Jeder und jede kennt es: Vor einem steht eine knusprige Portion Pommes frites, fehlt nur noch das Ketchup. Doch alles Schütteln, Klopfen und verbale Anfeuern bringt nichts – die rote Sauce will einfach nicht raus. Bis, ja bis sich plötzlich die halbe Flasche auf dem Teller entleert.
Das Ketchup-Prinzip kann weit über das Essen hinaus angewendet werden – so auch beim Auftritt des FC Aarau gegen Kriens:

Das Heimteam tut sich gegen die tapferen Innerschweizer lange sehr schwer, nichts will funktionieren – und kommen die Aarauer zu Chancen, fliegt der Ball am Tor vorbei. Doch wer geduldig bleibt und fleissig weiterarbeitet, dem ist das Glück hold und der wird belohnt: Das 1:0 in der 65. Minute durch Petar Misic ist ein Geschenk der Gäste, der Überbringer ist Marijan Urtic, dessen Rückpass zum Goalie zur idealen Vorlage für Misic wird.

Wenn es läuft, dann läuft es

Das Gegentor bricht den Widerstand der Krienser, die bis dahin punkto Spielanteile und Grosschancen auf Augenhöhe agieren. Um auf das Ketchup-Prinzip zurückzukommen: Das 1:0 ist der erste Tropfen, der auf die Pommes klatscht. Die Aarauer rütteln in der Folge noch einige Minuten am Abwehr-Bollwerk der Gäste, ehe in der Schlussphase alle Dämme brechen.
Spielmacher Markus Neumayr lanciert die Kür mit einem herrlichen Distanzschuss. Technisch allererste Sahne, wie erst Gezim Pepsi mit der Hacke ablegt und Neumayr dann den Ball mit der ersten Berührung ins weiter entfernte Kreuzeck schlenzt.

Das 1:2 durch Abubakar in der 88. Minute ist letztlich nicht mehr als ein letztes Aufmucken der Krienser. Denn beim nächsten Angriff stellt der eingewechselte Yvan Alounga mit dem nächsten Traumtor – ein satter Schuss aus 18 Metern ins gleiche Kreuzeck wie zuvor Neumayr – die Zweitore-Differenz wieder her.

Challenge League 19/20 Runde 2: FC Aarau - SC Kriens 27.7.19 - 3:1 FC Aarau Yvan Alounga (Assist: Jérôme Thiesson)

Der Treffer von Yvan Alounga im Video

Challenge League 19/20 Runde 2: FC Aarau - SC Kriens 27.7.19 - 3:1 FC Aarau Yvan Alounga (Assist: Jérôme Thiesson)

Und wenn es läuft, dann läuft es: Die Fans sind immer noch aus dem Häuschen ob Aloungas Prachtstreffer, da fällt eine Minute später der nächste. Petar Misic ist es, der eine Rossini-Flanke mit dem Kopf ins Tor ablenkt. Das alles geht zu schnell für den Stadionspeaker: Er verliert kurzzeitig den Überblick und ruft nach Misics zweitem Treffer ins Mikrofon: «4:1 för Aarau – wär troffe het, das hani nid gseh!»

Hoher Zuschaueraufmarsch erwartet

4:1! Das Schlussresultat fällt zu hoch aus. Doch anders als der Pommes-Liebhaber, der sich am Ende trotz deutlichem Sieg gegen die Ketchup-Flasche vor allem über die Sauerei auf dem Teller und der Kleidung ärgert, nehmen die Aarauer an diesem Abend jedes Tor noch so gerne. Trainer Patrick Rahmen bestätigt: «In der ersten Halbzeit war es kein guter Auftritt von uns, danach haben wir uns den Sieg erarbeitet.

Trainer Patrick Rahmen im Interview nach Aarau-Kriens

Trainer Patrick Rahmen im Interview nach Aarau-Kriens

Primär bin ich froh über die drei Punkte, dadurch entpuppt sich auch das Unentschieden vor einer Woche im Startspiel in Winterthur als wertvoll. Der hohe Sieg gibt unseren Offensivspielern zusätzlich Mumm. Den brauchen wir, um auch GC zu schlagen.» Der Knüller am kommenden Freitag gegen den Super-League-Absteiger ist nach dem ersten Saisonsieg lanciert. Beim FC Aarau hofft man, dass gegen GC die Zuschauerzahl aus dem Kriens-Spiel (2818) verdoppelt wird.

Die grosse Chance auf die nächste Euphoriewelle

Sportliche Argumente für einen grossen Besucheraufmarsch im Brügglifeld hat die Mannschaft in den ersten zwei Saisonspielen geliefert: Vier Punkte gegen Winterthur und Kriens hätten Spieler und Trainerstaff vor der Saison mit Sicherheit unterschrieben. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr brauchte der FCA dafür acht Spieltage, nach elf waren es immer noch vier Punkte und der letzte Tabellenrang.

Nun hat der FC Aarau die grosse Chance, sich schon zu Beginn der Saison in der oberen Tabellenregion festzukrallen. Nochmals vier Punkte in den nächsten Spielen gegen GC und Chiasso – und die Euphorie aus dem vergangenen Frühling würde wieder wachgeküsst. Anders gesagt: Wenn die FCA-Spiele weiterhin nach dem Ketchup-Prinzip verlaufen, tut das die Saison wie aus einem Guss.