FC Aarau
Der Geist über dem Spitzenkampf: FCA-Transfercoup Shkelzen Gashi vor dem Duell seiner Ex-Klubs

«Ich habe schöne Erinnerungen an Aarau», sagt der zukünftige FCA-Stürmer Shkelzen Gashi vor der Partie gegen den Verein, der ihn ebenfalls verpflichten wollte.

Sebastian Wendel, Ruedi Kuhn
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Shkelzen Gashi kehrt bald nach Aarau zurück

Shkelzen Gashi kehrt bald nach Aarau zurück

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«Wir werden im Januar mit einer Überraschung aufwarten.» Der Satz von FCA-Präsident Alfred Schmid Anfang Juli lässt aufhorchen. Kurz darauf kommt raus: Die Überraschung heisst Shkelzen Gashi. Gemäss AZ-Recherchen haben beide Parteien vertraglich besiegelt, dass der 31-Jährige ab dem 1. Januar 2020 das Trikot des FC Aarau trägt.

Auch wenn sich erst zeigen muss, wie es nach vier Jahren in den USA um Gashis Leistungsvermögen steht – auf den ersten Blick ist es ein Transfercoup: Bereits von Januar 2011 bis 2012 stürmt Gashi für den FCA und markiert in 44 Spielen 23 Tore und 19 Assists, später wird er bei GC und Basel Torschützenkönig, ehe er am 1. Februar 2016 in die USA zu den Colorado Rapids wechselt.

Seit die Transferbombe geplatzt ist, schwebt der Name «Gashi» wie ein Geist über dem Brügglifeld. Club- und Spielerseite wollen die Rückkehr des 31-Jährigen weiterhin nicht bestätigen. Sportchef Sandro Burki lässt sich entlocken, dass Gashi ein interessanter Spieler sei – mehr nicht.

Geheimniskrämerei um Vertragsgespräche

Und Gashi? Er pendelt zwischen den Kontinenten, seit Colorado ihn Anfang Jahr aussortiert hat. Gemäss Reglement der US-Profiliga MLS muss er innert Kürze bereit sein, wenn ein anderer Club ihn kurzfristig bis zum Auslaufen des Vertrags am 31. Dezember 2019 einstellen will.

Gashi zur AZ: «Ich trainiere mit einem Athletiktrainer, dazu habe ich einen Physiotherapeuten und einen Ernährungsberater.» Zur Rückkehr nach Aarau sagt er: «Über Vertragsgespräche kann ich keine Auskunft geben. An Aarau habe ich schöne Erinnerungen. Ich will nichts ausschliessen, kann aber auch nichts bestätigen.»

Warum die Geheimniskrämerei? Möglich, dass die MLS auf die frühzeitige Auflösung von Gashis Vertrag pocht, wenn dessen Unterschrift in Aarau von offizieller Seite bestätigt würde. Gashi verdient in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Franken. Verständlich, dass er erst danach zum FC Aarau kommen will, der ihm nur einen Bruchteil des US-Salärs bieten kann.

Gemäss «Tages-Anzeiger» war dies der Grund, warum GC im Juni Abstand von einer Rückholaktion nahm. Die Hoppers wollten ihn sofort. Und so schwebt Gashis Geist auch heute über dem Brügglifeld, wo sich Aarau und die Grasshoppers um den Challenge-League-Tabellenthron duellieren. Oder taucht er sogar im Brügglifeld auf? Gashi: «Ich werde das Spiel verfolgen, ob im Stadion oder am Ticker, kann ich noch nicht sagen.»

(swe)

Bereits von 2011 bis 2012 verzückte Gashi die Aarau-Fans mit Toren: Das sagen seine damaligen Wegbegleiter im Brügglifeld René Weiler (Ex-FCA-Trainer)

«Shkelzen Gashi gehörte in der Saison 2011/12 zu den besten und technisch versiertesten Spielern des FC Aarau.» - René Weiler.

