«Suhr Aarau kann die Grossen ärgern, aber nicht stürzen.» Das schrieb das «Thuner Tagblatt» in der Vorschau auf die Finalrunde in der Handball-NLA. Und genau diese Passage markierte Misha Kaufmann, Trainer des HSC Suhr Aarau, in einer Nachricht, die er seinem Team letzte Woche schickte.

Die Episode erinnert ein bisschen an das berühmte SMS von Ralph Krueger. Im Mai 2000, vor dem Spiel gegen die Grossmacht Russland, fordert der Eishockey-Nationaltrainer seine Mannschaft in der Nachricht auf: «Glaube an das Unmögliche und das Unmögliche wird möglich.» Der Rest ist bekannt: Die Schweiz schlug die vermeintlich übermächtigen Russen, der Sieg ging als Wunder von St. Petersburg in die Eishockey-Geschichte ein.

Gegner mit grossen Namen

Für das Team von Kaufmann war die Ausgangslage am Sonntagabend ähnlich. Im ersten Finalrundenspiel empfing das sechstplatzierte Suhr Aarau mit den Kadetten Schaffhausen den Tabellenführer. In dessen Kader stehen fünf Spieler, die für Österreich, Ungarn und Kroatien an der Weltmeisterschaft im Einsatz standen. Auch die finanziellen Unterschiede zwischen den beiden Clubs sind beträchtlich: Während der HSC für die kommenden Tage bescheiden die Vertragsverlängerungen bisheriger Spieler als Erfolgsmeldungen ankündigte, verpflichteten die Kadetten für die neue Saison den 2,13 Meter grossen spanischen Nationalspieler Angel Montoro.

Doch der HSC, bei dem mit Martin Slaninka und Tim Aufdenblatten zwei wichtige Spieler nach überstandener Verletzung zurückkehrten, liess sich von den klingenden Namen auf der Gegenseite nicht beeindrucken. Suhr Aarau startete stark, kam dank gut strukturierter Angriffe immer wieder zu guten Chancen und lag nach einer Viertelstunde mit 7:2 in Führung.

Abwehr als wichtiger Faktor

Die Kadetten hatten indes grosse Probleme mit der Abwehr des Heimteams. Aufdenblatten, der im 5:1-System vorgezogen agiert, schaffte es mit seinen Kollegen oft, den Spielfluss der Schaffhauser zu unterbrechen. «Wir waren gut vorbereitet, Misha hat den Gegner analysiert, darum waren wir von ihren Aktionen kaum einmal überrascht», sagte Abwehrspezialist Patrick Strebel nach dem Spiel. Im Angriff sei die Mannschaft hingegen nicht richtig auf Touren gekommen, «aber das wird sich im Verlauf der Finalrunde auch noch ändern», versprach er.

Tatsächlich folgte auf die starke Startviertelstunde eine Phase, während der Suhr Aarau mehrere gute Chancen vergab, bisweilen zu überhastet den Abschluss suchte und einige technische Fehler produzierte. Die routinierten Kadetten nutzten dies prompt aus und machten aus einem 5:9-Rückstand in acht Minuten eine 10:9-Führung. Dank zwei schnellen Toren nach Fehlern der Schaffhauser ging der HSC dennoch mit einer 11:10-Führung in die Pause. «Wir hatten uns vorgenommen, nach vorne zu schauen und nicht zu hadern mit schlechten Aktionen», sagte Strebel.

Dies gelang auch in der zweiten Halbzeit, als Suhr Aarau mit 14:11 vorlegte, später stets mit einem oder zwei Toren in Führung lag, neun Minuten vor Schluss aber den Ausgleich zum 20:20 kassierte.

Mutig in der Schlussphase

Es schien zu laufen wie so oft gegen die Kadetten, ein gutes Spiel mit einer ehrenvollen Niederlage – doch diesmal lief die Schlussphase anders. Aus den letzten neun Angriffen erzielten die Schaffhauser nur noch drei Tore, während der HSC gleich sechsmal erfolgreich war. «Wir wollten den Sieg unbedingt, in gewissen Phasen hat uns das ein bisschen gelähmt, aber am Schluss haben wir uns das Glück auch erarbeitet und verdient», fand Strebel.

In der entscheidenden Phase liess Misha Kaufmann sein Team oft mit dem siebten Feldspieler anstelle des Torhüters agieren – und der Mut zum Risiko zahlte sich aus. Suhr Aarau, das in Milan Skvaril (9 Tore) seinen besten Werfer hatte, feierte einen unerwarteten, aber nicht unverdienten Sieg.

Das nächste Spiel steht für den HSC schon am Donnerstag auswärts bei Wacker Thun an. Dann hat Suhr Aarau eine weitere Gelegenheit, um zu beweisen, dass man die Grossen – Thun ist amtierender Schweizer Meister – nicht nur ärgern, sondern stürzen kann.