Am 1. Juni wird Ricardo Feller 18 Jahre alt. Sein Geburtstagswunsch? «Wenn ich meinenLehrfahrausweis gleich an meinem Geburtstag machen könnte, das wäre toll.» An sich typisch für einen 17-Jährigen. Der einzige Unterschied zu anderen Jungs in seinem Alter: Zu diesem Zeitpunkt wird der junge Aargauer bereits knapp zwei Jahre aktiv Autorennen in der Profiliga gefahren sein.

Am kommenden Wochenende startet für ihn bereits die zweite Saison in der ADAC GT Masters. Neu wird er als Teil des BWT-Mücke-Motorsport-Teams einen strahlend pinken BWT Audi R8 LMS mit dem ersten Meister der Rennserie, Christopher Haase, teilen. Der erfahrene Audi-Sport-Fahrer liegt mit elf Siegen und sechs Polepositions auf Rang drei der ewigen Bestenliste der «Liga der Supersportwagen».

Konstante Leistungssteigerung als Ziel

Für Feller, den jüngsten Piloten der Serie, also optimale Bedingungen für eine erfolgreiche Saison. Die Ziele sind bereits klar definiert: «Das Hauptziel ist eine konstante Leistungssteigerung während der ganzen Saison. Wir wollen im vordersten Drittel mitfahren und zu den besten drei Audis gehören», sagt Feller. Wenn das mal keine Ansage ist. Im neuen Team konnte er während des 24-Stunden-Rennens in Dubai bereits zahlreiche Rennkilometer sammeln. Seine Leistung trug mit zum fünften Rang der fünfköpfigen Mannschaft bei.

Bei all diesen Leistungen auf der Rennstrecke darf nicht vergessen werden, dass Feller immer noch mitten in der Ausbildung steckt. Neben den Trainings absolviert das Nachwuchstalent eine Sportlehre in der Autogarage seiner Eltern in Oberentfelden. Im Sommer stehen bereits die erstenLehrabschlussprüfungen an. Fellers Agenda ist aber schon mit Rennterminen ziemlich ausgelastet. «Eine Prüfung ist sogar während des Rennens auf dem Red Bull Ring in Österreich. Aber das kriege ich schon irgendwie hin, da bin ich mir sicher», sagt er gelassen.

Es ist diese Eigenschaft, die den rennfahrenden Schüler auszeichnet wie keine andere – und das zu seinem Vorteil. Denn sein Alltag ist in etwa so hektisch, wie seine Autos schnell sind. Das Gespräch mit der AZ muss der Lehrling mehrmals unterbrechen, um im Betrieb zu helfen, oder sich bei potenziellen Sponsoren zu bedanken.

Die Sache mit den Sponsoren ist ein Projekt für sich selbst. Ende der vergangenen Saison hatte sich Feller fest vorgenommen, alle Rennen mit Sponsorengeldern zu finanzieren, um seinen Eltern nicht zur Last zu fallen: «Die Rennen dieser Saison sind zum Glück bereits alle gedeckt», freut sich Feller. Jetzt müsse er nur noch die Testrennen und ein Polster für allfällige Unfallschädenzusammenbringen. Aber immerhin: «In der vergangenen Saison hatte ich keinen einzigen richtigen Unfall.» Das kommt ihm auch bei der Sponsorensuche zugute. «Ich werde von der Audi Sport Racing Academy und von Mücke-Motorsport unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Das klare Ziel? Werksfahrer!

Was ihm bei der Sponsorensuche ebenfalls sehr geholfen habe, sei seine Präsenz im elterlichen Betrieb. «Jeder, der vorbeikommt sieht, dass meine Eltern und ich vollkommen hinter dem Rennsport stehen.» Trotzdem – Ricardos Leidenschaft ist für die ganze Familie mit viel Arbeit verbunden.«Wenn ich erst einmal Werksfahrer bin, wird das aber sicher besser, dann habe ich ein festes Einkommen und keine Ausgaben mehr»,ist er zuversichtlich. Auch bis wann der Schrittvollzogen sein soll, weiss der Bözberger schon: «Es gibt zwar nicht viele junge Werksfahrer bei Audi. Da es aber gerade so gut läuft, hoffe ich, dass es in etwa zwei Jahren so weit ist. Das wäre super, ansonsten könnte es aus finanzieller Sicht kritisch werden.»

Dem Etappenziel, dem Führerschein, ist der Junglenker bereits einen Schritt näher gekommen: «Den Nothelfer habe ich schon gemacht.» Scheint, als sei Ricardo Feller bestens auf seine erste Fahrt abseits der Rennpiste vorbereitet, bleibt zu hoffen, dass sein zukünftiger Fahrlehrer es ebenso ist. Denn dieser Schüler wird bis zu seiner ersten Fahrstunde, alleine in diesem Jahr, bereits etliche Profi-Autorennen gefahren sein. Im Idealfall auch noch erfolgreich.