«Shkelzen Gashi gehörte in der Saison 2011/12 zu den besten und technisch versiertesten Spielern des FC Aarau.» - René Weiler.

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Als Trainer ist es eines meiner Ziele, das Maximum aus einem Spieler herauszukitzeln. Shkelzen Gashi gehörte in der Saison 2011/12 zu den besten und technisch versiertesten Spielern des FC Aarau. Er verfügte über ein Riesenpotenzial, rief aber zu Beginn nur zirka 70 Prozent davon ab. Mir gelang es, die letzten 30 Prozent aus ihm herauszukitzeln. Ich schaffte es, ihn an seine Leistungsgrenze zu bringen. Gashi zeigte nach dieser Saison in Aarau auf eindrückliche Art und Weise, was er drauf hat und wurde bei GC und Basel Torschützenkönig in der Super League. Wir Trainer sollten uns bewusst sein, dass oft nur ein fordernder, teilweise unangenehmer Umgang mit den Spielern zum maximalen Erfolg führen kann. Gashi hat damals die Zeichen der Zeit erkannt. Er arbeitete hart und wurde mit einer tollen Karriere belohnt.

(Quelle: René Weiler )

Alain Schultz (Ex-FCA-Spieler)

«Sollte Gashi tatsächlich zum FC Aarau zurückkehren, wäre das zweifellos ein spektakulärer Transfer.» - Alain Schultz (links).

«Sollte Gashi tatsächlich zum FC Aarau zurückkehren, wäre das zweifellos ein spektakulärer Transfer.» - Alain Schultz (links).

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Shkelzen und ich verstanden uns ausgezeichnet. Wir machten viele Sprüche und hatten den gleichen Humor. Zwischen den Trainings gingen wir oft essen. ‹Shkeli› war ein spezieller Typ. Neben dem Platz war er cool, auf dem Spielfeld war er oft ein Hitzkopf. Unter der Führung von Trainer René Weiler ging Gashi der Knopf auf. Das Erfolgsrezept von Weiler war, dass er Gashi nicht nur die Peitsche gab, sondern auch das Zuckerbrot. Weiler brachte Gashi so weit, dass er mit seinem besten Freund Remo Staubli sogar Extraschichten im Kraftraum einlegte. Im Laufe der Saison 2011/12 wurde Gashi immer besser und legte mit seinen 18 Toren den Grundstein für die Transfers zu GC und zum FC Basel. Sollte Gashi in der zweiten Saisonhälfte tatsächlich zum FC Aarau zurückkehren, wäre das zweifellos ein spektakulärer Transfer.

(Quelle: Alain Schultz)

Alfred Schmid (FCA-Präsident)

«Shkelzen Gashi war nicht nur ein Torgarant, sondern auch ein toller Typ ohne Allüren.» - Alfred Schmid.

«Shkelzen Gashi war nicht nur ein Torgarant, sondern auch ein toller Typ ohne Allüren.» - Alfred Schmid.

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In meinen mehr als zwölf Jahren als Präsident des FC Aarau sind mir drei Spieler in besonders guter Erinnerung geblieben: Gürkan Sermeter, Davide Callà und Shkelzen Gashi. Sie haben in ihrer Zeit beim FC Aarau alles gegeben, Spektakel geboten und vor allem: Sie waren die Lieblinge der zahlreichen FCA-Fans. Gashi hat mir vor der Saison 2011/12 versprochen, dass er jede Menge Tore schiessen werde. Und siehe da, er hat Wort gehalten und war jeden Rappen wert. Dank Gashis 18 Treffern und 15 Vorlagen kamen wir nach einer spektakulären Saison in die Barrage gegen den FC Sion. Dort scheiterten wir, obwohl Shkelzen im Rückspiel traf. Er war aber nicht nur ein Torgarant, sondern auch ein toller Typ ohne Allüren, der bei allen Teamkollegen gut ankam. Zu seiner Rückkehr kann ich sagen: Es gab Kontakte.

(Quelle: Alfred Schmid)