Landhockey
Der Krösus in der Schweiz, das Mauerblümchen in Europa

Liga-Dominator Rotweiss Wettingen will sich künftig auch international beweisen. Beim Europacup, ab dem 20. Februar in Wien, bekommt Rotweiss die nächste Chance, sich auf dem europäischen Parkett zu präsentieren.

Fabian Sanginés
Drucken
Teilen
Vorhang auf für die grosse Bühne: Präsident Alfred Wälti (links) und Sportchef René Schmidli wollen mit RW Wettingen Europa erobern.

Vorhang auf für die grosse Bühne: Präsident Alfred Wälti (links) und Sportchef René Schmidli wollen mit RW Wettingen Europa erobern.

Fabian Sangines

Die Weste könnte weisser nicht sein. Sowohl die NLA-Männer wie auch die -Frauen haben alle ihre Spiele in der neuen Saison gewonnen. Vor allem die Frauen drehen an der Spitze seit Jahren einsam ihre Kreise. Vier Titel in Folge und keine Konkurrenz in Sichtweite. Und weil in der Schweiz genau dieser Konkurrenzkampf fehlt, «ist es auch schwierig, europäisch mithalten zu können», sagt Rotweiss-Präsident Alfred Wälti. Denn nur durch internationale Pflichtspiele weiss das Team wirklich, wo seine Grenzen sind. «Diese werden im Europacup vor allem im physischen Bereich schonungslos aufgezeigt», weiss auch Sportchef René Schmidli. Um diese Defizite kompensieren zu können, hat Rotweiss auf diese Saison hin einen Konditions-Trainer (der auch das Männer-Team betreut) verpflichtet. «Die Spielerinnen konnten sich nach den ersten Trainings kaum mehr bewegen», sagt Wälti – dessen drei Töchter in der 1. Mannschaft spielen – mit einem Schmunzeln.

Nach fünf Runden gehts nun bis im April in der Halle weiter. Beim Europacup (ab dem 20. Februar) in Wien hat Rotweiss die nächste Gelegenheit, sich auf dem europäischen Parkett zu präsentieren. Dabei peilen die Frauen den Aufstieg in die A-Pool an, trotzdem stellt Schmidli klar: «Bei den Partien in der Halle stellen viele Teams nur ihre Ersatzmannschaften. Die Aufmerksamkeit ist deutlich kleiner als beim Feldhockey.»

Männer mit Ambitionen

Noch höhere Ziele als die Frauen steckt sich das Männer-Team. Auch wenn die Wettinger aktuell «nur» Vize-Meister sind, will man sich künftig international einen Namen machen. Die Rückkehr von Routinier Benjamin Messerli aus der Bundesliga gibt dem Team wieder wertvolle Erfahrung, die vor allem in der letzten Saison beim Endspurt gefehlt hat. Seine 13 Treffer aus den ersten sechs Spielen sprechen für sich. Beim Vergleich mit der europäischen Spitze mangelt es der Mannschaft teilweise noch «an Erfahrung, mentaler Stärke und physischer Präsenz», wie Schmidli zu Bedenken gibt. Die Unterschiede kommen nicht von ungefähr. Während in der Schweiz 1500 lizenzierte Feldhockey-Spieler gemeldet sind, stellt die Stadt Hamburg allein schon 20’000 Aktive. «Natürlich sind das Welten. Aber mit Leidenschaft und Überzeugung versuchen wir diesen Abstand Schritt für Schritt zu verringern», sagt Wälti. Zurzeit gehört die 1. Mannschaft zur kontinentalen Top 40. «Früher waren wir noch unter den besten 16. Das muss wieder unser Ziel sein», gibt Schmidli die Richtung vor.

Ohne Frage, die Marschroute der Wettinger ist klar erkennbar. Vorwärts, ohne Stillstand. Denn auf den Lorbeeren des nationalen Erfolgs will sich auf der Bernau niemand ausruhen. Die Schweiz ist nicht genug. Die Ziele liegen nun jenseits der Landesgrenze.

Der Europacup

Insgesamt 24 Mannschaften der 12 bestplatzierten Nationen der European-Hockey-Federation-3-Jahreswertung qualifizierten sich für den EHL-Wettbewerb. Alle anderen am Europacup startenden Nationen schickten ihre zwei teilnehmenden Teams in die Trophy- und Challenge-Wettbewerbe, welche in A- und B-Pools (je vier Teams) aufgeteilt sind. Die Schweiz rangiert bei den Männern aktuell an 17. Stelle, was zwei Startplätze bei der EH-Challenge berechtigt. Das Siegerteam der European Hockey League erhält ein Preisgeld von 25 000 Euro.

Aktuelle Nachrichten