Krise beim FC Aarau
Der Zwangsabstieg droht: Wer rettet den FC Aarau?

Es ist ein herber Schlag für den FC Aarau. Neben der sportlichen Misere gesellen sich jetzt nicht nur finanzielle Probleme. Der Traditionsverein erhält für die nächste Saison vorerst keine Lizenz für die Challenge League.

Ruedi Kuhn
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Stellvertretend für die aktuelle Situation des FC Aarau: Giuseppe Rapisarda im Elend. Archiv/wagner

Stellvertretend für die aktuelle Situation des FC Aarau: Giuseppe Rapisarda im Elend. Archiv/wagner

Aargauer Zeitung

Der FC Aarau erhält in erster Instanz keine Lizenz. Die Lizenzkommission hat damit auf die Prozessniederlage des FC Aarau 1902 in Sachen MTO und die damit verbundene Rückzahlung der Transferrechte von 2,5 Millionen Franken reagiert. Für die Swiss Football League ist klar, dass die FC-Aarau-AG als Rechtsnachfolgerin des Vereins 1902 die Schuld von 2,5 Millionen Franken nicht abstreifen kann. Das heisst im Klartext: AG und Verein werden von der Liga konsolidiert, sprich als Ganzes, betrachtet.

Der Aarauer Lizenzverantwortliche Robert Kamer ist zwar enttäuscht, gibt sich aber kämpferisch und sagt: «Wir werden gegen den Entscheid fristgerecht bis am 2. Mai rekurrieren. Es liegt an uns, die Rekurskommission davon zu überzeugen, dass die AG und der Verein unabhängige juristische Personen sind, die nicht für Schulden des andern haften.»

Vor der Lizenzeingabe bei der Rekurskommission werden sich Kamer und Präsident Alfred Schmid juristisch beraten lassen. So stellt sich die Frage, ob diesmal nicht nur die Unterlagen der AG sondern auch jene des Vereins eingereicht werden. Doch beide Varianten drohen zum Rohrkrepierer zu werden. Reichen die Aarauer die Unterlagen des Vereins nicht ein, wird wohl auch die Rekurskommission den Antrag für eine Challenge-League-Lizenz abschmettern. Im Fall der Konsolidierung weisen die Aarauer indes Schulden aus, die den erlaubten Rahmen bei Weitem sprengen.

Perspektiven für Geldgeber

Dem Verein vom Brügglifeld läuft die Zeit davon. Die Schlinge zieht sich zu. Der Druck steigt. Verweigert auch die Rekurskommission dem FCA die Lizenz, bleibt nur noch der Gang vors Sportgericht (CAS) in Lausanne. Doch das ist ein Vabanque-Spiel, weil bis zu einem Entscheid des CAS die neue Saison wohl schon wieder begonnen hat.

Viel eher scheint, dass dem FC Aarau nur noch potente, dem Verein nahestehende Firmen wie der neue Hauptsponsor Zehnder AG oder eine der beiden Banken NAB oder AKB helfen können. Immerhin verfügt der FCA mit dem Stadionprojekt im Torfeld Süd über die Perspektive, sich nachhaltig im Schweizer Profifussball zu etablieren, was für Geldgeber, Mäzene oder Investoren von grosser Bedeutung ist. Deshalb finden sowohl Gespräche mit möglichen Mäzenen als auch Vergleichsverhandlungen mit der MTO statt. Undenkbar ist, dass der FCA auf die Schnelle 2,5 Millionen Franken lockermachen kann. Da scheint die Hälfte dieses Betrags schon eher realistisch.