Handball Wohlen
Der Showmann verlässt die Bühne: Goalie Sascha Rudi tritt zurück

Ende Saison tritt Sascha Rudi, Goalie des 1. Ligateams von Handball Wohlen, zurück.

Fabio Baranzini
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Sascha Rudi (links), Goalie von Handball Wohlen, in Aktion. Ende Saison hört er auf.

Sascha Rudi (links), Goalie von Handball Wohlen, in Aktion. Ende Saison hört er auf.

CH Media

Nur noch zehn Mal wird sich Sascha Rudi zwischen die Pfosten stellen. Nur noch zehn Spiele und dann beendet der charismatische Torhüter von Handball Wohlen seine Karriere als aktiver Spieler. Im Alter von 29 Jahren hat Sascha «The Craken» Rudi genug. «Das Kribbeln ist weg», sagt der Freiämter Sportler des Jahres 2016. Obwohl Rudi aufgrund seines Alters noch längst nicht an einen Rücktritt denken müsste, hat er sich zu diesem Schritt entschieden und seine Teamkollegen vor wenigen Wochen informiert.

Der Grund für den Rücktritt mag im ersten Moment etwas überraschend klingen. Es ist nicht der grosse zeitliche Aufwand oder die Doppelbelastung von Beruf und Sport oder ein körperliches Problem. Es ist der Spielmodus. «Ich kann mit dem neuen Modus nichts anfangen», spricht Rudi Klartext. In den letzten Jahren wurde der Spielmodus in der 1. Liga mehrmals angepasst. Besonders einschneidend waren die Änderungen in diesem Jahr. Bloss noch zwei von acht Teams können sich für die Finalrunde qualifizieren. Zuvor waren es vier. «Wenn du wie wir in einer Gruppe mit zwei Absteigern aus der Nationalliga B und mehreren starken 1. Liga Teams bist, hast du eigentlich keine realistische Chance auf einen Finalrundenplatz», so Rudi. «Entsprechend spielst du dann eine halbe Saison ohne sportliche Ambitionen, bevor es in der zweiten Hälfte um etwas geht. Das macht keinen Spass. Und jetzt nimmt man uns in der Abstiegsrunde auch noch die Derbys gegen Muri weg. Dafür müssen wir nun quer durch die ganze Schweiz reisen und gegen Visp spielen.»

Dass es einem extrovertierten Spielertypen wie Sascha Rudi mehr Spass macht, in entscheidenden Spielen oder emotionsgeladenen Derbys vor vielen Zuschauern aufzulaufen, liegt auf der Hand. Rudi, der einst zwei Saison in der Nationalliga A beim RTV Basel gespielt hat, braucht den Druck, die Stimmung und die Emotionen, um seine beste Leistung abzurufen. «Sascha ist ein brutal emotionaler Torhüter. Er lebt für seinen Sport und seine Aktionen. Er ist ein Showman, der sich erst durch gelungene Aktionen richtig ins Spiel pushen kann», beschreibt sein langjähriger Teamkollege Manuel Frey.

Doch genau solche Spiele sind in den letzten Jahren immer seltener geworden. Entsprechend hat auch der Biss und die letzte Konsequenz bei Rudi zuletzt ein wenig gefehlt. «Man hat gemerkt, dass es für ihn in den letzten ein, zwei Saison neben dem Handball auch noch anderes gab», sagt Manuel Frey. Für ihn und seine Teamkollegen kam der Rücktrittsentscheid von Rudi daher auch nicht wirklich überraschend. Trotzdem ist der Rücktritt ihres Torhüters für die Wohler Handballer ein grosser Verlust. Denn nicht selten hat Sascha Rudi, der seine ganze Juniorenzeit bei Handball Wohlen absolviert und bereits mit 17 Jahren Stammtorhüter in der 1. Liga war, eine Partie mit seinen Paraden entschieden.

Rudi sei «todlieb», aber auch «chaotisch»

«Wir haben immer wieder Spiele nur wegen ihm gewonnen. Sascha konnte die Gegner mit seiner Art und seinen Paraden brechen und zur Verzweiflung bringen», so Manuel Frey, der Rudi als «todlieb», aber auch «chaotisch» bezeichnet. «Aber er ist halt ein Goalie und ich habe in meiner Karriere noch kaum je einen Handball-Goalie kennengerlernt, der ein 0815-Typ ist.» 0815 ist Sascha Rudi definitiv nicht. Das weiss er auch selber. «Natürlich habe ich eine ‹Ecke ab›. Sonst würde ich mich bei Gegenstössen oder freien Schüssen aus kurzer Distanz doch nicht ins Tor stellen», sagt Rudi. «Aber ich habs gern, wenn ich ab und zu mal einen Schuss ins Gesicht bekommen habe. Dann war ich wenigstens wach und richtig motiviert für den Rest des Spiels.»

Einen motivierten Sascha Rudi, der sein Team zum Sieg führen kann, können die Wohler in der Abstiegsrunde, die im am 11. Januar beginnt, gebrauchen. Und motiviert ist Sascha Rudi. Schliesslich geht es jetzt endlich wieder um etwas. «Ich will meine Karriere sicher nicht mit einem Abstieg beenden», sagt er. Es würde auch nicht zum Karriereende von Showman Sascha Rudi passen.