So gut, wie der Osterhase seine Eier zu verstecken pflegt, so gut versteckte sich der Frühling vor den Teilnehmern des Osterlaufs. Wetterkapriolen ist man sich am traditionsreichsten Aargauer Laufsport-Anlass gewohnt. Vor fünf Jahren schneite es, vor zwei Jahren stieg die Quecksilbersäule auf über 20 Grad an. In diesem Jahr kämpften die Teilnehmer gegen Kälte, Nässe und Matsch. «Mit Ausnahme des Wetters bin ich zufrieden», sagte OK-Präsident Urs Vogel. 1425 Unentwegte stellten sich den Bedingungen. Erwartet hatte Vogel 1650. Die Zahl der Voranmeldungen war gut, «aber das Wetter wirkte sich negativ auf die Nachmeldungen aus», sagte Vogel.

Muskelkater vom Langlauf

«Die Feldwege waren unglaublich matschig», sagte der Gesamtvierte Markus Joho im Ziel. Vor einem Jahr absolvierte er die 10 Meilen des GP Fricktal drei Minuten schneller. «Ich renne eigentlich lieber in kurzen Hosen», sagte der Gesamtzweite Andreas Kyburz. Kyburz kämpfte aber nicht nur mit den Bedingungen, er kämpfte auch gegen den Muskelkater, den er sich am Vortag beim Langlauf im Schwarzwald geholt hatte. Dennoch hielt er das Fähnchen der OL-Läufer hoch. Sein Bruder Matthias, der Sprintweltmeister, war der Wunschläufer von OK-Präsident Vogel. Eine Woche vor dem GP Fricktal versuchte Vogel, Kyburz zu einem Start zu überreden. Doch der Gesamtweltcupsieger aus Möhlin absolvierte am Donnerstag einen OL. «Mein Bruder hat einen anderen Saisonaufbau», erklärte Andreas Kyburz.

Für ihn selbst war es die dritte Teilnahme am Osterlauf. «Ich habe mich ziemlich spontan angemeldet», sagte Andreas Kyburz. Der 24-jährige Geografie-Student nutzt die Strassenläufe für die Tempohärte. Den Vortritt musste er nur einem lassen: dem Äthiopier Guta Fikiru. Der 23-jährige Asylsuchende aus Villmergen siegte mit 50 Sekunden Vorsprung. Zuvor hatte er bereits den Badener Limmat-Lauf für sich entschieden und stand am Reusslauf und am Stauseelauf auf dem Podium.

Testläufe für OL-Weltcup

«Er war schnell ausser Reichweite, hätte ich ihm folgen wollen, hätte ich mich übernommen», sagte Andreas Kyburz. Lange lief er gemeinsam mit Lukas Stähli. Drei Kilometer vor dem Ziel konnte er sich absetzen und den zweiten Platz sichern. «Ich bin zufrieden, der Osterlauf war ein gutes Training», sagte Kyburz. In zwei Wochen gilt es für ihn ernst: Dann beginnen die Testläufe für den Weltcup der OL-Läufer in Skandinavien. Ebenfalls von einem erfolgreichen Trainingslauf sprach Diana Schramek, die Gesamtzweite der Frauen und ihrerseits schnellste Aargauerin, um dann gleich anzufügen: «Früher wäre ich mit meiner Zeit sicher nicht zufrieden gewesen.» Früher, da konzentrierte sich die 30-Jährige aus Rombach ausschliesslich aufs Laufen. Heute widmet sie sich Multisportanlässen wie Triathlon und Gigathlon. Die Bedingungen in Eiken erinnerten sie an ihre Cross-Zeiten.

Schnellstarterin mit Seitenstechen

Schramek bezeichnet sich als Schnellstarterin. Entsprechend ging sie auch in Führung. Nach 800 Metern musste sich die Angestellte des Departements Gesundheit und Soziales von Siegerin Jeannine Kaskel überholen lassen. Die Deutsche aus Bad Säckingen überquerte die Ziellinie mit über drei Minuten Vorsprung. «Bis Kilometer fünf lief es sehr gut», sagte Schramek, «nach sieben Kilometern bekam ich Seitenstechen und musste Tempo rausnehmen. Es fehlte etwas die Tempohärte. Aber es war auch kein Wetter für Superzeiten.» Damit sprach Schramek wohl manchem Teilnehmer aus der Seele.