Ringerstaffel Freiamt

Der Ringkampf mit den Behörden: Warum die Freiämter auf ihren Hoffnungsträger Magomed Aischkanow verzichten müssen

Der Tschetschene Magomed Aischkanow wird den Freiämtern zumindest im Halbfinal fehlen.

Der Tschetschene Magomed Aischkanow wird den Freiämtern zumindest im Halbfinal fehlen.

Die Ringerstaffel Freiamt wartet seit Monaten auf die Rückkehr ihres russischen Spitzenathleten Magomed Aischkanow. Ein familiäres Schicksal sowie das Fehlen eines gültigen Aufenthaltstitel oder Einreisevisum stehen dem Finaltraum der Ringer im Weg. Ob es letztlich ein Happy End für alle Seiten gibt, ist nach wie vor fraglich.

In der letzten Saison gewann der russische Freistilspezialist Magomed Aischkanow (23) alle zehn Kämpfe und bescherte der Freiämter Nationalliga-A-Mannschaft 38:1 Punkte. Der Spitzenathlet hatte also wesentlichen Anteil am Gewinn der Bronzemedaille.

In dieser Saison fehlte die Teamstütze jedoch. Zu Saisonbeginn glaubte der Verein, dass der Siegringer bis zur Meisterschaftsentscheidung zurückkehren werde. Aber heute beginnt der Halbfinal gegen Kriessern in Muri ohne den Tschetschenen. Aufgrund der offenen Ausgangslage könnte dies matchentscheidend sein.

Ein Todesfall mit ungeahnten Folgen

Aber warum darf der russische Sportler, der für die Ringerstaffel Freiamt auch als Trainer im Einsatz stand, nicht zurückkehren und nur in seiner Heimat trainieren? Doris Richner vom kantonalen Amt für Migration erklärt: «Magomed Aischkanow verfügt weder über einen gültigen Aufenthaltstitel noch über ein gültiges Einreisevisum.»

Auf den ersten Blick scheint der Fall also klar zu sein. Doch hinter der Geschichte versteckt sich ein familiäres Schicksal. Aischkanow lebte seit zweieinhalb Jahren in der Schweiz und ist verheiratet mit seiner Landsfrau Milana Chazuewa, die auch über den Schweizer Pass verfügt.

Als zu Jahresbeginn Aischkanows Vater zu Hause in Russland starb, bestanden bei der überstürzten Heimreise keine Zweifel, dass er nicht in die Schweiz zurückkehren darf.
Doch weder die islamische Hochzeit 2017 noch die zivile Heirat 2018 waren nach Schweizer Recht gültig.

Fünf Monate für die nötigen Abklärungen

Deshalb löste das Paar diese Verbindung im März 2019 auf und heiratete in Russland ein zweites Mal amtlich. Am 14. Mai stellte Magomed Aischkanow bei der Schweizer Vertretung in Moskau den Antrag für ein dauerhaftes Visum in der Schweiz. Einen ganzen Monat später traf dieses Gesuch im Aargau ein. Seither ging lange nichts mehr.

Doris Richner sagt dazu: «Weil die erste Ehe nach Schweizer Recht nicht gültig war, veranlassten wir Abklärungen in Moskau durch einen Vertrauensanwalt.» Erst durch Recherchen dieser Zeitung kam Bewegung in den Fall. Nach fünf Monaten erhielt das Migrationsamt Aargau die Rückmeldung, dass die Heirat gültig ist.

Seither unternimmt das Paar alles, damit das Visum nun endlich ausgestellt wird. Seit dem 12. November liegt der Ball bei den Aargauer Behörden, und diese gehen strikt nach den Buchstaben des Gesetzes vor. So verstrichen sechs Tage, bis die Ehefrau Bescheid erhielt. Für die Namensführung ist nicht nur ihre unterschriebene Erklärung nötig, sondern auch jene ihres Mannes, und dies mit Originalunterschrift.

«Wir behandeln dieses Gesuch nun speditiv»

Magomed Aischkanow fand einen Landsmann, der am Mittwochabend mit dem verlangten Dokument in die Schweiz reiste. Der Vater von Milana Chazuewa brachte dieses am Donnerstag zur Aargauer Zivilstandsaufsicht in Aarau. Andreas Bamert, Chef der Abteilung Register und Personenstand im Departement Volkswirtschaft und Inneres, kennt den Fall inzwischen auch und verspricht: «Wir behandeln dieses Gesuch nun speditiv.»

Konkret bedeutet dies, dass bis zum Eintrag ins Zivilstandsregister bis zehn Tage verstreichen können. Danach muss die Ehefrau den Familienausweis beantragen und dem kantonalen Amt für Migration einreichen. Dessen Sprecherin Doris Richner stellt in Aussicht, dass die Visumsermächtigung wiederum bis zehn Tage in Anspruch nehmen kann.

Magomed Aischkanow muss sich in seiner tschetschenischen Heimat also noch mindestens zwei Wochen gedulden, bis er auf der Schweizer Vertretung in Moskau das Visum abholen und in den Flieger Richtung Zürich einsteigen kann. Seine Frau hat den Wohnsitz in Menziken aus finanziellen Gründen aufgeben müssen und ist zu ihren Eltern nach Zeiningen umgezogen.

Ist der Finaltraum schon ausgeträumt?

Gut möglich, dass der Finaltraum der Aargauer Ringerhochburg schon ausgeträumt ist, wenn der russische Spitzensportler nach seiner zehnmonatigen Blockade in Tschetschenien wieder zur Verfügung steht.

Nicola Küng, interimistischer Präsident der Freiämter Ringerstaffel, tut sich schwer mit dem Fall Aischkanow: «Das ist ja sehr speziell und schwierig zum Nachvollziehen.» Er verstehe zwar, dass sich die amtlichen Stellen korrekt verhalten müssen. «Aber solche Verfahren sollten nicht erst vorwärtskommen, wenn sich die Medien einschalten.»

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