mehidic; Perrier; Romano (82. Audino), Wüthrich, Ciarrocchi, Tréand (88. Tasar); Rossini.
Bemerkungen: Zürich ohne Winter (gesperrt), Buff, Chiumiento, Kleiber, Kryeziu (alle verletzt), Alesevic, Aliu, Brecher, Rohner, Stettler und Yapi (alle nicht im Aufgebot). Aarau ohne Jäckle, Josipovic, Nganga (alle gesperrt), Besle (krank), Burki, Peralta, Thaler (alle verletzt) und Hunn (nicht im Aufgebot). – Verwarnungen: 1. Pelloni, 33. Perrier, 57. Mehidic (alle Foulspiel).

Hier können Sie das ganze Spiel im Liveticker nachlesen:

Aktuelle Nachrichten