Kevin Spadanuda sprintet mit dem Ball am Fuss in den gegnerischen Strafraum. Es kommt zum Zweikampf mit Nikola Mijatovic. Spadanuda lässt den Verteidiger des SC Kriens mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen. Sekundenbruchteile später liegt der Aarauer Flügelstürmer am Boden.

Foul oder nicht? Penalty oder Schwalbe? «Es war zwar nur eine leichte Berührung, aber sie hat genügt, um mich aus dem Gleichgewicht zu bringen», sagt Spadanuda. Der Aargauer Schiedsrichter Johannes von Mandach zögerte keine Sekunde und zeigte auf den Penaltypunkt.

«Mir ist in Kriens tatsächlich alles gelungen»

«Der Entscheid war richtig», lässt Spadanuda keine Zweifel offen. «Aber im Fussball muss man immer mit allem rechnen. Mal läuft es gut, mal läuft es schlecht. In Vaduz erlebte ich eine Woche zuvor eine ähnliche Szene wie in Kriens. Die Berührung des Gegenspielers innerhalb des Strafraums war allerdings stärker. Trotzdem gab es keinen Penalty. Im Gegenteil. Der Schiedsrichter entschied auf Schwalbe und zeigte mir die gelbe Karte.» Was lernt Spadanuda aus diesen beiden Szenen? «Eigentlich ganz einfach», sagt er mit einem schelmischen Lächeln. «Es ist nur dann Penalty, wenn der Schiedsrichter Penalty pfeift.»

Gut gesagt, Kevin Spadanuda. Klar ist, dass der 22-Jährige in Kriens seine bisher beste Leistung im Dress des FC Aarau gezeigt hat. Vielleicht ist der 3:2-Sieg gegen die Zentralschweizer sogar der Weichensteller in seiner Karriere. Der Offensivspieler konnte endlich zeigen, was in ihm steckt.

 

Die Vorschusslorbeeren auf seine Person nach dem Wechsel von Baden zum FC Aarau vor dieser Saison sind wohl berechtigt. Und hätte er sich gut zwei Wochen vor dem Saisonauftakt nicht eine heikle Adduktorenverletzung zugezogen, wäre er wohl schon im ersten Spiel in Winterthur (1:1) in der Startformation gestanden.

«Mir ist in Kriens tatsächlich alles gelungen», blickt Spadanuda zurück. «Dass ich dieses Erfolgserlebnis mit meiner Familie erleben durfte, war das Tüpfelchen auf dem i.» So zählten Vater Claudio, Mutter Teresa, Bruder Kristian und Schwester Clea nach dem Schlusspfiff zu den Gratulanten. Kevin wurde mit Lobeshymnen geradezu überschüttet.

«Ich lebe einen Traum und kam mir vor wie in einem Märchen», sagt Spadanuda. «Dass mir die Verantwortlichen des FC Aarau einen langfristigen Vertrag angeboten haben, ist ein grosser Vertrauensbeweis. Ich bin stolz, für diesen Verein spielen zu dürfen.»

Er ist ein Versprechen für die Zukunft

Kevin Spadanuda ist zweifellos ein Versprechen für die Zukunft. Es ist gut zu wissen, dass der italienisch-schweizerische Doppelbürger beim FC Aarau einen Vertrag bis 2022 hat. Gut möglich, dass der junge Mann zum nächsten Verkaufsschlager wird.

An Flügelstürmern mit Rasse und Klasse fehlte es dem FC Aarau in der Vergangenheit nicht: Marvin Spielmann wurde 2016 für 825 000 Franken zum FC Wil transferiert. Varol Tasar wurde vor knapp einem Jahr für rund 500 000 Franken an Servette verkauft. Bleibt die Frage, wohin der Weg von Spadanuda gehen wird.

Experten vergleichen ihn bezüglich Dribbelstärke, Schnelligkeit und Torgefahr mit Tasar. Ob Spadanuda diesen hohen Erwartungen gerecht wird, muss die Zukunft zeigen. Bei allem Optimismus darf man nicht vergessen, dass er vor drei Jahren seine Karriere wegen Rückenproblemen beinahe beendet hätte und in der Saison 2017/18 für Schinznach-Bad (4. Liga) und Schöftland (2. Liga interregional) gespielt hat.