Warum genau es am Samstagabend zu den tumultartigen Szenen auf der Zofinger Trinermatten kam, das wissen nur die vom Platz gestellten Spieler und Schiedsrichter Lumni Ukaj. Möglich, dass tatsächlich beleidigende Worte gefallen sind. Möglich aber auch, dass die Karten beim Schiedsrichter zu locker sassen. Doch ob in den einzelnen Szenen richtig oder falsch entschieden wurde, muss in der Aufarbeitung der Vorkommnisse sekundär sein. Priorität hat, dass sich die Disziplinarrichter beim Strafmass an den Schilderungen des Schiedsrichters orientieren. Nochmals: Egal, ob diese richtig oder falsch sind. Denn: Der Schiedsrichter hat immer Recht, auch dann, wenn er nicht Recht hat.

Wir erinnern uns: Im Barrage-Hinspiel zwischen Xamax und dem FC Aarau stellte Schiedsrichter Stephan Klossner den Neuenburger Captain und Topskorer Raphael Nuzzolo vom Feld, angeblich, weil dieser ihn angespuckt habe. Nuzzolo wurde für vier Spiele gesperrt, beteuerte aber seine Unschuld und Xamax legte Rekurs ein. Nach wochenlangem Warten dann das Urteil des Rekursgerichts der Schweizer Fussballliga: Nuzzolo wird freigesprochen, weil ihm keine Absicht unterstellt werden könne.

Jubel bei Nuzzolo, riesige Konsternation bei den Schiedsrichtern. Für sie war dieses Urteil ein Schlag ins Gesicht, ihre Autorität wurde mit Füssen getreten. Der Freispruch für Nuzzolo mag faktisch richtig gewesen sein, hundertprozentig wissen nur Nuzzolo und Schiedsrichter Klossner, ob der Xamax-Stürmer tatsächlich gespuckt hat.

Doch das Signal ist fatal. Gemäss den Richtern ist die Glaubwürdigkeit des Schiedsrichters nun nicht mehr höher ist als die der Spieler oder Trainer. Doch nur mit dieser Voraussetzung machen Schiedsrichter überhaupt Sinn, ansonsten kann man sie auch abschaffen.

Heisst in der Konsequenz: Harte Strafen für die fehlbaren Akteure des NK Pajde. Auch wenn ihre Wut auf den Schiedsrichter verständlich ist.