«Was willst du einmal werden, wenn du gross bist?» Diese Frage kennen fast alle aus den Freundschaftsbüchern, die wir im Kindesalter mit viel Freude und Kreativität ausgefüllt haben. So auch Tobias Künzi, der heute seinen 21. Geburtstag feiert. Bei ihm standen Fussballprofi oder sonst eine Spitzensportkarriere hoch im Kurs. «Wie fast jeder Bub in diesem Alter träumte ich davon, einmal vom Sport leben zu können und berühmt zu werden», sagt der Aargauer.

Manchmal werden diese Bubenträume wahr. Tobias Künzi lebt ein Leben als Spitzensportler. Doch dafür musste er auch einiges aufgeben. Der gebürtige Untersiggenthaler ist Wochenaufenthalter in Bern und wohnt mit drei anderen Spitzensportlern in einer WG. «Das ist viel praktischer, als jedes Mal eineinhalb Stunden ins Training zu fahren», sagt Künzi.

Der 21-Jährige trainiert neun Mal pro Woche. «Von Montag bis Freitag gibt es sieben Hallentrainings und zwei Mal besuche ich den Kraftraum», sagt der Aargauer. Für andere Hobbies bleibt ihm neben dem Sport kaum Zeit. «Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, wenn ich etwas mache, dann stehe ich 100 Prozent dazu. Bei mir gibt es keinen halben Sachen», sagt der Schweizer Meister.

Zum Badminton kam Künzi durch einen Zufall. Zwei Nachbarskinder, die ins Badminton gingen, erzählten dem damals 8-Jährigen, wie viel Spass das macht und er solle doch auch mitkommen. Die Euphorie seiner Kollegen flachte allerdings nach zwei Wochen ab. Künzi aber ist seit diesem Tag fasziniert vom Badminton und spielt es bis heute mit Leidenschaft. Seinen Trainern war schon früh klar gewesen, dass Künzi Talent hat.

Er wurde Mitglied im U13 Talent Team, der Vorstufe des Nationalkaders, und lancierte damit seine Spitzensportkarriere. Das faszinierende am Badminton ist für Künzi, dass es nicht nur der schnellste Ballsport der Welt ist, sondern auch, dass Millimeter über Sieg und Niederlage entscheiden. «In keinem anderen Sport kommt es so auf Details an», sagt der 21-Jährige. Sein sportliches Vorbild ist der Malaysier Lee Chong Wie, der seine Taktik ganz auf Angriff ausrichtet, was sich auch in Künzis Spielweise widerspiegelt.

Ein Entscheid des Herzens

Im Sommer 2018 hat der Aargauer die Sportkanti in Aarau abgeschlossen. Seitdem setzt er voll auf Spitzensport. «Ich habe die Entscheidung getroffen, mich dieses Jahr vollkommen auf Badminton zu konzentrieren. Das Studium kann warten», sagt Künzi. Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht. Er musste abwägen zwischen Sicherheit, also einem Studium und Badminton nur noch nebenbei, oder Risiko, also alles andere ausser Badminton vorerst auf Eis legen. «Ich habe auf mein Herz gehört und mich für Badminton entschieden. Ich möchte mich in fünf Jahren nicht fragen; ‹was wäre wenn?›», sagt das Aargauer Talent.

Dieser Entscheid hat sich ausbezahlt. Der 21-Jährige ist in der Form seines Lebens und setzt sich nicht nur in der Schweiz gegen seine Konkurrenten durch, sondern arbeitet sich auch in der Weltrangliste immer weiter nach vorne. «Aktuell bin ich auf dem 216. Rang», sagt Künzi. Für sein grosses Ziel Olympia 2024 müsste er sich in die Top 100 vorspielen. «Ich will mich international verbessern. Dazu muss ich mehr Turniere im Ausland bestreiten, nur so kann ich mein Ziel erreichen», sagt der Schweizer Meister.

Künzi liebt seinen Sport. In zehn Jahren wird er den Spitzensport jedoch an den Nagel gehängt haben und mit beiden Beinen fest im Studium oder Beruf stehen. Badminton wird nur noch als Nebenschauplatz stattfinden, wo er in Erinnerungen an Olympia schwelgt. So malt er sich das zumindest aus.