Nach der Halbfinal-Heimschlappe setzte die Ringerstaffel Freiamt im Rückkampf in Hergiswil auf die Jugend. Damit war eine noch höhere Niederlage absehbar. Doch die Geschichte des Abends schrieb der Kampfrichter. Im Mittelalter engagierten Herrscher Hofnarren zur Unterhaltung. Im vermeintlich langweiligen Halbfinal in Hergiswil übernahm der Kampfrichter diese Rolle. In jedem zweiten Mattenkampf sorgte er mit konfusen oder falschen Entscheiden für Empörung und Verzweiflung auf beiden Seiten. Die 650 Zuschauer in der engen Steinacherhalle erhielten nicht zu knappe sportliche Unterhaltung geboten.

Als wären die Freiämter bei einem Halbzeit-Rückstand von 6:15 nicht schon genug geprügelt gewesen, schaute sich Trainer Thomas Murer in der Pause die vereinseigene Videoaufzeichnung an und ärgerte sich gleich ein zweites Mal über die Kampfrichterfehler.

Reaktion der Jungtalente

Am Ende suchte Freiamts Jungtrainer aber die Fehler nicht beim unglücklich agierenden Unparteiischen aus der Westschweiz. «Hergiswil war klar besser als wir», anerkannte er. «Weil uns auch das Glück fehlte, gabs wieder eine zu hohe Niederlage.» Doch Murer wäre nicht Murer, hätte er in diesem bitteren Augenblick nicht auch positive Aspekte gefunden. Er freute sich über die guten Ansätze von Manuel Stierli und Yanick Klausner, die ins Team zurück kehrten. «Hergiswil verfügt auch dank drei teuren Einkäufen über die routiniertere Mannschaft. Aber wir sammeln in dieser Saison wertvolle Erfahrungen für die Zukunft.

Maurer hatte im ersten Halbfinal auf arrivierte Kräfte gesetzt und kitzelte damit den Nachwuchs. «Die Jungen haben im Rückkampf mit Leistung darauf geantwortet. Genau dies erwartete ich.»

Zwei Siege verscherzt

Die Niederlage gegen den Meister fiel mit zwölf Punkten zu hoch aus. Hauptgrund war der Flop von Christian Huwiler. Zuerst verteilte der Kampfrichter die Punkte verkehrt, dann rannte der Routinier blindlings ins Verderben. Doch schon vorher verzweifelte die Freiämter Ecke. Schwingerass Pascal Gurtner führte 80 Sekunden vor Schluss 6:1 gegen Martin Suppiger. Dann gab der Schaffhauser in Aargauer Diensten acht (!) Wertungspunkte ab. Hätte er sich geschickter verteidigt, wäre der grenzwertige Schmerzgriff Suppigers kein Thema gewesen.

So blieb unter dem Strich für Freiamt die niederschmetternde Bilanz: «Nichts als Pleiten, Pech und Pannen». Will die Aargauer Ringerhochburg die NLA-Saison nach 22 Jahren nicht erstmals ohne Medaille beenden, brauchts im kleinen Final gegen Willisau eine gehörige Steigerung und einen besseren Kampfrichter.