Der SC Reinach hatte in den letzten Jahren quasi ein Abonnement auf dritte Plätze und damit den Gewinn der Bronzemedaille. Das könnte auch in der am Wochenende – gleichzeitig mit der Männer-NLA und NLB – beginnenden Meisterschaft wieder ähnlich sein. Doch das Team der letzten Jahre hat sich stark verändert, nicht weniger als sechs Stammspielerinnen haben den Klub verlassen und damit Lücken hinterlassen, die nicht geschlossen werden konnten. Fünf von ihnen gehören dem aktuellen Kader der Nationalmannschaft an: die Zwillinge Julia und Stefanie Marty spielen mit Blick auf die Olympischen Spiele in Sotschi im Februar 2014 in Schwedens 1. Division (Linköping), Anja Stiefel geht neu für den HC Lugano auf Torjagd, Mariko Dale stürmt in Neuenburg und Dominique Slongo hütet bei Bomo-Thun das Tor. «Ein bisschen viel auf einmal,» sagt der neue Trainer Patrick Klopfenstein, der in der Saison 200/2005 mit dem damaligen Zuger Frauen-Team den Meistertitel holte. Doch damit nicht genug: Kurz vor Meisterschaftsbeginn verabschiedete sich aus beruflichen Gründen auch die Deutsche Sibylle Kretzschmar.

Zweiklassen-Gesellschaft

Patrick Klopfenstein und Teamleiter Franz Pelloli sprechen denn auch von einem «Neubeginn» und wollen auf die neuen, jungen Spielerinnen setzen. Sie wissen auch, dass der Kampf um die Playoff-Plätze 3 und 4 offen ist. «Wir erwarten eine Zweiklassen-Gesellschaft», analysieren die Beiden die Stärkeverhältnisse in der obersten Frauen-Liga. Serienmeister ZSC Lions – trotz dem Abgang von nicht weniger als acht Stammspielerinnen – und Transfersieger Lugano haben klar die Nase vorne. «Am ehesten trauen wir Neuenburg die Rolle als erster Herausforderer der beiden Spitzenteams zu.» Im Kampf um den vierten Playoff-Platz sei vieles möglich, «doch es muss unser Ziel sein, auch gegen die Favoriten gute Spiele zu liefern und zu punkten.»

«Königstransfer» Dominique Slongo

Auf dem Weg in die Runde der letzten Vier werden Reinach neben dem geschickt verstärkten Team aus Neuenburg in erster Linie Bomo-Thun und Aufsteiger Weinfelden im Weg stehen. Die Berner Oberländerinnen haben zwar eine Reihe von Spielerinnen verloren, verfügen aber dennoch über genügend Potenzial, um sich in der obersten Frauen-Liga zu halten. Und sie haben mit dem Zuzug von National-Torhüterin Dominique Slongo den eigentlichen «Königstransfer» getätigt. Aufsteiger Weinfelden hat zwar – ähnlich wie Reinach – eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft, geht aber mangels Alternativen das Risiko ein, gänzlich ohne ausländische Verstärkungsspielerinnen anzutreten.

Durchschnittsalter gesunken

Grund zu einer optimistischen Einschätzung liefern Klopfenstein die Erkenntnisse aus der Vorbereitung. «Wir haben ein junges, motiviertes und entwicklungsfähiges Team, das sich von Spiel zu Spiel steigern kann.» In der Tat ist das Durchschnittssalter des Reinacher Ladies-Team extrem gesunken: Neben der 32-jährigen Slowakin Petra Dankova und der 25-jährigen Baslerin Heidi Stalder, beide letzte Saison in Diensten des Absteigers Langenthal sowie der 23-jährigen Oberaargauerin Martina Steck, die zwar bereits letztes Jahr als «Joker» transferiert wurde, aufgrund ihrer Mutterschaft aber keine Spiele bestritten hat, setzt Reinach auf die Jugend: Nach einem Abstecher in die USA kehrt die 18-jährige Melina Landis in die Schweiz zurück, von Villars stösst die 17-järige Rozenn Layat dazu. Beide Goalies gehören dem erweiterten Kader der U18 an. Aus Langenthal kommen neben Heidi Stalder auch die beiden 19-jährigen Stefanie Greger und Jenna Layat und von Bomo-Thun wechselt die 18-jährige Florence Schindler ins Wynental. Und mit der erfahrenen Jennifer Dütsch hat Reinach eine arrivierte, ehemalige Spitzenspielerin reaktiviert, die durchaus über die Fähigkeiten verfügt(e), einen wichtigen Platz im Reinacher Ensemble einzunehmen.

