Handball NLA

Derby entgegen des Hollywood-Drehbuches: Der HSC Suhr Aarau schlägt Endingen in einem Kopf-an-Kopf-Duell

Freud und Leid auf einen Blick: Grosser Jubel beim HSC Suhr Aarau nach dem Schlusspfiff, Endingens Sebastian Kündig ist hingegen enttäuscht.

Freud und Leid auf einen Blick: Grosser Jubel beim HSC Suhr Aarau nach dem Schlusspfiff, Endingens Sebastian Kündig ist hingegen enttäuscht.

Nach 1970 Tagen kam es in der NLA endlich wieder einmal zu einem Aargauer Derby. Der Favorit wurde seiner Rolle in diesem Spiel gerecht, so entschied der HSC Suhr Aarau das Aargauer NLA-Derby gegen den TV Endingen äusserst knapp mit 28:27 für sich

In Hollywood hätte das Drehbuch wohl etwas anders ausgesehen. Nicht, was den Ausgang des ersten Aargauer NLA-Handballderbys nach 1970 Tagen angeht. Denn der war Dramatik pur. Aber die Hauptakteure der letzten Aktion vor der Schlusssirene wären anders besetzt gewesen – zumindest derjenige aufseiten des HSC Suhr Aarau.

Bei der angesprochenen letzten Aktion der Partie handelte es sich um eine gelungene Parade von HSC-Schlussmann Mihailo Radovanovic gegen den letzten Versuch des TV Endingen, doch noch den Ausgleich zu erzwingen. Weil es Radovanovic aber gelang, den Wurf von Nemanja Sudzum, mit sieben Treffern aus dem Spiel heraus immerhin Endingens erfolgreichster Werfer, abzuwehren, blieb es in der Endabrechnung beim 28:27-Sieg zugunsten des Favoriten Suhr Aarau.

So war es also am Ende der 24-jährige Serbe, der sich zwischen den Pfosten als HSC-Held auszeichnen konnte. Und damit zurück zum Hollywood-Drehbuch. Dieses hätte die Rolle des Helden bei einem knappen HSC-Erfolg nämlich nur einem zuschreiben können: Dario Ferrante. Der 23-jährige Goalie hatte in der vergangenen Sommerpause vom TV Endingen zum Ligakonkurrenten und Kantonsrivalen HSC Suhr Aarau gewechselt – und wäre daher prädestiniert gewesen für die Rolle des Helden.

Der Einstand gelingt

Und vorerst schien auch alles darauf hinauszulaufen: Als die Partie in der GoEasy-Arena vor 1678 Zuschauern freigegeben wurde, stand Ferrante beim HSC zwischen den Pfosten – zum Saisonauftakt gegen Pfadi Winterthur (20:20) hatte er zu Beginn noch zuschauen müssen. «Es war sehr schön, dass mir der Trainer ausgerechnet bei meiner Rückkehr nach Endingen das Vertrauen geschenkt hat. Gleichwohl hat es meine sowieso schon vorhandene Nervosität gleich noch etwas gesteigert», sagte Ferrante nach Spielschluss.

Ferrante war bei seinem Einstand ein wenig nervös

Ferrante war bei seinem Einstand ein wenig nervös

Trotz Anspannung: Der Einstand gelingt ihm mit zwei Paraden bei den beiden ersten Abschlüssen der Endinger sehr gut. «Ich habe gut ins Spiel gefunden, danach aber leider etwas den Faden verloren», zeigte sich Ferrante selbstkritisch.

Zwischenzeitliche Schwächephasen

Dass er zwischenzeitliche Schwächephasen einzog, hatte zur Folge, dass er zwischen der 8. und der 14. und ab der 38. Minute dann definitiv seinem Teamkollegen Radovanovic Platz machen musste. «Das ist nicht das Level, das ich von mir selber erwarte», sagte Ferrante und brachte damit die Unzufriedenheit mit seiner eigenen Leistung zum Ausdruck. Gleichzeitig hatte er Lob für seinen Konkurrenten übrig: «Wir funktionieren sehr gut als Duo. Wir unterstützen uns jederzeit und mögen uns den Erfolg gegenseitig gönnen. Wenn der eine eine schlechte Phase einzieht, dann kommt der andere. Es freut mich, dass diesmal er den Match und uns damit den Sieg gerettet hat.»

Foto Wagner, Siglistorf

HSC-Rückhalt Mihailo Radovanovic und Dario Ferrante verstehen sich im Duo bestens

Foto Wagner, Siglistorf

Noch zum Saisonauftakt gegen Pfadi Winterthur, als der HSC in den letzten gut fünf Minuten einen Vier-Tore-Rückstand aufgeholt hatte, war die Rollenverteilung im Goalie-Duo genau umgekehrt gewesen: Radovanovic hatte die Partie im Tor begonnen und für die Schlussphase Ferrante Platz machen müssen. Unter anderem seinen Paraden war es dann auch zu verdanken, dass Suhr Aarau beim 20:20 noch einen Punkt holte. «Dario hat sich die Nominierung für die Startformation mit guten Trainingsleistungen und dem Ausrufezeichen, das er gegen Pfadi gesetzt hat, verdient. Nun war es genau umgekehrt. Ich bin schlussendlich froh, dass ich über ein so starkes Goalie-Duo verfüge», sagte HSC-Trainer Misha Kaufmann.

Drama zum Schluss der Partie

Und dieses starke Goalie-Duo hat dem HSC Suhr Aarau mit seinen starken Leistungen in der Schlussphase nun bereits drei von vier möglichen Punkten in der neuen NLA-Saison zumindest ermöglicht. Dass der Favorit im Derby überhaupt auf seine Torhüter angewiesen war, hatte er sich selber zuzuschreiben. Trotz eigentlich beruhigender Vier-Tore-Führung sechseinhalb Minuten vor Schluss wurde es noch einmal knapp. Der TV Endingen gab sich nicht auf und kämpfte sich dank drei Treffern in Folge zum 27:28-Anschluss in die Partie zurück – zu mehr reichte es dann aber nicht.

Der HSC ist dank des Derby-Sieges auf den zweiten Platz in der NLA-Tabelle vorgerückt – und wird wegen der Cup-Pause vom kommenden Wochenende auch noch eine Weile dort klassiert bleiben. Im Cup stehen am kommenden Wochenende gleich zwei weitere Aargauer Derbys – diesmal ligaübergreifend mit der NLB – an: Am Freitag trifft der HSC Suhr Aarau auswärts auf den STV Baden (Anpfiff 20.00 Uhr) und am Sonntag misst sich der TV Endingen auswärts mit dem TV Möhlin (Anpfiff 17.00 Uhr)

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