FC Aarau
Der Sicherheitsfrust vor dem Risiko-Spiel

Für den FC Aarau steht heute viel auf dem Spiel. Die Unabsteigbaren wollen zurück in die Super League. Die Partie gegen Brühl stellt auf und neben dem Platz keine einfache Aufgabe dar, insbesondere die Auflagen der St. Galler.

Adrian Hunziker
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Leo Locher begleitet die FCA-Fans zu allen Auswärtsspielen. toni widmer

Leo Locher begleitet die FCA-Fans zu allen Auswärtsspielen. toni widmer

Dieses Spiel gilt wegen der Rivalität zwischen den St.-Gallen- und den Aarau-Fans als Hochrisikospiel», sagt Leo Locher, Sicherheitsverantwortlicher beim FC Aarau.

Wie alles begann, ist heute nicht mehr genau zu eruieren. Tatsache ist: St.-Gallen- und Aarau-Fans hassen einander abgrundtief. «Da der FC St. Gallen bereits gestern gegen die AC Bellinzona ihr Heimspiel absolvierte, haben die St.Galler Fans heute die Möglichkeit, ans Spiel des FCA gegen Brühl zu kommen», gibt Locher zu bedenken. Er sieht Ausschreitungspotenzial zwischen den beiden Fangruppen. Doch es ist seine Aufgabe, die Fans, die Polizei und sich selber auf dieses Szenario vorzubereiten. Das ist sein Job.

Massive Auflagen

Doch vor dem heutigen Spiel wurde ihm ein dicker Strich durch die Rechnung gemacht. Denn die St.Galler Stadtpolizei machte dem SC Brühl vor dem Spiel strenge Auflagen. Als Folge kam ein Schreiben des Fussballklubs an Locher. «Dort werden unseren Fans mehrere, unverständliche Auflagen aufgezwungen. So werden beispielsweise nur 200 Aarau-Fans ins Stadion gelassen und es gibt keinen Vorverkauf», sagt Locher. Ausserdem müssten die Fans allesamt mit Bussen anreisen, sodass man sie besser kontrollieren kann. Fans, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, wird laut dem Schreiben der Einlass ins Stadion verweigert. Das bringt den Sicherheitsverantwortlichen auf die Palme: «Die wissen genau, dass die Aarauer Fans immer mit dem Zug anreisen. Diese Auflage macht meine gesamte Arbeit zunichte.»

Locher hatte die Aarau-Fans am Spiel in Chiasso – er begleitet die Fans zu allen Auswärtsspielen – über das von St. Gallen angeordnete Vorgehen informiert. Er stiess auf völliges Unverständnis. «So ist es möglich, dass die Fans Pläne schmieden, die noch schlimmere Szenarien heraufbeschwören könnten», meint Locher. Die Fans versicherten ihm zwar, dass sie nicht randalieren wollten. «Doch dieses restriktive Schreiben ist kontraproduktiv und macht die gute, präventive Fanarbeit im Hintergrund kaputt.»

Polizei freut sich auf FCA-Fans

Locher geht davon aus, dass der Brief eine Reaktion der Polizei auf die Tumulte im Oktober 2011 war. Damals kam es zu einem Scharmützel nach dem Spiel FC Wil gegen FC Aarau. Dabei wurden zwei Polizisten verletzt. «Die Polizei wird Aarauer Fans rauspicken und sie genau unter die Lupe nehmen. Auf Facebook war sogar zu lesen, dass sich die Polizei auf die FCA-Fans freue», sagt Locher.

«Aktuell spielt die Polizei gegen mich», meint der Sicherheitsverantwortliche. Denn im Normalfall gebe es vor Spielen Sitzungen mit den Verantwortlichen. Das war auch früher mit der St.Galler Polizei so. «Dieses Mal gab es kein Treffen, nur Auflagen. Das ist totale Willkür.» So weiss Locher nicht, ob die Aarauer, die mit dem Zug anreisen, überhaupt aus dem Bahnhof gelassen werden. Oder ob die St.-Gallen-Fans in irgendeiner Form eingeschränkt werden.

Es spielt also ein enormer Unsicherheitsfaktor mit. Locher ist sich sicher: «Wenn die St.Galler Polizei die Situation früh genug mit mir angeschaut hätte, hätten wir eine Lösung gefunden.» Er ist ein Sicherheitsverantwortlicher, der den Kontakt mit den Fans sucht. Locher ist bei Auswärtsspielen immer im Gästesektor, also bei den Aarau-Fans anzutreffen: «Mich finden Sie nie auf der Tribüne.» Und er fährt jeweils zusammen mit den Anhängern des FCA im Zug zu den Auswärtsspielen: «Im Zug sind alle Fans kompakt da. Da kann ich mit ihnen reden und wenn nötig Einfluss nehmen.» Für Locher wird die Partie von heute brisant sein. Vom Spiel selber wird er wohl nicht viel mitbekommen.