Am 6. Mai vergangenen Jahres war es wieder so weit. Der TV Endingen stieg wieder einmal direkt aus der NLA ab. Wieder nach nur einer Saison in der höchsten Spielklasse. Besonders bitter: Die Liftmannschaft schlechthin gab im Playout-Final gegen GC eine 2:0-Führung in der Serie aus der Hand. Die Enttäuschung bei Spielern und Staff nach dem entscheidenden fünften Spiel war grenzenlos.

Ein Jahr später sieht die Endinger Handballwelt wieder ganz anders aus. Der TV Endingen reihte in der Hauptrunde Sieg an Sieg und wurde erst in der 19. (!) Runde das erste Mal bezwungen. Nicht selten wurden Gegner regelrecht aus der heimischen Halle gefegt. Nun steht für die Surbtaler das Saisonhighlight vor der Tür. Morgen Samstag beginnt die Playoff-Final-Serie gegen die Lakers aus Stäfa. Der Sieger der Begegnung steigt direkt in die NLA auf.

Ausgeglichenes Kader

Das Erreichen der Playoffs war vor der Saison das erklärte Ziel von Endingen, doch rechnete man damit, derart überlegen durch die zweithöchste Spielklasse zu marschieren? Geschäftsführer Christian Villiger relativiert: «Ich hatte damit gerechnet, dass wir es in die Playoffs schaffen, habe mich aber auf eine enge Kiste eingestellt.» Ins gleiche Horn bläst Captain Christian Riechsteiner: «Mit so einer Serie haben wir natürlich nicht gerechnet, aber wenn es läuft, dann läuft es.»

Der 29-Jährige führt den durchschlagenden Erfolg in erster Linie auf die Ausgeglichenheit des Kaders zurück: «Wir haben keinen Spieler in den Top 10 der Torschützenliste, bei uns ist also jeder Spieler für ein Tor gut.» Tore, die auch im Playoff-Final gegen Stäfa gefordert sein werden. Mit den Lakers haben die Endinger noch eine Rechnung offen. Bereits zweimal verpassten die Handballer von Trainer Zoltan Majeri den Aufstieg in die NLA, weil ihnen die Zürcher vor der Nase standen.

Offensiv starker Gegner

Ein drittes Mal sollten die Lakers keinen Stolperstein darstellen. Zumindest in der Qualifikation blieb man gegen den Tabellenzweiten schadlos (39:36, 37:30). Auf die leichte Schulter nimmt man den Gegner darum nicht: «Stäfa ist eine sehr schnelle Mannschaft und offensiv sehr stark. Defensiv offenbaren sie aber einige Probleme.» Eine Aussage, die statistisch belegt werden kann. Während die Lakers über 100 Gegentore mehr kassiert haben, treffen sie vorne fast gleich häufig wie der Leader aus Endingen (849 zu 833).

Trotzdem geht Endingen als Favorit in die Finalserie. Wer in 26 Spielen 24 Siege einfährt, kann die Favoritenrolle nur schwer von sich weisen. Dem pflichtet Riechsteiner bei: «Wir sind sicher leicht zu favorisieren, aber in einer Playoffserie können Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden.» Dass die Lakers bereits zweimal einen Aufstieg von Endingen zu verhindern wussten, steckt der Captain bewusst weg: «Die Konstellation ist heute eine völlig andere als damals.»

Vorbereitet für beide Fälle

An einen Einbruch wie vor einem Jahr glaubt der Captain nicht: «Die Abstiegsserie zog sich über einen Monat hin, weil wir zwischen jedem Spiel eine Pause hatten. Im diesjährigen Modus bleibt uns gar keine Zeit, den Fokus zu verlieren, da alle drei Tage ein Spiel ansteht», sagt Riechsteiner.

Im Idealfall steht der TV Endingen also bereits in einer Woche als Aufsteiger fest. Der Verein ist für beide Szenarien vorbereitet: «Wir haben einen Plan für die NLA und die NLB. Gross unterscheiden tun sich diese allerdings nicht», so Villiger. Im Falle eines Aufstiegs bleibt der TV Endingen seinem Konzept treu, junge Spieler einzusetzen, die später bei einem Spitzenteam landen sollen. «Wir besetzen im Schweizer Handball eine Nische, aber natürlich macht es mehr Spass, diese Nische in der NLA zu besetzen.»