Sein Name: Monquez Alyousef. Seine Herkunft: Saudi-Arabien. Sein Wohnsitz: Dubai. Sein Beruf: Bau- und Immobilien-Unternehmer. Seine Leidenschaften: Motorsport, Luxus-Autos und Fussball. Seine Lieblingsklubs: Der FC Barcelona und der FC Wohlen. Sein Herzenswunsch: Mitbesitzer eines Fussballklubs zu sein.

Weil Mitbesitzer des FC Barcelona zu sein um einiges kostspieliger ist als Mitbesitzer des FC Wohlen, entscheidet sich Alyousef für den Freiämter Challenge-League-Klub. Ende Mai 2016 übernimmt der Mäzen die deutliche Mehrheit des Aktienkapitals und lässt sich zusammen mit seiner Frau Denise Dobbin Alyousef in den Verwaltungsrat wählen.

Er wird Vizepräsident und stellt in Aussicht, innerhalb der Führungscrew eine aktive Rolle zu spielen.Ausserdem erklärt er sich bereit, das Hauptsponsoring zu übernehmen, den einen oder anderen spektakulären Transfer zu finanzieren und in Notsituationen einzuspringen.

Gute Fee ohne Hintergedanken?

Das Ganze fühlte sich an wie ein Märchen aus 1001 Nacht, in dem der erfolgreiche saudische Unternehmer die Rolle der guten Fee übernahm. Einer guten Fee mit viel Geld und ohne jegliche Hintergedanken. Alyousef war einfach da, pumpte Hunderttausende von Franken in den Klub, zeigte sich während der Heimspiele hin und wieder auf der Tribüne und unterstützte die Mannschaft nicht nur mit Geld, sondern auch mit Beifall.

Er liess keine Gelegenheit aus, um darauf hinzuweisen, was für tolle Jungs sich da für den FC Wohlen ins Zeug legen und dass er diese Jungs von allem Anfang an in sein Herz geschlossen habe.

Eine schöne, ja rührende Geschichte fürwahr – aber Hand aufs Herz: Das Ganze kam einem schon etwas spanisch vor. Wer den Sinn für die Realität nicht gänzlich aus den Augen verlor, der fragte sich, was der Hauptaktionär, Verwaltungsrat, Mäzen, Gönner und Freund mit dem kleinen FC Wohlen vorhatte. War er einfach ein guter Mensch? War es ihm ernst mit dem Engagement? Wusste er nicht wohin mit seinem vielen Geld? Oder suchte er sich einfach nur ein Spielzeug, das er nach kurzer Zeit wieder wegwerfen konnte?

Ein Haus war in Aussicht

Seis drum; Monquez Alyousef verlängerte mit seinem Einstieg das Abenteuer des FC Wohlen in der Challenge League. Nach und nach machte es sogar den Anschein, als würde sich der reiche Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern langfristig für den FC Wohlen einsetzen. Recherchen der «Aargauer Zeitung» ergaben, dass Alyousef sogar eine Villa in der Nähe des Hallwilersees suchte und bereit war, für das Prunkstück im Grünen einen zweistelligen Millionenbetrag hinzublättern.

In einem kurzen Gespräch mit mir sagte er: «Wissen Sie, Herr Kuhn, in Wohlen und Umgebung ist die Welt noch in Ordnung. Ich bin einfach nur ein Freund von Wohlen. Ich fühle mich wohl in der ländlichen Idylle. Hier könnten meine Familie und ich in Sicherheit leben. Die Schweiz im Allgemeinen und der Aargau im Speziellen gefallen mir. Und ich habe geschäftlich oft im Raum Neuenburg und Genf zu tun.»

Der FC Wohlen im Glück? Kurzzeitig ja! Aber das Märchen mit Monquez Alyousef hatte kein Happy End. Es dauerte nicht einmal 200 Tage. Nachdem der Geldgeber im Juni 2016 noch das Blaue vom Himmel versprochen hatte, verschwand er noch im selben Jahr von der Bildfläche. Sein Zitat «Ich habe einen Plan für die nächsten Jahre» löste sich bald einmal in Luft auf.

Kurze Freundschaft

Anfang 2017 war der FC Wohlen also wieder auf sich allein gestellt. Damit standen die Verantwortlichen mit Verwaltungsratspräsident Lucien Tschachtli an der Spitze erneut vor der Wahl: entweder geordneter Rückzug aus dem Profifussball mit allen Konsequenzen oder die Suche nach einem Investor und Mäzen wiederholen!

Ein Jahr vor dem freiwilligen Abstieg aus der Challenge League am 3. Januar 2018 gaben sich Tschachtli und Co. noch kämpferisch. Aber der Anfang vom Ende war mit dem schnellen Rückzug des reichen Mannes aus Saudi-Arabien eingeleitet. Und um eine Lebensweisheit reicher war die FCW-Führungscrew auch noch. Sie lautet: Geht es um Geld, sind Freundschaften oft nur von kurzer Dauer.