Der Maulwurf ist tief ins Archiv hinabgestiegen und auf eine Ausgabe des «Aargauer Tagblatts» vom 17. August 1968 gestossen. Da steht geschrieben: «Leute vom FC Aarau sehe ich gar nicht gerne in meinem Betrieb; die wollen sich doch nur die ganze Woche bei mir ausruhen.»

Es war die Zeit, in der in der Schweiz mit Ausnahme der Köbi Kuhns und Karl Odermatts die Nationalliga-Fussballer tagsüber arbeiten mussten, um abends satt ins Bett zu gehen. Und es war die Zeit, in der der gesundheitliche Wert der sportlichen Betätigung noch nicht allseits anerkannt war.

Das erfuhr im Sommer 1968 der FC-Aarau-Spieler Cäsar Fuchs, 23, kurz nachdem er die Stelle in einer Giesserei in der Region angetreten hatte. Der Direktor wetterte gegenüber der Zeitung: Leute, die Fussball spielten, brächten im Beruf keine vollwertige Leistung zustande und würden nur dem Arbeitsklima schaden. Zum Glück sei der FC Aarau nicht in die Nationalliga A aufgestiegen, sonst wäre in seinem Betrieb noch mehr über Fussball geredet worden.

Cäsar Fuchs war durch den Vizedirektor aus fünf Bewerbern auserkoren worden. Seine tadellosen Arbeitszeugnisse hatten imponiert, unter anderem von der Erziehungsdirektion Aarau.

Eine Woche später musste Fuchs beim Direktor antraben und sich anhören, dass er niemals angestellt worden wäre, hätte man gewusst, dass er beim FC Aarau Sport treibe. Nach dieser Unterredung kam Cäsar Fuchs der Entlassung zuvor und kündigte seinerseits. Nicht, ohne auf die Auszahlung des ihm zustehenden Lohns zu bestehen.

«Das dürfte jedem begreiflich sein», kommentierte das «Aargauer Tagblatt» die Flucht. Der Redaktor schlug sich kompromisslos auf die Seite des Aarauer Fussballers. «Die antiquierte Ansicht und die direktoriale Arbeitspolitik geben zu denken. Es ist mehr als seltsam, wenn heutzutage sportliche Betätigung so gering geschätzt wird.»

Und das Schlussplädoyer: «Das Verhalten muss als unsportlich in jeder Beziehung verurteilt werden. Dass Fussballer, speziell jene des FC Aarau, im Beruf nichts taugen, muss erst einmal bewiesen werden.» Ob der Redaktor den letzten Satz heute auch so schreiben würde?