Volleyball

Der Neue im Präsidium bläst ins selbe Horn wie der Alte

Roger Müller (links) gratulierte an der Delegiertenversammlung im Bären Jürg Seiler zur Wahl und spricht von einem «bärenstarken» Nachfolger.

Roger Müller (links) gratulierte an der Delegiertenversammlung im Bären Jürg Seiler zur Wahl und spricht von einem «bärenstarken» Nachfolger.

Der Zofinger Jürg Seiler löst Roger-René Müller an der Spitze des Verbandes Swiss Volley Region Aargau ab. Die beiden geben ein gemeinsames Interview mit interessanten Fragen zur Zukunft des SVRA.

, wie fühlt es sich an, nach 20 Jahren Amtstätigkeit nicht mehr Präsident von Swiss Volley Region Aargau (SVRA) zu sein?
Roger-René Müller: Gut. Sehr gut sogar. Ich habe einen guten Nachfolger gefunden.

Sie machten an der Delegiertenversammlung und in den letzten Monaten keinen Hehl daraus, dass Ihnen zuletzt der Respekt von Seiten der Vereine fehlte. Hat Sie das letztlich zum Rücktritt bewogen?
Müller: Gefehlt hat mir tatsächlich vor allem das Vertrauen und der Respekt. Am meisten störte mich aber, dass man sich nicht mehr auf den Sport konzentrierte und nicht mehr wahrnahm, welche starke organisatorische Leistung man erbringt. Juristisches Hickhack, das unrühmliche Ende der letzten Meisterschaft mit dem Rekurstheater und der Kraftakt mit der Gründung der GmbH und den Revisionen haben mir physisch zugesetzt. Ich gehe aber ohne Groll, habe meine Demission seit längerem eingereicht. Als Teammanager der Schweizer Eishockey-Frauennationalmannschaft habe ich immer gesagt, wenn die Olympia-Qualifiaktion in Reichweite liegt, werde ich mich aufs Eishockey konzentrieren. Auf nach Olympia – mit einer Topmannschaft 2018 in Pyeongchang dabei sein zu können, zieht mich nun definitiv zum Puck statt zum Volleyball.

Auf welche guten Momente blicken Sie im SVRA zurück?
Müller: Da gab es viele. Einer war das EM-Qualifikationsspiel Schweiz - Kroatien, das wir 2012 in der Burkertsmatt mit einem Zuschauerrekord durchführten. Ich betone auch, dass ich im Vorstand stets auf ein Topteam zählen konnte. Stolz bin ich, dass der SVRA unter meiner Führung zum grössten Regionalverband wurde. Anfangen habe ich 1989 mit einem Budget von 700 Franken, heute beträgt es 500'000.

Jürg Seiler, das tönt nach viel Arbeit. Warum liessen Sie sich zum neuen SVRA-Präsidenten wählen?
Jürg Seiler: Sport ist die beste Lebensschule, deshalb interessierte ich mich für dieses Amt. Denn im SVRA bilden wir Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Funktionäre aus, die fürs Leben lernen. Das Amt ist für mich sowohl Würde als auch Bürde, ich trete in sehr grosse Fussstapfen. Mein Vorgänger war 20 Jahre Präsident, führte den Verband also während der Hälfte der Zeit, die es ihn gibt. Er formte Swiss Volley Region Aargau in visionärer Hinsicht zu einer Firma, die einen grossen Dienstleistungsanspruch hegt.

Roger Müller, warum ist Jürg Seiler der richtige Nachfolger?
Müller: Er kann führen und hat ein Netzwerk.

Fehlt ihm nicht der Bezug zum Volleyball?
Müller: Es ist meiner Ansicht nach nicht so wichtig, dass der Präsident vom Volleyball her kommt. Der Verband ist eine Firma und kein Verein, zentral sind Managementfähigkeiten und die Vernetzung in Politik und Wirtschaft und Zeit, das Amt auszuführen. Jürg und ich kennen uns schon seit längerem, ich bin sicher, er führt den Verband in meinem Sinn und Geist weiter.

