Er gehört zu den drei besten Spielern der Welt, wurde im vergangenen Herbst zum «Rising Star» der Szene gewählt und glänzt sowohl in der Nationalmannschaft als auch in der heimischen Meisterschaft mit Toren am Laufmeter. Noel Ott ist ein Megastar, vergleichbar mit Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo. Sein Problem: Er spielt Beachsoccer und nicht Fussball.

Die Konsequenz: Statt Millionen zu verdienen, von Fans rund um den ganzen Globus angehimmelt zu werden und von Werbeplakaten zu lächeln, geht Noel Ott jeden Morgen zur Arbeit, setzt sich hinter seinen Schreibtisch und arbeitet von acht bis fünf in der Administration der Stiftung RgZ. Danach fährt er im Auto von Altstetten nach Basel ins Training und verdrückt unterwegs ein Sandwich oder eine Banane. Das ist die Trainingsvorbereitung eines Superstars der Beachsoccer-Szene. Die Meisterschaftsspiele in der Schweiz bestreitet Noel Ott – im Optimalfall – vor ein paar hundert Zuschauern.

Der 21-Jährige aus Wettingen hat sich in der Zwischenzeit an diese himmelweiten Unterschiede zwischen Fussball und Beachsoccer gewöhnt. «Natürlich hätte ich im Fussball berühmter werden können und das viele Geld hat sicher auch seinen Reiz, aber ich kann mittlerweile ohne zu lügen sagen, dass ich nicht mehr tauschen möchte», sagt Noel Ott.

Ott der Senkrechtstarter

Das hat vor fünf Jahren noch anders ausgesehen. Damals spielte der junge Aargauer in der U18-Mannschaft von GC, verpasste jedoch den Sprung in die erste Mannschaft knapp. Eine grosse Enttäuschung für Ott, der Fussballprofi werden wollte. Über eine Kollegin seiner Mutter – die ehemalige Beach-Soccer-Nationalspielerin Franziska Steinemann – kam er mit Beachsoccer in Berührung. Einige Zeit spielte er parallel beim FC Baden in der 1. Liga und lancierte seine Karriere auf dem Sand bei den Havanna Shots. Bereits nach drei Jahren klopfte die Beachsoccer-Nationalmannschaft an die Tür des Mittelfeldspielers, der in seiner dritten Saison bereits als MVP (wertvollster Spieler) und Torschützenkönig in der Nationalliga A ausgezeichnet wurde. «In dem Moment war für mich klar, dass ich auf die Karte Beachsoccer setzen werde», blickt Ott zurück.

Mittlerweile zählt Noel Ott auch in der Nationalmannschaft zu den absoluten Leistungsträgern und wird neben seinen Einsätzen in der Schweiz auch erstmals in der italienischen und in der russischen Liga auflaufen. Dort wird Ott jeweils für ein paar Tage eingeflogen und bestreitet mehrere Matches. Trotz den Meisterschaftseinsätzen in drei Ländern sowie seinem Engagement in der Nationalmannschaft verdient Noel Ott nicht genug, um vom Sport leben zu können.

Zwei Grossanlässe

Beklagen will sich Ott deswegen aber keinesfalls, denn er weiss, dass er sich aufgrund seiner aussergewöhnlichen sportlichen Fähigkeiten in einer privilegierten Situation befindet. «Welcher
21-Jährige kann sonst schon von sich behaupten, dass er bereits alle Kontinente bereist hat, ohne dafür irgendetwas bezahlen zu müssen und gar noch etwas dazu verdienen konnte?», so Ott, der pro Jahr wegen seinen Beachsoccer-Einsätzen 10 bis 15 Wochen durch die Welt reist.

In diesem Sommer wird es gar noch etwas mehr sein, denn mit der WM in Portugal und den European Games in Baku stehen gleich zwei Grossanlässe auf dem Programm. «Vor allem das Turnier in Baku wird eine riesige Sache. Da spielen wir in einem Stadion vor 8000 Zuschauern. Das sind doppelt so viele wie bei einem sonstigen Topspiel», freut sich Ott.

Zuerst steht jedoch der Meisterschaftsstart in der Schweiz an. Mit GC startet Noel Ott am Freitag die Jagd auf den Titel. Keine einfache Aufgabe, denn mit den Chargers aus Basel und den Berner Sable Dancers steigen zwei mindestens ebenbürtige Kontrahenten ins Rennen. Gut möglich, dass GC daher auf den einen oder anderen Geniestreich angewiesen sein wird. Und wer käme dafür besser infrage als Noel Ott, der aufstrebende Stern der Beachsoccer-Szene?