Boxen

Der Tellerwäscher wird Geschäftsmann: Der Badener Profi Ando Hakob eröffnet im Trafo seinen eigenen Boxkeller

Ando Hakob (l.) mit seinen Unterstützern Reto Schaffner, Werner Eglin, Martin Thalmann und Tong Ung im neuen Boxkeller im Trafo Baden.

Zuallererst ist er ein talentierter Boxer. Laut Pass heisst er Andranik Hakobian, im Ring nennt er sich Ando Hakob. Der 29-Jährige mit armenischen Wurzeln feierte jüngst in Deutschland den zwölften Profisieg in 14 Kämpfen. Mit dem Franzosen Fadli duellierte sich der Badener bereits zum zweiten Mal. Mangels finanzieller Möglichkeiten, einen besseren Gegner zu engagieren.

Im Profiboxen erfolgt der Aufstieg meistens über das Portemonnaie. Und Geld hat Hakob definitiv keines. Selbst die Startgebühr von 200 Franken, welche der Schweizerische Boxverband für den Kampf einforderte, muss der ehemalige Flüchtling in Raten abstottern.

Hakob hat andere Qualitäten. Viel Talent, einen enormen Willen, den Hang zur Show sowie die Fähigkeit, andere von seinen Ideen zu begeistern. Das öffnet ihm immer wieder Türen. So boxt er am 26. Dezember beim legendären Meeting im Berner Kursaal. Diesmal wird der Südafrikaner David Rajuili in der anderen Ecke stehen. Geht es nach dem Aargauer, eine weitere Zwischenstation auf dem Weg zu einem grossen Duell. Hakob träumt von einem Titelkampf zu Hause in Baden.

Spruchreif ist solches noch lange nicht. Dafür erfüllt sich für den Mann, dessen Leben alle Ingredienzen einer Tellerwäscher-Karriere aufweist, ein anderes Ziel. Im Januar eröffnet Ando Hakob im zweiten Untergeschoss des Trafo-Gebäudes in Baden sein eigenes Gym. Auch für dieses Projekt hat er viel Überzeugungsarbeit aufwenden müssen. «Ando kann Leute begeistern, er kommt überall gut an und seine Geschichte fasziniert», sagt der Wettinger Architekt Martin Thalmann, der Hakob tatkräftig unterstützt.

Hakob ist eigener Trainer, Manager, Geldbeschaffer

Auch für Sponsor Reto Schaffner, der zusammen mit Ex-Fussballer David Degen durch das Sportförderungs-Netzwerk «Swiss Sportscircle» Athleten aus Randsportarten unterstützt, ist Hakobs Weg bewundernswert: «Viele Leute vergessen ab und zu, von wo wir herkommen. Ando verkörpert Herzblut und Leidenschaft. Deshalb unterstützen wir ihn.» Er müsse sein Ding aber letztlich selber durchziehen.

Die Fäden in Ando Hakobs Boxring-Projekt «CrossBoxing», mit dem der 29-Jährige durch kostenlose Trainings auch Jugendliche ohne Einkommen von der Strasse wegholen will, hält der Badener Unternehmer Werner Eglin zusammen. Er öffnet für den Sportler Türen. So startet in diesen Tagen auf «I believe in You» eine Crodwfunding-Aktion. Damit soll ein fünfstelliger Betrag zusammenkommen, um das derzeit noch äusserst spartanische Gym einzurichten.

Dass Ando Hakob auf verschiedenen Hochzeiten tanzt, ist für den gebürtigen Armenier nichts Neues. Solches macht er seit Beginn seiner Karriere – als eigener Trainer, Manager und Geldbeschaffer. Er sieht deshalb im eigenen Boxkeller auch die Chance, noch konsequenter als Leistungssportler zu leben. «Bisher war das Training ab und zu nur halbbatzig, weil ich mich um alles andere kümmern musste und von einem Ort zum andern hetzte. Jetzt habe ich im Trafo eine eigene sportliche Heimat», sagt Ando Hakob und verabschiedet sich. Er muss dringend zum nächsten Termin.

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