Nach 51:48 Minuten erklingt die Sirene. Team-Timeout. Der HSC Suhr Aarau führt mit 28:19. Trotzdem sieht sich Cheftrainer Misha Kaufmann genötigt, seine dritte und letzte Auszeit zu beziehen. Der 34-Jährige schmettert seinen Spielern eine Ansage in voller Lautstärke entgegen. Er ist hörbar verärgert.

Highlights TSV Fortitudo Gossau - HSC Suhr Aarau

Die deutlichen Worte des Cheftrainers verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Mannschaft fängt sich und lässt den Gegner nicht mehr näher herankommen. Die Partie endet mit einem deutlichen 33:23-Sieg für den HSC – Kaufmanns Team ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden.

«Konnten nicht durchziehen»

Trotzdem ist der Cheftrainer auch knapp eine halbe Stunde nach der Schlusssirene verstimmt und kann sich nicht einfach über den Sieg freuen: «Klar, meine Mannschaft hat vieles sehr, sehr gut gemacht. Aber wir konnten nicht beweisen, dass wir Killer sind», sagt Kaufmann.

Er ärgert sich darüber, dass sein Team nicht «hat durchziehen können», es nach der kurz vor der Pause erstmals erreichten Zehn-Tore-Differenz an Killerinstinkt hat mangeln lassen. «Es ärgert mich, wenn ich das Gefühl habe, dass sich meine Spieler zurücknehmen, weil sie merken, dass sie besser sind. Das geht gar nicht. Ein richtiger Champion zieht durch, und dann sieht das Resultat am Ende anders aus», sagt er.

Dabei hatte die Partie – einmal abgesehen von den trefferlosen viereinhalb Startminuten – für den HSC so gut begonnen. Bald einmal führte Kaufmanns Team mit 4:1 und baute die
Differenz zu Fortitudo Gossau beständig aus. Dann folgte das, was Kaufmann als «nicht durchziehen» bezeichnete. Der HSC verpasste es, die Führung weiter auszubauen, und so pendelte die Tor-Differenz auf der Anzeigetafel zwischen acht und elf Treffern.

«Wir hätten hier ein noch viel deutlicheres Zeichen senden können. Auch an die Konkurrenz. Das hätte einen anderen Eindruck hinterlassen», sagt Kaufmann. Natürlich gab es auch viel Gutes im Spiel des HSC. So gefiel dem Cheftrainer beispielsweise die erste Halbzeit. Und es passte ihm auch sehr gut, dass seine Optionen von der Bank durchaus zu gefallen wussten.

So brillierten Mathias Müller (sieben Treffer) und Timothy Reichmuth (acht Treffer) in Gossau besonders, nachdem sie beide zum Saisonauftakt gegen die Kadetten (24:26) nur zu sehr wenig Einsatzzeit gekommen waren.

Ausdruck der Ambitionen

Der Unzufriedenheit des Trainers zum Trotz hat der HSC Suhr Aarau mit dem klaren Sieg die starke Leistung aus dem Kadetten-Spiel bestätigt. Und die Reaktion auf den ersten Saisonsieg zeigt auch, dass die Ambitionen des HSC eben mittlerweile grösser sind, als einfach nur zu gewinnen. Kaufmann will mit seinem Team den nächsten Schritt gehen, und da gehört eben auch dazu, dass es mal gelingt, ein markantes Ausrufezeichen zu setzen.

Gezeigt hat der HSC aber auf jeden Fall, dass er bereit ist für das erste Heimspiel der Saison vom kommenden Samstag. Dann trifft das Team in der Aarauer Schachenhalle auf den HC Kriens-Luzern (Anpfiff: 18.00 Uhr).