FC Aarau
Der kleine Vulkan aus Liechtenstein

Aaraus Michele Polverino hat schwierige Zeiten hinter sich – nun will er aber hoch hinaus.

Ruedi Kuhn
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Wer ist der aggressivste Spieler des FC Aarau? Der Mann kommt aus Liechtenstein und heisst Michele Polverino. Der 26-Jährige trägt zwar die Nummer 27, ist aber eine typische Nummer 6. Polverino übernimmt im zentralen defensiven Mittelfeld die Rolle des Abfangjägers. «Einfach deshalb», sagt er, «weil sie auf mich zugeschnitten ist.»

Polverinos Ehrgeiz kennt keine Grenzen. Als er auf die Saison 2009/10 von Vaduz zu Aarau wechselte, hatte er grosse Ziele. Schliesslich wollte er die Gegenleistung für den gut dotierten Dreijahresvertrag nicht schuldig bleiben. Ein schlechtes Gewissen hat Polverino trotz des sportlicher Absturzes keines: Dennoch ist es selbst für ihn verwunderlich, dass er bei Aarau in der Super und der Challenge League den gleichen Lohn hat. Und das bis Ende Saison 2011/12.

Wechselbad der Gefühle

Polverino ist nicht der einzige Aarauer Profi, der in der zweithöchsten Spielklasse dieselben Salärbezüge bezieht wie in der obersten Liga. Welcher Bauernfänger hat wohl diese Verträge abgeschlossen? Das Geld ist das eine, das Sportliche das andere: Statt Höhenflüge zu feiern, tauchte Polverino mit dem FC Aarau in ein Wechselbad der Gefühle. Unter der Führung von Trainer Martin Andermatt wurde der grosse Kämpfer zum Ersatzspieler. Nach der Entlassung Andermatts gings bergauf. Seit Ranko Jakovljevic das Zepter schwingt hat Polverino einen Stammplatz.

Nach Aaraus Abstieg strebte Polverno aber trotzdem die Rückkehr zu Vaduz an. Weil die beiden Klubs bezüglich Ablösesumme keine Einigung erzielen konnten, musste Polverino im Brügglifeld bleiben. Zuletzt erlebte er turbulente Zeiten. Am 7. September verlor er mit Liechtenstein im Glasgower Hampden Park gegen Schottland 1:2. Der Siegestreffer der Schotten von McManus fiel nach 96 Minuten und 44 Sekunden. Dies, nachdem der Spielleiter eine fünfminütige Nachspielzeit angezeigt hatte. Polverino konnte es kaum fassen: «Gegen eine grosse Nation wie Italien oder Deutschland wäre so eine Ungerechtigkeit unmöglich, aber mit Liechtenstein kann man so etwas ja machen...»

Vier Tage später wurde Polverino von Schiedsrichter Alain Bieri im Skandalspiel der Aarauer gegen Nyon (0:3) vom Platz gestellt. Nach einer Verwarnung wegen Reklamierens in der Startphase legte er sich mit Bieri an und zog prompt den Kürzeren. Polverino blickt zurück: «Nach der unberechtigten roten Karte gegen Bengondo sagte ich zu Bieri, dass er keinen Scheiss mehr pfeifen und das Spiel endlich unparteiisch leiten soll.» Nach diesen klaren Worten musste Polverino unter die Dusche.

Ein Top-Platz muss es sein

Vier Wochen später ist Polverinos Welt wieder in Ordnung. Inzwischen hat er sich nicht nur vor der Mannschaft, sondern auch bei Präsident Alfred Schmid und Sport-Koordinator Urs Bachmann entschuldigt. Polverino möchte in nächster Zeit hoch hinaus und sagt: «Ich will mit Aarau nicht um Rang sieben herumgurken. Ein Platz in den Top 4 muss für den ambitionierten Verein das Ziel sein. Dass sind wir der Stadt Aarau und den Fans schuldig. Und», fügt er hinzu, «mein Ziel ist klar: Ich will in die Super League. So schnell wie möglich.»