Lenzburg Hurricanes
Der Unersetzbare muss ersetzt werden - oder doch nicht?

Unübersichtliche Tage bei den Hurricanes. Ein Kommentar zu Daniel Maurers Entscheid, zur generellen Trainersituation im Inlinehockey und warum die Lenzburger vielleicht gar keinen Nachfolger präsentieren müssen.

Calvin Stettler
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Nicht mehr im Mittelpunkt - Ex-Spielertrainer Maurer fungiert nur noch als Spieler im Team der Hurricanes

Nicht mehr im Mittelpunkt - Ex-Spielertrainer Maurer fungiert nur noch als Spieler im Team der Hurricanes

Calvin Stettler

Selbst der zurückgetretene Daniel Maurer konnte sich kein Schmunzeln verkneifen, als ich ihm den Inhalt von einem beinahe fertigverfassten Artikel schilderte, in dem das Trainerbusiness im Inlinehockeysport hätte thematisiert werden sollen.

Da in dieser jungen Sportart das Transferkarussell still steht und kein Trainer-Markt existiert, sind Persönlichkeiten wie Maurer praktisch unersetzbar – aber auch umso geforderter. Leute, die über so viel Herzblut und Fachkompetenz verfügen, sind eine Rarität. Man unterschätzt deren Engagement. Die wohl grösste Gefahr für die klubführenden Konstanten liegt aber in Zeiten des Misserfolgs. Die populistische Variante des Trainerwechsels ist im Inlinehockey keine Option, da qualifiziertes Trainerpersonal schlichtweg nicht vorhanden oder bereits beschäftigt ist. Eine Vielzahl der Koordinatoren haben deshalb eine Doppelrolle als Spieler und Trainer inne. Neue Reizpunkte müssen also intern und vor allem kommunikativ gesetzt werden – und das ist eine Gabe Maurers.

Für mich und wohl für den gesamten Verein war bereits jetzt in Stein gemeisselt, dass der wortgewandte Maurer nach einer beachtlichen Spielerkarriere das Amt des Trainers mit seiner ganzen Passion weiter ausüben wird. Genau dies war die Kernaussage des ursprünglichen Berichts, der nun zur Makulatur verkommt. Die Realität ist anders: Der Unersetzbare muss ersetzt werden.

Eine heimtückische Freiheit

Die Gründe, die Maurer für seinen Rücktritt nennt, sind legitim. Trotzdem gleicht die Angelegenheit einer Gratwanderung. Maurer fordert eine regelmässige Trainingspräsenz. Die Tatsache ist aber, dass man seit Januar keine einzige Trainingseinheit vollzählig bestreiten konnte. Maurers Idealvorstellungen sind keine Utopie. Vielmehr entstehen sie aus seinem unglaublichen Willen. Das heisst nicht, dass der Lenzburger Mannschaft der Wille fehlt, sondern dass sich gewisse Ansichten einfach nicht decken. Gerade im Randsport ist das ein Problem. Der Inlinehockeysport entscheidet weder über die Existenz der Spieler geschweige denn ist er deren berufliche Richtung. Die Akteure geniessen die Freiheit, die man im Leistungssport oftmals schon im Amateurbereich nicht mehr hat.

Doch fördert diese Freiheit auch den Teamzusammenhalt? Salopp formuliert erscheint jeder dann im Training, wenn er gerade Lust dazu hat. Es sind nicht nur Verspätungen oder Absenzen, die Maurer erbosen, sondern auch die Qualität der jeweiligen Trainingseinheiten. Klar, erwacht dann auch der Frust bei denjenigen, die zu den eigentlichen Pflichtterminen pünktlich erscheinen und deren hohe Erwartungen an die Intensität nicht erfüllt werden.

Weckruf oder letztes Wort?

Es ist eine Begebenheit, die beide Parteien beschäftigt. Trotz allem ist es nicht auszuschliessen, dass der ehemalige Spielertrainer seine Truppe mit dieser Aktion noch ein letztes Mal wecken und aus der Komfortzone holen will. Denn innerhalb der Mannschaft stimmt die Chemie trotz den jüngsten Vernachlässigungen. Zudem gehören die Hurricanes immer noch zur Spitzengruppe der 1. Liga. Langfristig kann solch eine Attitüde allerdings in Hemmung und Misserfolg münden. Deshalb bekräftigt Maurer, dass er unter diesen Umständen nicht bereit sei, weiter zu coachen. Offenkundig verneint hat er eine Rückkehr in die Doppelfunktion des Spielertrainers aber nie.

Als Mitbegründer liegt ihm sein Lebenswerk wohl zu sehr am Herzen. Dementsprechend dürfen alle desperaten Anhänger der Hurricanes weiter hoffen. Zeigt das gesamte Team in den kommenden Wochen nämlich eine ernstgemeinte Reaktion, so ist hier das letzte Wort von Daniel Maurer als Trainer noch nicht gesprochen.

Inlinehockey - ein Besuch im Schatten des Breitensports. Im Rahmen einer Maturaarbeit begleitet Jungjournalist Calvin Stettler die Inlinehockeyaner der Lenzburg Hurricanes. Während der ganzen Saison (März bis Oktober) erscheinen an dieser Stelle Artikel rund um den Aargauer Erstligisten.