Auf der Suche nach ausländischer Verstärkung

Bis zum Transferschluss am 15. September hofft Reinach weiterhin auf die Zusage einer weiteren ehemaligen Spitzenspielerin und auch die Bemühungen um eine zusätzliche ausländische Verstärkung laufen weiter. «Wir sind nahe dran,» sagt Teamleiter Franz Pelloli, «aber wahrscheinlich müssen wir den Jokertransfer im November abwarten.»

Die Transferübersicht der Frauen-A-Klubs

ZSC Lions Trainerin: Daniela Diaz (bisher).

Ausländerinnen: Angela Taylor (GBR, bisher), Katie Greenway (St. Francis Xavier University, CAN, neu), Brook Fernandez (St. Lawrence University, USA, neu), Charlotte Wittich (Linköping, Aut, neu).

Zuzüge: Greenway, Fernandez, Wittich, Tiziana Cipriani (Seewen), Ann Grand (GCK Lions).

Abgänge: Lara Stalder (Minnesota Duluth Bulldogs, USA), Isabel Waidacher (Uiniversity of St. Scolastica, USA), Melanie Häfliger (Rücktritt), Eva Schwärzler (Rücktritt), Anna Vanhatalo (Finnland), Andrea Brändli (Winterthur/Weinfelden), Keely Covo (Kanada), Cyndy Kenyon (Trainerin GCK Lions).

Lugano

Trainer: Marzio Brambilla (bisher)

Ausländerinnen: Isabel Menard (CAN, neu), Kristin Horn (USA, neu), Kacy Ambroz (USA, neu, ab Oktober).

Zuzüge: Menard, Horn, Ambroz, Sophie Anthamatten (Saastal), Anja Stiefel (Reinach), Laura Desboeufs (Bomo / Ajoie), Céline Abgottspon (Bomo / Sierre), Nicla Gianettoni (Valle Verzasca).

Abgänge: Daniela Rundqvist (SWE), Shannon Reilly (USA, Kira Misikowetz (Assistant Coach), Nicole Schneider, Katja Rummel (beide Rücktritt), Daniela Ayearst (USA), Agnese Tartaglione (Ita).

Reinach

Trainer: Patrick Klopfenstein (neu)

Ausländerinnen: Petra Dankova (SVK, neu), 2. Ausländerin noch offen.

Zuzüge: Martina Steck (reaktiviert), Jenna Layat (Langenthal), Rozenn Layat (Villars), Melina Landis (Luverne Cardinals), Florence Schindler (Bomo Thun), Stefanie Greger (Langenthal), Heidi Stalder (Langenthal), Jennifer Dütsch (reaktiviert).

Abgänge: Julia und Stefanie Marty (Linköping, Swe), Anja Stiefel (Lugano), Marlies Hofmann, Mariko Dale (beide Uni Neuchâtel), Dominique Slongo (Bomo Thun), Jamie Reinhard (Rücktritt), Sibylle Kretzschmar (Studium), Silvia Bruggmann, Florence Unterluggauer (beide Rücktritt).

Université Neuchâtel

Trainer: Sven Schwab, Yan Gigon (beide bisher).

Ausländerinnen: Simona Studentova, Eva Holesova (beide CZE), Mathilde Ravillard (FRA), Anna Schneider (AUT, erst ab 2014)

Zuzüge: Dominique Scheurer (Bomo-Thun), Mariko Dale (Reinach), Marlies Hofmann (Reinach), Larissa Friant (Langenthal), Isabella Vuignier (Sierre), Floriane Yerly (Jean Tinguely), Kaleigh Quennec (Genève Servette)

Abgänge: Chiara Pfosi (Cushing Academy, USA), Mélanie Salomon (LKC), Silvia Rossinelli (Chiasso), Caroline Parisi (Beruf), Pascale Martin (LKC), Cassandra Rensch (Fribourg).

Bomo Thun

Trainer: Markus Bühler (neu)

Ausländerinnen: Petra Melicherikova (CZE), Soline Fohrer (FRA), Emmanuelle Passard (FRA), Lubica Stofankova (SVK, neu)

Zuzüge: Dominique Slongo (Reinach), Passard (Chambéry), Stofankova (Langenthal), Patricia Schenk (Bern 96), Jacqueline Kalbermatter (Visp, reaktiviert).

Abgänge: Jessica Lutz (USA), Laura Desboeufs (Lugano), Dominique Scheurer (Uni Neuchâtel), Florence Schindler (Dragon Thun), Céline Abgottspon (Lugano), Lolita Andrisevska (Rücktritt), Nathalie Geadah (Rücktritt), Seraina Matthys (Studium), Sabrina Thalmann.

Weinfelden

Trainer: Ossi Tscharf (bisher).

Ausländerinnen: keine

Zuzüge: Andrea Brändli (ZSC/Winterthur), Dominique Rüegg (Uzwil), Lucie Wimber (Winterthur), Barbara Riebli-Bohnenblust (reaktiviert).

Abgänge: Mia Airola (Finnland)