Sind die Aufstiegschancen des TV Endingen nach dem 30:28-Erfolg grösser als vor dem Spiel? Eine schwierige Frage. Verteidigungsminister Lukas Schubnell denkt einen kurzen Augenblick nach und sagt dann «Nein, das würde ich nicht unterschreiben. Wir haben gesehen, wie eng diese Angelegenheit ist. Und wir müssen weiter realistisch bleiben. Ohne eine Topleistung werden wir im Rückspiel in einer Woche von Stäfa überrollt.»

Die gleiche Frage an Schubnells Chef, an TVE-Trainer Zoltan Cordas. Seine Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. «Ja, die Chancen sind grösser als vor dem Spiel – um zwei Tore.» Der Österreicher freute sich über die taktisch clevere Spielweise seiner Mannschaft und ärgerte sich über fünf schwache Minuten Mitte der zweiten Halbzeit, als man 22:20 führte, der Gegner angeschlagen wirkte, das Publikum so richtig erwachte, aber Florian Leitner es fertig brachte, gleich dreimal in Serie einen Abschluss zu versemmeln. Auf einmal stand es 24:22 für die Zürcher.

Die Partie drohte zu kippen, doch der beste Endinger des Abends, der serbische Rückraumspieler Nemanja Sudzum, brachte die Aargauer mit seinen Toren zurück auf die Siegerstrasse. Neunmal hatte der 32-jährige Routinier am Ende getroffen – so oft wie kein anderer Spieler auf dem Platz.

Sensationelles Publikum

Endingen darf am kommenden Mittwoch nicht nur mit dem Selbstvertrauen des Siegers zum Rückspiel reisen, sondern auch mit der Gewissheit, dass ihr keine Übermannschaft gegenübersteht. Die erste Begegnung verlief von A bis Z ausgeglichen. Erst nach 40 Spielminuten konnte ein Team (Endingen) erstmals mehr als zwei Tore Differenz zum Gegner schaffen.

Stark war Endingens Abschlussquote, sehr gut auch das Verhalten bei Über- und Unterzahlsituationen. Hier hatte man in Sachen Cleverness dem favorisierten Gegner erstaunlicherweise einiges voraus. Als Höhepunkt des Hinspiels bezeichnete Lukas Schubnell allerdings «das sensationelle Publikum. Die Menge hat uns richtiggehend angetrieben». Für den TVE seien die 1600 eine Rekordkulisse, erklärte Geschäftsführer Christian Villiger.

Diesen Vorteil wird man im Rückspiel nicht mehr ausspielen können. «Dafür liegt der Druck auf den Schultern des Gegners», sagte Zoltan Cordas. «An die zwei Tore Vorsprung dürfen wir in Stäfa aber in keiner Sekunde denken. Wir müssen mit dem simplen Ziel dorthin gehen, ein gutes Spiel abzuliefern.»

Einen Faktor, der über Aufstieg oder Nicht-Aufstieg mitentscheiden wird, wollte niemand ansprechen. Endingens Torhüter Dario Ferrante wird sich in Stäfa trotz einiger gelungenen Paraden gestern Abend steigern müssen, wollen die Surbtaler die Gelegenheit wirklich beim Schopf packen. Trotz Lob von Vordermann Schubnell («Dario war in der Schlussphase ein sehr guter Rückhalt.») wirkten doch einige der 28 erfolgreichen Lakers-Abschlüsse nicht unwiderstehlich.

TV Endingen - Lakers Stäfa 30:28

Tägerhard Wettingen. – 1600 Zuschauer. – SR Bär/Süess. – Strafen: 8mal 2 Minuten gegen Endingen, 5-mal 2Minuten gegen Stäfa. – Torfolge: 1:0, 3:4, 6:6, 7:9, 10:10, 13:11, 16:14; 18:16, 20:17, 21:18, 22:20, 22:24, 25:25, 28:26, 30:28. 

Endingen: Ferrante/Häller (55.); Lukas Riechsteiner (6), Leitner (2), Huwyler (2), Sudzum (9), Christian Riechsteiner (6/4), Pejkovic (2), Kulenovic (1), Schubnell (2), Ladan, Sebastian Kaiser.

Lakers Stäfa: Schelling/Wipf; Barth, Bajramovic (2), Milicic (6/3). Brunner (4), Ehlers (4), Bleuler (1), Jud (1), Kurbalija (3/1), Maros (7), Affentranger, Mächler.