Der FC Aarau macht es den Berichterstattern in dieser Saison einfach: Copy-Paste! Das Fazit ist immer dasselbe: anständig gespielt, trotzdem verloren! Der Aufwand für die Reporter besteht lediglich darin, die Namen der Gegner auszuwechseln und die Bilanz des Schreckens zu aktualisieren. Und so heisst es nach dem elften Spieltag und dem 1:3 gegen Servette: Niederlage Nummer neun und weiterhin sieben Punkte Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz.

Anständig gespielt, trotzdem verloren. Projiziert auf Stefan Maierhofer heisst das: Er hat zwar ein Tor erzielt, zufrieden sein darf er mit seiner Performance dennoch nicht. Mindestens ein, wenn nicht zwei Tore mehr hätte Maierhofer erzielen müssen. Seine vergebene Topchance in der 57. Minute war denn auch der Knackpunkt der Partie: Denn statt 2:0 steht eine Minute später auf der Resultattafel 1:1. Das Gleiche vor dem 1:2: Maierhofer köpfelt aus wenigen Metern den Goalie an, kurz darauf trifft Servette-Verteidiger Severin nach einem Spaziergang durch die Aarauer Abwehr.

Maierhofers Galgenhumor

Nach dem Spiel bleibt Maierhofer als Einziger in der Interview-Zone stehen. 2,02 Meter gross, angegrautes Haar. Der Blick schweift auf seine weissen Schuhe – riesige Schuhe! «Grösse 48,5», sagt Maierhofer und nippt an einem Becher Isostar. «Genug Auflagefläche für den Ball. Leider bekomme ich die Zuspiele nur auf den Kopf statt in die Füsse.»

Galgenhumor eines Mannes, den nicht nur wegen seiner imposanten Statur so schnell nichts erschüttert. 22 Stationen in 17 Profijahren liegen hinter dem 36-Jährigen, darunter Bayern München, Red Bull Salzburg und Premier-League-Klub Wolverhampton. Der FC Aarau ist Klub Nummer 23. «Ich habe schon einige Situationen erlebt wie die, in der wir jetzt stecken. Das ist nicht schön, aber da müssen wir jetzt durch.»

Bei einem wie ihm stellt sich unweigerlich die Frage, warum er sich das überhaupt antut: Abstiegskampf in der öden Challenge League. Als erfolgreicher Unternehmer, der im Sommer nach dem Vertragsende in Mattersburg scheinbar mit dem Aktivfussball abgeschlossen hatte. «Stimmt nicht», widerspricht Maierhofer, «ich hatte einige Angebote, zum Beispiel aus der 2. Liga in der Türkei. Ein anderer Klub hat mich als Sportchef holen wollen. Aber ich wollte nochmals eine Saison weiterspielen und habe auf einen seriösen Klub gewartet.»

Ende August dann plötzlich der Anruf aus Aarau. Sportchef Sandro Burki sucht nach der Verletzung von Marco Schneuwly einen erfahrenen Stürmer. Und für die jungen Spieler in der Krise eine Schulter zum Anlehnen. «Die Gespräche waren gut, auch mit dem Trainer. Der FC Aarau ist in dieser Situation eine Herausforderung, hier kann ich etwas bewegen, das war der Grund, hierherzukommen.» Stefan Maierhofer unterschreibt bis Ende Saison. Die ersten vier Wochen wohnt er im Hotel von Klubpräsident Alfred Schmid. «Küche, Bedienung, Servicepersonal – alle haben sich klasse um mich gekümmert und mir so die Eingewöhnung erleichtert. Ein grosses Kompliment dafür.»

Ein Überstürmer war Maierhofer nie, trotz 19 Länderspielen für Österreich, andere haben mehr Talent. Aber er hat bei all seinen Arbeitgebern Spuren hinterlassen. Als Sportler: Meister und Pokalsieger in Österreich und in der Slowakei. Vor allem aber als Mensch: Die Saison in Duisburg etwa liegt acht Jahre zurück, die Fans verehren ihn bis heute. In Österreich ist Stefan Maierhofer im Volksmund der «Major». Die Fans schätzen sein soziales Engagement. Von der österreichischen Sporthilfe ist Maierhofer für die Auszeichnung «Sportler mit Herz» nominiert. Für ein Projekt, das geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen zum Sportmachen animiert.

Wohltäter – und Geschäftsmann: Viele Firmen werben mit dem «Major», der präsentiert die Produkte auf seinen Social-Media-Profilen. Dort teilt er auch sein Leben mit den Tausenden Followern. Die wissen nun, dass Maierhofer am Tag nach der Niederlage in Genf Regeneration betreibt, natürlich mit gesponserten Massagegeräten. Ebenso bekannt ist, dass Maierhofer das Hotel verlassen und eine Wohnung in Suhr bezogen hat. Die Freizeit verbringt er in der Aarauer Altstadt. Maierhofer trinkt Kaffee im «Waldmeier», isst im «Max und Moriz» und chillt mit Teamkollegen im «Summertime».

«Ich versuche überall, wo ich spiele, auch die Menschen und die Umgebung neben dem Fussball kennen zu lernen», sagt Maierhofer. «Aber zum Plausch bin nicht hier, ich will helfen. Ich habe meine Kontakte spielen lassen und meinen Teamkollegen Sportlergetränke, Sportsocken, Kopfhörer und Stromimpuls-Geräte für die Regeneration geschenkt. Das sind so Zeichen, dass ich vorangehe.»

Feuer im Brügglifeld

Geschenke verteilt hat Maierhofer auch am Samstagabend in Genf. Die Spieler von Servette werden sich bei ihm bedankt haben für die vergebenen zwei Topchancen. «Leider habe ich mich in den Situationen falsch entschieden. Aber nur daran lag es jetzt nicht. Es müssen sich endlich alle Spieler den Arsch aufreissen», sagt und ist überzeugt: an der Qualität liege es bestimmt nicht. «Die ist in jedem Training hervorragend. Also da habe ich in vermeintlich besseren Klubs Schlimmeres erlebt», betont der Österreicher.

Ehe er in die Kabine verschwindet, will Maierhofer noch etwas loswerden. Einen Vergleich: «Auch ein Boxer, der vom Gegner mit Schlägen eingedeckt wird, hat die Chance zum K.-o.-Schlag. Er muss schlau sein, den Moment erkennen und ihn nutzen. Wir haben in jedem Spiel die Chance dafür gehabt, aber wir waren nicht schlau. Am Freitag gegen Wil versuchen wir es erneut. Ich hoffe, das Brügglifeld brennt!»