Das Nationalmannschafts-Aufgebot kam überraschend: Jannik Fischer, 24-jährig in Diensten des HC Lausanne, lächelt verschmitzt: «Ja, ich war wirklich überrascht, als mich die frohe Botschaft erreichte.» Die erstmalige Nomination bedeute ihm viel, «sehr viel, es gibt mir die Möglichkeit, zu zeigen, was ich kann und ich betrachte es als Lohn für meine tägliche, harte Arbeit.» Fischer, dessen älterer Bruder Simon ebenfalls bei Lausanne spielt, ist kein Blender, kein Supertechniker, aber er verkörpert den Inbegriff eines pflegeleichten, defensiv stabilen und hart einsteigenden Verteidigers. «Ich bin kein Spieler, der zaubern kann, ich liefere harte, ehrliche Arbeit ab – ich spiele genau das, was mein Trainer von mir verlangt.» Wie ein sanfter Riese eben, hart auf den Körper aber immer im Rahmen der Fairness.

Zug, Chur, Langenthal, Genf

Diese Arbeitseinstellung hat Jannik Fischer seit seiner Juniorenzeit beim EV Zug zu seiner Lebensmaxime gemacht. «In der Heimat» standen ihm zwar andere vor der Nase, Zug lieh ihn mehrmals aus. Schon als 17-jähriger Elite-Junior sammelte er seine ersten Erfahrungen in der Nationalliga B bei Chur. Mit 18 gab er sein NLA-Debüt, kam in Zug in zwei Saisons auf 48 NLA-Spiele, gleichzeitig aber wurde er erneut ausgeliehen und bestritt mit Langenthal 11 Partien in der NLB.2010 unterschrieb er einen Zweiweg-Vertrag mit Chris McSorleys Servette und dem Partnerteam Lausanne. Auch in Genf schien man dem 20-Jährigen den Durchbruch nicht zuzutrauen und schickte ihn – zu Ausbildungszwecken – in die NLB nach Lausanne. Dort ist er geblieben, hat seinen Vertrag erst kürzlich um drei Jahre bis 2018 verlängert. Ein klares Zeichen dafür, dass ihm die Atmosphäre am Genfersee und in der Patinoire de Malley zusagt. «Ich fühle mich hier zu Hause», sagt er und lobt den Teamspirit, der die Waadtländer zu einem ernst zunehmenden NLA-
Team gemacht hat. «Unsere Stärke ist der Teamgeist, der Zusammenhalt, wir sind keine Extrakönner, jeder spielt das, was er kann und das macht er gut.» Und das sei der Schlüssel, mit dem man ab und zu auch einem Grossen ein Bein stellen könne, wie kürzlich dem Leader HC Davos. Eine einfache Analyse eines Systems, das Trainer Heinz Ehlers seinem Team nach dem Aufstieg in die NLA verschrieben und seither kontinuierlich perfektioniert hat.

WG mit Bruder Simon

Seit Jahren wohnt Jannik Fischer zusammen mit seinem Bruder in der Romandie, seit ein paar Monaten in Morges, auf halbem Weg zwischen Lausanne und Genf. «Das passt bestens zusammen», sagt er, «wir sind nicht nur Brüder, sondern auch Freunde und Arbeitskollegen, wir verbringen praktisch 24 Stunden zusammen.» Mittlerweile haben sich die beiden Boswiler auch sprachlich ihrem Umfeld angepasst: «Das läuft echt gut mit dem Französisch», sagt Fischer und weist darauf hin, dass «die halbe Mannschaft zwar aus der Deutschschweiz kommt. So sprechen wir halt mehrsprachig miteinander, deutsch, französisch und mit der Skandinavien-Fraktion auch englisch.»

Ganz neu ist das Gefühl eines Nationalmannschafts-Aufgebotes für den Fischer nicht: Seit 2006 hat er in allen U-Auswahlstufen (U17, U18, U20) bereits 77 Spiele für die Schweiz bestritten, darunter auch die U20-Weltmeisterschaften in 2009 Herisau (Aufstieg in die Top Division) und 2010 in Regina. Einige seiner damaligen Kollegen wird er am Deutschland-Cup wieder treffen: die andern Rookies im Nationalteam Sandro Zurkirchen und Ramon Untersander oder Klubkollege Etienne Froidevaux, Tristan Scherwey oder Reto Schäppi. Gegen eine ganze Reihe ehemaliger U-Kollegen spielt er Woche für Woche in der NLA-Meisterschaft. Dass ausgerechnet er zu den «Auserwählten» gehört ist der Beweis dafür, dass er in seiner Karriere vieles richtig gemacht hat, unter anderem auch den Umweg über die NLB: «Ich bereue gar nichts. Ich weiss, wo ich hingehöre – zu Lausanne nämlich.»