2. Liga AFV

Der Frust des FC Suhr nach der Forfait-Niederlage: Der AFV und seine Rolle im brisanten Drama

Dumm gelaufen: AFV-Präsident Luigi Ponte steht erstmals nach seiner Wahl im August 2019 im Kreuzfeuer der Kritik.

Dumm gelaufen: AFV-Präsident Luigi Ponte steht erstmals nach seiner Wahl im August 2019 im Kreuzfeuer der Kritik.

Das Drama um den gesperrten Assistenztrainer und Spieler Ömer Yelli zieht weite Kreise. Der Aargauische Fussballverband spielte im Vorfeld der 0:3-Forfait-Niederlage des 2.-Ligisten gegen Mutschellen keine gute Rolle – die Gründe.

Erinnern Sie sich? Nachdem sich der FC Suhr und Mutschellen im Spitzenspiel der 2. Liga am 22. Oktober 3:3-Unentschieden getrennt hatten, kassierten die Suhrer gemäss Entscheid der Rekurskommission des Aargauischen Fussballverbandes (AFV) eine 0:3-Forfait-Niederlage. Sie setzten mit Ömer Yelli einen gesperrten Assistenztrainer und Spieler ein.

Der FC Suhr akzeptierte das Urteil schweren Herzens. Er verzichtete auf einen Rekurs, weil der Aufwand zu gross und finanziell zu aufwendig gewesen wäre und man sich ausserdem keine grosse Chance auf einen positiven Entscheid ausrechnete. Der Fall war eigentlich abgehakt, nahm zwischen dem 31. Dezember und dem 10. Januar allerdings nochmals Fahrt auf.

Die brisante Geschichte beginnt also am letzten Tag des vergangenen Jahres mit einem E-Mail von Suhr-Präsident Valerio Rizzo an Luigi Ponte. Rizzo bittet den Präsidenten des Aargauischen Fussballverbandes um ein Treffen, das vor geraumer Zeit abgemacht, aber nicht fixiert worden sei. Er will mit Ponte über die Hintergründe der 0:3-Forfait-Niederlage sprechen und Ursachenforschung betreiben.

Enttäuscht über das «Nichtstun» des Verbandes

Rizzo hält im erwähnten E-Mail nicht mit Kritik am AFV zurück, ersucht Ponte um eine Stellungnahme und weist in aller Deutlichkeit darauf hin, dass der Vorstand des FC Suhr über die 0:3-Forfait-Niederlage und das «Nichtstun» des Verbandes sehr enttäuscht sei.

Neun Tage später, also am 9. Januar, sitzen Rizzo, Ponte und AFV-Geschäftsführer Hannes Hurter an einem Tisch. Rizzo macht aus seiner grossen Enttäuschung kein Geheimnis, bleibt im Gespräch unter sechs Augen allerdings sachlich. Er akzeptiert die 0:3-Forfait-Niederlage, wirft den AFV-Verantwortlichen aber erneut «Nichtstun» vor. Was meint Rizzo mit Nichtstun? Um diese Frage beantworten zu können, muss der im Endeffekt brisante und vor allem komplizierte Fall nochmals aufgerollt werden.

Das erste Kapitel der Geschichte wurde am 18. Oktober im Spiel FC Suhr gegen Lenzburg (1:3) geschrieben. Während der Halbzeitpause kam es zu tumultartigen Szenen. Suhrs Assistenztrainer und Spieler Ömer Yelli lieferte sich mit Lenzburg-Trainer Emilio Munera ein hitziges Wortgefecht. Yelli beschimpfte Munera und wollte ihm an die Gurgel.

Eine Verkettung von Ereignissen

Schiedsrichter Sandro Schmid beobachtete die Szene und zeigte Yelli die rote Karte. Vier Tage später empfing Suhr den FC Mutschellen. Rotsünder Ömer Yelli wurde kurz vor Schluss eingewechselt. Das Unheil nahm seinen Lauf. Die Mutscheller legten Protest bei der Kontroll- und Strafkommission (KDK) des AFV ein. Der Protest wurde abgewiesen, weil es für die KDK nach Absprache mit Bern klar war, dass die rote Karte eine reine Funktionssperre ist, also nur gegen den Assistenztrainer und nicht gegen den Spieler Yelli gerichtet war.

Die Mutscheller liessen nicht locker und zogen den Fall an die Rekurskommission des AFV weiter. Sie entschied Anfang Dezember, dass das 3:3 vom 22. Oktober gestrichen wird. Der Grund: Yelli war in den Partien vom 18. und vom 22. Oktober als Spieler auf der Mannschaftsliste. Und ein Spieler ist nach einer direkten roten Karte für die nächste Partie immer gesperrt. So kassierten die Suhrer in der Folge eine 0:3-Forfait-Niederlage.

Das sind die Fakten. Das Pikante an der Sache: Um auf der sicheren Seite zu sein, erkundigten sich die Suhrer im Vorfeld des Spiels gegen Mutschellen beim AFV, ob Ömer Yelli spielberechtigt ist oder nicht. Suhrs Spiko-Präsident Essender Cöcelli bestätigt auf Anfrage, dass ihm ein AFV-Funktionär, an dessen Name er sich nicht mehr erinnern könne, das Okay für den Einsatz von Yelli gab. «Ich habe mit einem Verantwortlichen des AFV Kontakt aufgenommen und war nach dem Gespräch im guten Glauben, dass Yelli im nächsten Spiel nicht gesperrt ist», sagt Cöcelli. «Mit wem ich gesprochen habe, weiss ich allerdings nicht mehr.» Wer Cöcelli die falsche Information gegeben hat, bleibt wohl für immer ungeklärt. Beim AFV weiss man es auf Anfrage auch nicht.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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