Seiler: Volleyballfremd bin ich ja nicht, im Gegenteil. Ich setzte mich in Zofingen, damals noch als Einwohnerrat, ein, dass im BZZ eine neue Indooranlage eingebaut wird. Und seit vier Jahren bin ich regelmässig mit Roger an Volley- und Beachvolleyevents.

Wie bleiben Sie, Roger Müller, dem Volleyballsport erhalten?
Müller: Mit der Firma Eventcourt AG organisiere ich weiterhin Volleyballanlässe wie topvolley, Championsleague-Spiele und die Club-WM. Und ich berate Jürg nach Bedarf.
Seiler: Ich trat das Amt nur unter der Voraussetzung an, dass mich Roger als Ehrenpräsident unterstützt. Ohne seine Zusage hätte ich keine Wahlannahmeerklärung abgegeben.
Müller: Als ich mich nach meinem ersten Rücktritt im Jahr 2002 ganz zurückzog, verheizte man zwei verschiedene Präsidenten, ehe ich 2009 wieder zurückkehrte. Das soll sich nicht wiederholen, deshalb biete ich Jürg gerne Support. Der SVRA ist schliesslich so etwas wie mein Lebenswerk. Da ist es ja logisch, dass ich mir wünsche, dass der Verband weiterhin Fortschritte macht.

Jürg Seiler, wie gross ist der Druck, der auf Ihnen lastet?
Seiler: Ich verspüre nicht Druck, sondern Zuversicht und Mut. Ich konnte in den letzten Monaten bereits mitlaufen und erlebte einen motivierten Vorstand. Es wird mir eine Freude sein, mit diesen Leuten das Verbandsschiff weiter hart am Wind zu segeln.

Was meinen Sie damit?
Seiler: Ich will, dass der Austausch zwischen Verband und Vereinen konstruktiver und wohlwollender wird, dass wir gemeinsam vorwärtskommen. Wo wir jetzt stehen, ist gut, aber wir können noch besser werden.

Welche Ziele streben Sie an?
Seiler: Drei Punkte habe ich mir notiert. Punkt 1 ist «Never change a winning team». Ich will das, was gut läuft, weiterführen und Kleinigkeiten, die nicht funktionieren, massvoll anpassen – alles aufgebaut auf den Grundmauern des bestehenden Vorstandes. Als zweiten Punkt will ich den Aufbau der interregionalen Beachvolleyball-Talentschule in enger Kooperation mit Swiss Volley vorantreiben und das neue Nachwuchskonzept mit den bisherigen Führungskräften umsetzen. Punkt 3 ist die Überarbeitung des Reglements der offiziellen Wettkämpfe und der Rechtspflegeordnung nach den Erkenntnissen der bereits aktiven Arbeitsgruppen und die Anpassung der Gebührenordnung. Sie sehen, es geht um Strategisches, aber auch um Konkretes. Dazu kommt die Sponsorensuche, denn nur mit mehr finanziellen Mitteln können wir wachsen.

Und was tun Sie nun als Erstes als Präsident des SVRA?
Seiler: Ich suche das Gespräch mit dem Vorstand, ich will wissen, was wir allenfalls verbessern sollen.
Müller: Wolltest du nicht als Erstes beim nationalen Verband anrufen?
Seiler: Genau. Ich führte bereits an der DV erste Gespräche mit Nora Willi von Swiss Volley. Bei verschiedenen Punkten zeichnen sich Meinungsverschiedenheiten ab, als SVRA-Präsident bin ich nun bemächtigt, einzugreifen. Roger hat sich bei den Swiss-Volley-Leuten mit den Worten verabschiedet: ‹Loset, de Nöi wo chont blost is gliche Horn.› So ist es. Ich werde vielleicht sogar noch schlimmer sein, noch hartnäckiger unsere Anliegen vertreten. Möglichst bald will ich auch mit jedem Verein ein Gespräch führen.
Müller: Du weisst ja aber, dass das 58 sind? Das wird zeitintensiv.
Seiler: Ja, aber ich bin sicher, das gelingt mir, vielleicht halt nicht schon im ersten Amtsjahr.

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