Unihockey
Der neue Ausländer ist ein Walliser

Der Eindruck ist überraschend. Im Training der NLB-Mannschaft von Lok Reinach geht es beinahe schon beängstigend ruhig und diszipliniert zu und her. Dabei übt hier der «Kindergarten» der NLB, die mit mit Abstand jüngste Equipe der Liga.

Rainer Sommerhalder
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Musterschüler auf der Spielerbank – Lok Reinachs NLB-Equipe lauscht den Worten des Trainers. rs

Musterschüler auf der Spielerbank – Lok Reinachs NLB-Equipe lauscht den Worten des Trainers. rs

Der Eindruck ist überraschend. Im Training der NLB-Mannschaft von Lok Reinach geht es beinahe schon beängstigend ruhig und diszipliniert zu und her. Dabei übt hier der «Kindergarten» der NLB, die mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren jüngste Equipe der Liga. Gerade noch sechs Spieler der letztjährigen Abstiegsmannschaft aus der höchsten Klasse blieben an Bord, 14 verliessen das sinkende Schiff.

Nun soll also beim langjährigen Aargauer Klassenprimus Lok Reinach ein punkto Alter und Erfahrung jungfräuliches Team das Boot wieder aus der Schräglage befreien, wobei wohl selbst den Vereinsverantwortlichen nicht ganz klar ist, ob ihr Schiff den Eisberg nun bereits gerammt hat oder doch nicht. «Ligaerhalt» heisst folglich das für ein früheres NLATeam sehr bescheidene Ziel.

Am Willen fehlt es nicht, wie die Eindrücke im Training beweisen. Da sind Spieler am Werk, die sich bei der Einstellung keine Abstriche gefallen lassen müssen. Man wähnt sich beinahe schon in der Kirche, so gesittet geht es zu und her. Vermisst wird in der Übungshalle höchstens das Charisma eines wahren Leaders. Niemand pusht, niemand treibt an, alles fliesst vor sich hin. Vielleicht liegt es daran, dass Lok Reinachs neuer Star das Training aus beruflichen Gründen verpasst. Der neue Ausländer ist übrigens ein Walliser. Erstmals seit fast 15 Jahren steht kein skandinavischer Gastarbeiter mehr im Team der Wynentaler. Fehlende Jobangebote und nicht etwa die fehlende Auswahl an Verstärkungsspielern nennt Sportchef Jan Rickenbach als Grund.

So schlüpft Alain Wyder in die Rolle des Söldners. Den Reinacher mit Walliser Wurzeln zog es vor Jahren zurück in die Berge zum Spitzenteam Alligator Malans, wo er sich kontinuierlich zum Stammspieler beim aktuellen Schweizer Vizemeister entwickelte. Die Rückkehr im Moment des Abstiegs kommt überraschend. Der 28-Jährige steht in Sachen Routine und Klasse zwei Etagen über seinen neuen Teamkollegen. Für ihn fühlt sich der Wechsel zur Lokomotive gewiss wie eine Fahrt im Bummelzug an.

Geleitet wird das Himmelfahrtskommando vom Reusstaler Patrick Jehli. Der 33-Jährige arbeitete zuletzt in der Nachwuchsabteilung der ZSC Lions im Eishockey, bringt aber auch Trainer- und Ausbildnererfahrung im Unihockey mit. Jehli sieht den Reiz in seiner Arbeit gerade beim Aufbau einer komplett neuen Mannschaft. Geduld wird dabei notgedrungen eine Kernkompetenz des neuen Trainers sein müssen. Erstmals heute Samstag beim Meisterschaftsauftakt gegen Sarganserland (19 Uhr).

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