FC Aarau
Der nächste Verkaufsschlager: Raoul Giger startet beim FC Aarau durch

Der 21-jährige Rechtsverteidiger Raoul Giger ist der Aufsteiger des FC Aarau – wechselt er schon bald in die Super League? Er selber geht davon aus, seinen Vertrag zu erfüllen.

Ruedi Kuhn
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FCA-Rechtsverteidiger Raoul Giger radelt täglich von seinem Wohnort Gränichen ins FCA-Training im Brügglifeld.

FCA-Rechtsverteidiger Raoul Giger radelt täglich von seinem Wohnort Gränichen ins FCA-Training im Brügglifeld.

Foto: Colin Frei / Aargauer Zeit

Der Trainingsalltag im Leben des Berufsfussballers Raoul Giger? Bitte schön!

Um 8 Uhr ist Tagwache. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Um 8.05 Uhr gibt es Frühstück. Auf dem Tisch stehen ein Bio-Müesli und ein Sport-Drink mit vielen Vitaminen. Dazu trinkt der junge Mann zwei starke Kaffees. Um 8.30 Uhr steigt Giger aufs Velo und radelt gemütlich von Gränichen ins Brügglifeld. Für die fünf Kilometer braucht er rund 20 Minuten. Dann geht es ab in die Garderobe. Dort beginnen die Vorbereitungen für die erste Trainingseinheit des Tages. Danach heisst es: Achtung, fertig, Vollgas!

Raoul Giger, ein Musterprofi? «Raouls Einstellung als Fussballer ist vorbildlich», sagt FCA-Trainer Patrick Rahmen. «Er ist bereit, in jedem Training alles zu geben. In den vergangenen Monaten hat er grosse Fortschritte gemacht.

Verbesserung der Fitness

Defensiv ist er zuverlässig und offensiv ist er mutiger geworden. Er nützt seine Geschwindigkeit und setzt Akzente nach vorne. Es besteht kein Zweifel, dass Raoul in der jüngsten Vergangenheit zu einem interessanten Spieler für die Klubs der Super League geworden ist.»

Die Aussage von Rahmen spricht Bände. Ein weiterer Beweis für die professionelle Einstellung des jungen Mannes ist die Verbesserung der Fitness. «Ich arbeite hart und fühle mich austrainiert», sagt Giger.

Raoul Giger beim 4:0-Sieg gegen Wil.

Raoul Giger beim 4:0-Sieg gegen Wil.

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«Die individuellen Trainings mit Konditionstrainer Norbert Fischer zahlen sich aus. Er legt grossen Wert auf Ausdauer und Schnellkraft. Noch vor kurzer Zeit war ich 80 Kilo schwer. Jetzt sind es noch 77 Kilo. Ich fühle mich einerseits spritziger als früher, traue mir anderseits mehr zu und riskiere auch mehr.»

Ein Grund für die rasante Entwicklung von Giger ist Patrick Rahmen. «Der Trainer setzt voll auf mich und vertraut mir», sagt der Rechtsverteidiger. «Aber Vertrauen allein bringt und nützt nichts. Für mich ist wichtig, dass ich dem Trainer dieses Vertrauen zurückgeben kann.» Das ist Giger während der Rückrunde dieser Saison zweifellos gelungen. Mit 21 Jahren ist er momentan der jüngste Spieler in der Startelf und verdiente sich in der Rückrunde mit konstant starken Leistungen hohe Noten.

Vom Wasserträger zum Hoffnungsträger

Giger selbst bleibt bescheiden. «Ich bin froh und dankbar, dass ich regelmässig zum Einsatz komme», sagt er. «Die Spielpraxis ist wichtig. Sie gibt mir Selbstvertrauen. Aber innerhalb der Mannschaft hat sich für mich nichts geändert. Ich übernehme nach wie vor die Aufgaben, die ein junger Spieler übernehmen muss.»

Welche Aufgaben sind das? Giger lächelt und sagt: «Ich muss die Bälle pumpen, die Überzieh-Leibchen und das Material bereitstellen. Und dann bin ich hin und wieder auch noch Wasserträger.»

Gut so! Aber aus dem Wasserträger ist längst ein Hoffnungsträger geworden. Giger hat in dieser Saison 25 von 30 Spielen bestritten und zählte in 23 Partien zur Startformation. Tore hat er für den FC Aarau noch keine erzielt. Und trotzdem ist er beim Spitzenklub der Challenge League der Aufsteiger dieser Saison.

Das sieht Gigers grösster Fan zweifellos auch so. Mutter Tanja ist für Raoul die wichtigste Person im Umfeld. Weil Raoul ein Einzelkind ist, ist die Beziehung zu seiner Mutter besonders ausgeprägt. Klar ist, dass Tanja Giger in jedem Heimspiel des FC Aarau mit dabei ist und ihren Sohn anfeuert.

Die Gerüchteküche brodelt

Bleibt die Frage, welche Auswirkungen der Steigerungslauf Gigers in diesem Jahr auf die Fortsetzung seiner Karriere hat. Langsam, aber sicher beginnt es in der Gerüchteküche zu brodeln. So soll der eine oder andere Klub aus der Super League bereits Kontakt mit Gigers Berater Michael Stankovic aufgenommen haben.

Giger selbst bleibt bescheiden und will von einem Klubwechsel nichts wissen. «Ich habe beim FC Aarau einen Vertrag bis 2021», sagt er. «Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass ich diesen Vertrag erfüllen werde.»

Wer weiss? Vielleicht ist Giger tatsächlich der nächste Spieler, den der FC Aarau für eine sechsstellige Summe verkaufen kann. Im Fussball geht es oft schnell. Das hat man im Fall von Varol Tasar gesehen, der unlängst bei Servette einen lukrativen Vertrag unterschrieben hat.

Es wäre keine Überraschung, wenn Giger schon bald einen ähnlichen Weg gehen würde. Stellt sich eigentlich nur noch eine Frage: Was holt der FC Aarau für den nächsten Verkaufsschlager heraus?