Mario Thürig

Der Mann, der nie aufgab, geht – der Schwingsport verliert einen ganz «Bösen»

Mit Mario Thürig hört einer der erfolgreichsten Schwinger in der Geschichte des Nordwestschweizer Teilverbandes auf. Seine Karriere war geprägt von Verletzungen. Doch der 34-jährige kam immer zurück. Getreu seinem Motto, nie aufzugeben.

Wo beginnen, wenn einer geht, der so vieles erreicht hat? Bei seinen 103 gewonnen Kränzen? Bei seinen Festsiegen am Innerschweizerischen oder auf der Schwägalp? Bei seinen fünf ­eidgenössischen Kränzen? Bei seinen 16 Siegen an Kranz­festen?

Könnte man alles machen bei Mario Thürig. Seine Erfolge sind beeindruckend. Doch diese Geschichte beginnt im Krankenhaus. Dort, wo ein Sportler ganz unten ist. Weit weg von Fotoshootings mit dem Siegermuni. Weit weg vom Geruch das Sägemehls. Dann, wenn es so einfach wäre, einfach aufzuhören. Und es so viel braucht, weiterzu­machen.

Nie aufgeben – 34 Jahre alt ist Mario Thürig. 24 davon hat er geschwungen. Aufgegeben hat er nie. Obwohl es zahlreiche Möglichkeiten gab. Schwere Verletzungen waren ein lästiger Begleiter. Aber immer ist er zurückgekehrt. Jetzt geht er freiwillig. «Gesund», wie er stolz sagt.

Mit gerissenen Bändern und kaputtem Ellbogen

Nie aufgeben – es war sein ­Motto. Sinnbildlich ist eine Geschichte aus dem Jahr 2014.  Beim Einlaufen vor dem Solothurner Kantonalschwingfest zieht sich Thürig einen Bänderriss im Fuss zu, startet trotzdem ins Fest und kämpft sich bis in den Schlussgang. Dort verletzt er sich im Duell mit Bruno Gisler am Ellbogen. Der Kampf wird unterbrochen, Thürig gepflegt. Doch er kehrt zurück – und gewinnt.

«Mit Wille ist alles möglich», sagt Thürig. Das gilt für dieses Fest, aber auch für so manches Comeback, das der Mann aus Möriken in seiner Karriere insgesamt gab.

2016, wieder an einem Solo­thurner Kantonalschwingfest: Thürig kehrt nach einem Kreuzbandriss ins Sägemehl zurück. Knapp 14 Monate dauerte die Reha. Im Schlussgang besiegt er Patrick Räbmatter. «Das sind unglaubliche Emotionen», sagt Thürig. «Natürlich hätte ich mir gewünscht, weniger oft verletzt gewesen zu sein. Anderseits: ­Jemand, der nie ganz unten war, wird wohl nie so fühlen, wie ich in solchen Momenten der erfolgreichen Rückkehr mit einem Sieg.»

Dem Schwingen weiter verbunden bleiben

Ein letztes Mal hat sich Thürig vor einem Jahr auf den langen Weg zurückgemacht. 2018 verletzte er sich an der Schulter und musste operiert werden. Einmal mehr und bereits 33-jährig. Zum ersten Mal hatte er wirklich Zweifel, ob er sich noch einmal schinden soll. Aber Thürig ­funktioniert nicht so. Mit dem Ziel, 2019 seinen sechsten eidgenössischen Kranz zu ge­winnen, begann er die Reha und kehrte im Juni 2019 auf den Schwingplatz zurück. Den Kranz am Eidgenössischen in Zug ­verpasste er zwar. «Was sehr schade ist», wie Thürig sagt. «Aber ich hatte die Chance. Ich war konkurrenzfähig.»

Nun kehrt er nicht mehr zurück. «Es stimmt jetzt für mich, weil ich freiwillig gehe, weil mich nicht eine Verletzung stoppt», sagt Thürig. Und er geht mit ­vielen schönen Erinnerungen. Zum Beispiel an den Sieg am ­Innerschweizerischen 2006. Weil er als kleiner Gast aus der Nordwestschweiz alle «Bösen» aus der Innerschweizer hinter sich liess. «Aber vor allem auch, weil schon mein Vater dieses Fest einmal gewinnen konnte. Das machte es sehr speziell für mich.»

Nun freut er sich auf mehr Zeit. «Meine Freundin wird es freuen, wenn ich mehr zu Hause bin», sagt er. Viele Jahre war der Gang in den Kraftraum oder in den Schwingkeller am Abend nach der Arbeit Routine. Nun ist der Feierabend, Thürig arbeitet im Verkauf einer Firma in der Holzbranche, plötzlich das, was er für die meisten ist: Zeit, zu erholen und Freunde und Familie zu treffen. «Ich werde aber auch  ­weiter viel Sport machen», sagt er. Badminton, Mountainbiken oder Skifahren zum Beispiel.4

Und auch dem Schwingsport wird er treu bleiben. «Ich bin ­offen für vieles», sagt er. «Aber entschieden ist noch nichts.» Es wäre auch komisch, wenn einer, der so viel für das Schwingen
auf sich genommen hat, jetzt plötzlich neue Wege ginge. Die Geschichte geht weiter – einfach anders.

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