Challenge League

Der Rekordmeister will zurück an die Spitze: Warum der FC Aarau auf ein anderes GC trifft

GC läutet gegen den FC Aarau den Restart der Schweizer Fussball-Ligen ein.

GC läutet gegen den FC Aarau den Restart der Schweizer Fussball-Ligen ein.

Der Saison-Unterbruch kam für den Grasshoppers Club Zürich gerade richtig. Mit vier Punkten aus fünf Rückrunden-Partien taumelte der Rekordmeister vor sich hin. Nun ist alles anders, ein Besitzerwechsel sorgt plötzlich für aussichtsreiche Perspektiven.

Eines steht fest: Wenn der Grasshoppers Club Zürich am Freitagabend (18.15 Uhr) den Neustart des Schweizer Fussballs einläutet, dann wird dort nicht mehr derselbe Verein antreten wie man ihn aus jüngster Zeit gekannt hatte. Zwar werden gegen den FC Aarau dieselben Spieler den Rasen im Letzigrund betreten, jedoch ist die Führung dahinter fast komplett ausgetauscht. Und damit auch die Perspektiven. 

GC und Aarau trennten sich zuletzt torlos im Letzigrund.

GC und Aarau trennten sich zuletzt torlos im Letzigrund.

Teil eines weltweiten Konstrukts 

Der Wiederaufbau von GC ist zu einem der spannendsten Projekte im Schweizer Fussball geworden. Möglich macht dies eine Übernahme des Vereins. Im April wurde der Klub von der chinesischen Unternehmerin Jenny Wang übernommen. Ihrer Firma Champion Union HK Holdings Limited gehören nun 90% der Aktienanteile des Schweizer Rekordmeisters. 

Wang bringt nicht nur finanzielle Stabilität und Sicherheit für die Zukunft, sondern auch neue Leute in den Verein. Neben dem neuen Präsidenten Sky Sun haben nun auch Shqiprim Berisha (Geschäftsführer), Samuel Haas (Generalsekretär) und Bernard Schuiteman (Sportchef) ein Wörtchen beim Zürcher Traditionsklub mitzureden. Fredy Bickel, zuvor Sportchef und Geschäftsführer, musste seinen Platz räumen. Ebenso wurde der im Mai ausgelaufene Vertrag von Trainer Goran Djuricin nicht verlängert. Assistent Zoltan Kadar soll es nun mit dem Aufstieg richten. 

Trainer Goran Djuricin muss nach zwei Punktspielen die Grasshoppers bereits wieder verlassen.

Trainer Goran Djuricin muss nach zwei Punktspielen die Grasshoppers bereits wieder verlassen.

Es wird umgebaut bei den Grasshoppers. Auch im Nachwuchs wurden zahlreiche Trainer und Betreuer entlassen. Das neue GC soll anders ticken. Wie, das lässt sich derzeit jedoch kaum erahnen. Klare Statements von der Vereinsführung blieben seit der Übernahme – man wolle zurück an die Spitze des Schweizer Fussballs – aus. 

Klar dürfte jedoch sein, dass GC nun ein Teil eines weltweiten Konstrukts geworden ist. Wangs Ehemann Guo Guangchang gehört zu den reichsten Chinesen. Seine Firma Fosun besitzt den englischen Premier-League-Klub Wolverhampton Wanderers und hält zudem über eine Tochtergesellschaft Anteile an der Firma von Jorge Mendes, dem wohl bekanntesten Spielerberater der Welt. 

GC ist nun mit Spielerberater Jorge Mendes verstrickt.

GC ist nun mit Spielerberater Jorge Mendes verstrickt.

Es liegt daher auf der Hand, dass die Übernahme von GC für die Eigentümer einen strategischen Zweck hat. Seit die FIFA verboten hat, dass Firmen oder Privatpersonen Transferrechte an Spielern halten dürfen, ist der Einkauf von Klubs eine Möglichkeit, um diese Vorschriften zu umgehen. 

GC ist wieder spannend 

Was sich nach einem dubiosen Geschäft anhört, kann für die Grasshoppers jedoch auch entscheidende Vorteile haben. Junge Talente, deren Marktwerte bei den Wolves in die Höhe schiessen sollen, könnten künftig auch zwischenzeitlich bei GC landen, um Spelpraxis zu sammeln. Beispielsweise will sich Wolverhampton den 19-jährigen Alhassan Yusuf vom IFK Göteborg angeln. Gut möglich, dass der Youngster bereits in der nächsten Saison das Logo der Grasshoppers auf der Brust tragen wird. 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Head up💯

Ein Beitrag geteilt von Alhassan yusuf (@alhassanyusuf10) am

Spielt der nigerianische Youngster Alhassan Yusuf schon bald für GC?

Als Schweizer Fussballfan sollte man sich also daran gewöhnen, dass die Grasshoppers künftig wieder öfters in den Schlagzeilen stehen. Mit der finanziellen Sicherheit kommen auch Transfergerüchte mit prominenten Namen auf. Christian Gross oder René Weiler werden mit dem vakanten Trainerposten in Verbindung gebracht. Ebenfalls wird gemunkelt, dass Routiniers wie Guillaume Hoarau, Reto Ziegler und Stephan Lichtsteiner das Team in der neuen Saison verstärken könnten. 

Früher Trainingsstart

GC will wieder gross sein und dafür braucht es mediale Aufmerksamkeit. Einer, der dieses Spiel perfekt versteht, ist Adrian Fetscherin, der mit dem Besitzerwechsel als Marketingchef zurückgekehrt ist. Mit Aktionen wie Pappfiguren-Fans bei GC-Heimspielen sorgt er dafür, dass auch fleissig über GC berichtet wird, wenn gerade mal kein Transfergerücht existiert. 

Ebenfalls für Aufsehen hat der Trainingsbeginn gesorgt. Die Grasshoppers nahmen zusammen mit dem FC St.Gallen als erster Verein in der Schweiz den Betrieb wieder auf, obwohl dies eine Einstellung der Kurzgelder für die Spieler zur Folge hatte. Andere Vereine – wie der FC Aarau – starteten erst zwei Wochen später. 

Ob sich das zusätzliche Training auch sportlich bezahlt macht, ist schwierig zu erahnen. Geisterspiele sind schliesslich für alle Schweizer Teams ein Novum. Was sich dagegen mit Sicherheit sagen lässt: Nachdem GC vor dem Unterbruch vor sich hin taumelte, haben die Spieler nun wieder eine Perspektive. Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn der Rekordmeister gegen den FC Aarau ein ganz anderes Gesicht zeigen wird.

Meistgesehen

Artboard 1