Volleyball

Der TV Schönenwerd macht eine europäische Grenzerfahrung

Abschied oder Exploit? Die Schönenwerder (Noah Eichenberger) benötigen gegen Wien einen Sondereffort.

Abschied oder Exploit? Die Schönenwerder (Noah Eichenberger) benötigen gegen Wien einen Sondereffort.

Nach dem 0:3 im Hinspiel in Wien droht Schönenwerd morgen im Challenge Cup das Aus. Mit der erstmaligen Teilnahme im Europacup ist der Verein sportlich, finanziell und personell an seine Grenzen gestossen.

Startgage? Fehlanzeige. Spesenentschädigung? Nein. Wer sich im Volleyball auf europäischem Parkett bewegt, wird mit Sicherheit nicht reich. Im Gegenteil, die Mannschaften kommen von A bis Z selber für die anfallenden Kosten auf. Das gilt auch für den TV Schönenwerd. Für A wie Anreise mit dem Flugzeug bis Z wie Zimmer im Hotel. Für die Auswärtsspiele auf Zypern und am vergangenen Mittwoch in Wien sind Kosten von insgesamt 40 000 Franken angefallen, die der Verein zu hundert Prozent selbst tragen muss. Prämien für einen allfälligen Sieg? Ebenfalls Fehlanzeige.

Präsentieren anstatt Geld verdienen

Von Verhältnissen wie im Fussball trennen die Volleyballer Lichtjahre. «Wirtschaftlich ist das Abenteuer in der Tat nicht rentabel», sagt Philipp Noever. Für den Vereinspräsidenten besteht der Anreiz darin, dass sich der Klub international präsentieren kann und Erfahrungen sammelt. Die erstmalige Teilnahme auf der europäischen Bühne stellt die Schönenwerder nicht nur vor wirtschaftlich grosse Herausforderungen. «Für alle Beteiligten, Spieler, Trainer, aber auch für alle Helfer im Umfeld des Vereins ist es eine anstrengende Phase und gewisse Ermüdungserscheinungen sind nicht wegzudiskutieren», stellt Noever fest.

Ähnlich beurteilt Monika Allemann die Belastung. «Es sind Unmengen von Stunden, die ich für den Challenge Cup seit dem Sommer aufgewendet habe», sagt die Team-Managerin. Für Allemann ist klar: Würde Schönenwerd dauerhaft den Anspruch haben, europäisch mitzutun, bräuchte es mehr Ressourcen. Mehr Personen und mehr finanzielle Mittel. «Was eher unwahrscheinlich ist.»

Die Hoffnung auf eine eigene Halle

Wenn es um die Beschaffung von Geldern geht, sind die Prioritäten beim TV Schönenwerd anders ausgerichtet. In zwei Jahren soll, wenn alles reibungslos läuft, der Klub seine Spiele in einer eigenen Halle austragen, die auch den internationalen Normen entspricht. Das Team von Trainer Bujar Dervisaj trägt auch die heutige Partie gegen Wien im Exil in Windisch aus (Mülimatt, 19.30). «Die Durchführung des Hallenprojektes ist realistisch. Es ist aber noch ein weiter Weg», sagt Philipp Noever. Derzeit wird die Erstellung eines Vorprojekts vorangetrieben sowie über die detaillierte Aufteilung zwischen Verein, privaten Investoren und öffentlicher Hand diskutiert.

Entsprechend steht beim Vereinspräsidenten eine Qualifikation für die nächste Runde im Challenge Cup nicht zuoberst auf dem weihnachtlichen Wunschzettel, sondern das Ansinnen nach einer neuen Heimstätte. «Das würde die Voraussetzungen schaffen, damit wir langfristig und nachhaltig Spitzenvolleyball im Nachwuchsbereich und in der Nationalliga A anbieten können.» Unabhängig von Stargeldern oder Prämien.

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