Es war die Überraschung des Fussballfrühlings: An der Generalversammlung der Swiss Football League (SFL) im Mai stimmten die Bosse der 20 Profiklubs für die sofortige Wiedereinführung der Barragespiele zwischen dem Neunten der Super League und dem Zweiten der Challenge League. Und dies, nachdem die gleiche Runde zehn Monate zuvor die gleiche Frage deutlich mit «Nein» beantwortet hatte.

Woher dieser rasche Sinneswandel? Eine Hauptrolle spielte der FC Aarau, genauer gesagt Präsident Alfred Schmid. Er erlebte vor sechs Jahren die bislang letzte Barrage zwischen Aarau und Sion hautnah mit: «Das waren Fussballfeste. Die Stimmung im Brügglifeld war grossartig, obwohl wir das Hinspiel im Tourbillon verloren haben.»

Zwischen Schmids Gefühlslage von damals und jener in diesem Frühling lagen Welten: Die Saison 2017/18 war der Tiefpunkt in der Challenge-League-Historie: Im Januar standen mit Xamax und Wohlen der Auf- und der Absteiger fest. Die sportliche Relevanz der Rückrunde? Gleich null, weil es auf den Rängen zwei bis neun in der Tabelle gleich viel zu gewinnen gibt: nichts. Die Folgen: Erbärmliches Niveau auf dem Rasen und leere Sitze auf den Tribünen.

Viel Lobbyismus war nötig

«So kann es nicht weitergehen», dachte sich Schmid. Gemeinsam mit anderen Challenge-League-Präsidenten, die unter der Trostlosigkeit in ihrer Liga litten, initiierte Schmid den Antrag für die SFL-Generalversammlung im Mai 2018, erneut über die Wiedereinführung der Barrage abzustimmen.

Gemeinsam mit anderen Challenge-League-Präsidenten initiierte Alfred Schmid den Antrag für die SFL-Generalversammlung im Mai 2018, erneut über die Wiedereinführung der Barrage abzustimmen.

  

Um die dafür nötige Zweidrittelsmehrheit (14 «Ja»-Stimmen) zu erreichen, war im Vorfeld viel Lobbyismus seitens Schmid und seiner Kollegen gefragt. Die zehn «Ja»-Stimmen aus der Challenge League waren gesichert; dafür garantierten die Klubs mit ihrer Unterschrift auf einem gemeinsam verfassten Brief. Die grosse Hürde waren die nötigen vier Stimmen aus der Super League; alle zehn Klubs aus dem Oberhaus stimmten im November 2017 gegen die Barrage.

Vor der Generalversammlung gelang es, die Grossklubs aus Basel und Bern für ein «Ja» zur Barrage zu bewegen. Auch der FC Zürich schwenkte um: Nach dem Abstieg 2016 und dem einjährigen Abstecher in die Challenge League hatte das Ehepaar Ancillo und Heliane Canepa ein Herz für die Kleinklubs. Genug war das nicht, die Challenge-League-Vertreter mussten mit einer erneuten Niederlage rechnen. Umso mehr, als Luzern-Präsident Philipp Studhalter an der GV das Mikrofon ergriff und eine Brandrede gegen die Barrage hielt. Tenor: Die Gefahr eines Abstiegs würde grösser und ein solcher würde einen Super-League-Klub ruinieren.

Flammendes Plädoyer für die Barrage

Es war der Moment, in dem Alfred Schmid die Initiative ergriff. Er, der sonst ungern in den Vordergrund drängt, erhob sich von seinem Stuhl neben FCZ-Mäzenin Heliane Canepa und setzte zum flammenden Plädoyer für die Barrage an. Als FCA-Präsident musste Schmid zwei Mal (2010, 2015) den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten, keiner weiss besser Bescheid über die Folgen eines Abstiegs.

Der FCA-Präsident Alfred Schmid hatte mit seinem flammenden Plädoyer Erfolg. Ab dieser Saison gibt es die Barrage wieder.

  

Er sagte: «Wer seriös wirtschaftet, der verkraftet einen Abstieg. Wer nach einem Abstieg Konkurs geht, hat im Voraus viele Fehler gemacht. Die Durchlässigkeit zwischen Super League und Challenge League muss wieder grösser werden, es gibt sonst zu viele nichtsbedeutende Spiele in der Challenge League.»

Schmids kurze, aber prägnante Rede fand Anklang: Bei der Abstimmung fiel das Ergebnis mit 16:4 deutlich für die Barrage aus.

Für Schmid ist die kommende Saison ziemlich sicher die letzte als Präsident des FC Aarau. Was wäre das für eine schöne Pointe, würde er als geistiger Vater der Barrage ebendiese zum Schluss nochmals erreichen.