Der heisse Schweizer Poker geht auf. Im dritten Vorrundenspiel an der Beachsoccer-WM auf den Bahamas verzichtet Nationaltrainer Angelo Schirinzi gegen Senegal auf seinen besten Akteur Noel Ott, der bei einer weiteren Verwarnung im WM-Viertelfinal gesperrt gewesen wäre. Ott verfolgt den dramatischen Sieg der Schweiz im Penaltyschiessen in Nassau von der Tribüne aus – und sagt am Tag darauf am traumhaften Strand des Atlantis-Hotelresorts: «Natürlich hätte ich lieber gespielt. Aber wir sind kein Risiko eingegangen. Es hat sich gelohnt, wir sind Gruppensieger.»

Weltstar Noel Ott im Portrait

Weltstar Noel Ott im Portrait des SFV.

Einer der Weltbesten

Die Schweiz wäre lieber mit Ott als Zweiter im Viertelfinal gegen das starke Italien angetreten als ohne Ott als Erster gegen den Iran. Nun ist der 23-Jährige heute dabei, wenn es gegen die Beachsoccer-Grossmacht Iran geht. «Das wird ein enges Spiel», sagt er, «aber wir haben die Qualität, um uns durchzusetzen.» Die Ausgangslage ist verführerisch, weil die Favoriten Brasilien, Portugal und Italien alle in der anderen Tableauhälfte stehen, im Halbfinal würde auf die Schweiz ein Treffen mit Paraguay oder Tahiti warten. «So weit denken wir nicht», sagt Ott, «das wäre gefährlich. Iran ist ein starkes Team mit hervorragenden Einzelspielern.» Im Iran sind die besten Sandfussballer Helden, die WM-Partien werden von rund 15 Millionen Zuschauern live am TV verfolgt.

Beachsoccer in der Schweiz eine Randsportart

In der Schweiz dagegen sind die Nationalspieler Randsportler, was sie manchmal ärgert, weil die Auswahl in einer weltweit betriebenen Disziplin zu den besten Nationen gehört. Und Ott ist längst zu einem Ausnahmekönner aufgestiegen, er wurde schon als «Messi des Beachsoccers» bezeichnet und gehört wie Sturmkollege Dejan Stankovic zu den 5 bis 10 besten Akteuren der Welt. Beide sind sie wie der erst 20-jährige Glenn Hodel Aargauer und Torgaranten im Nationalteam. Das Trio hat in der Vorrunde 14 von 18 Schweizer Toren bei den Siegen gegen Gastgeber Bahamas (3:2), Ecuador (9:5) und Senegal (6:6 nach Verlängerung, 3:1 im Penaltyschiessen) erzielt.

Das Duo: Ott und Stankovic

Der flinke, wendige, schussstarke Ott ist der Aufsteiger in der helvetischen Auswahl. Er passt glänzend zum kräftigen, schlauen, erfahrenen Stankovic, der der AZ vor der WM ein Interview gab.. «Wir verstehen uns blind», sagt Ott, «und spielen ja auch in den Klubs zusammen.» Beide sind bei GC engagiert, zudem bestreiten sie Meisterschaften in Russland und Italien und achten darauf, auch dort als Duo verpflichtet zu werden. Die Beachsoccer-Zwillinge ordnen alles dem Sport unter, was sich gerade in den Sommermonaten schlecht mit ihren Bürojobs verträgt. Und so werden beide demnächst auf Stellensuche sein, was Ott keineswegs stört. «Ich erlebe im Beachsoccer derart viele schöne Momente mit Turnieren auf der ganzen Welt, der Aufwand lohnt sich.»

Noel Ott: The Messi of Beach Soccer

Noel Ott im Beachsoccer-TV

Auf den Bahamas wird Noel Ott, der in einer Dreier-WG in Wettingen wohnt, gleich von 18 Familienmitgliedern und Freunden unterstützt. «Wir haben mit dem Erreichen der Viertelfinals erst unser Minimalziel erreicht», sagt er, «aber wir können und müssen uns steigern. Dann werden wir hier einen grossen Erfolg feiern können.»

Einst bei GC ein Talent

Wie Dejan Stankovic, der sogar einige Partien in der Challenge League für den FC Winterthur bestritt, galt auch Ott als Talent im Fussball. Er durchlief die Ausbildung bei GC, wo er mit mehreren heutigen Profis wie Haris Seferovic spielte, nach der U-18-Auswahl aber aussortiert wurde. «Das war bitter», sagt Ott, «doch eine Bekannte überredete mich, mit dem Beachsoccer bei den Havana Shots Aargau zu beginnen.»

Es war der Beginn einer aufregenden Geschichte an die Weltspitze des Sports. Am Strand von Nassau sagt Noel Ott, es sei wunderbar, wie sich alles entwickelt habe. Er wirkt fokussiert und versteckt seinen Ehrgeiz nicht. «Es wäre eine Enttäuschung, würden wir im Viertelfinal gegen den Iran verlieren», sagt er. «Uns bietet sich eine grosse Gelegenheit, für Aufsehen zu sorgen und Aufmerksamkeit weit über die Grenzen unseres Sports zu erhalten.» Von seinen Toren wird es heute auch abhängen, ob die Schweizer Siegesserie an der WM auf den Bahamas fortgesetzt wird.